Politiker plädieren für Tempolimit und verbesserte Lärmschutzwälle – Fachbetrieb soll Gutachten erstellen »Forderungen bleiben Papiertiger«

Steinhagen (WB). Welche Maßnahmen kann die Gemeinde gegen den Autobahnlärm ergreifen? Das erhitzte im Bauausschuss am Donnerstagabend die Gemüter der Ausschussmitglieder und vieler weiterer Zuhörer. Denn seit seiner Eröffnung ist der Steinhagener A33-Abschnitt Teil der Lärmaktionsplanung der Gemeinde, die bislang B68, Bielefelder und Bahnhofstraße umfasste.

Von Volker Hagemann
Anwohner fordern besseren Lärmschutz: Blick über die A33 auf die Niehaussiedlung.
Anwohner fordern besseren Lärmschutz: Blick über die A33 auf die Niehaussiedlung. Foto: Volker Hagemann

Heinz August Lümkemann etwa beklagte im Ratssaal: »Bei Westwind ist der Lärm unerträglich. Warum setzen wir uns nicht für ein Tempolimit ein? Trassengegener und -befürworter müssen jetzt zusammenhalten!« Lümkemann wohnt in der Luisenstraße, nur 160 Meter nördlich der Trasse. Gemeinsam mit 85 weiteren Anwohnern der Niehaussiedlung fordert er die Gemeinde in einem Schreiben auf, für Nachbesserungen beim Lärmschutz zu sorgen.

Ob die Forderungen umgesetzt werden können, ist fraglich

Forderungen, die Steinhagens Politiker fraktionsübergreifend unterstützen. Ob sie umgesetzt werden können, steht auf einem anderen Blatt. Auch wenn der Bauausschuss für Maßnahmen wie Tempolimit, verbesserte Lärmschutzwälle oder gar nachträgliches Aufbringen von Flüsterasphalt plädierte – Bürgermeister Klaus Besser weiß: »Es ist ein Papiertiger. Ausschuss und Rat können Wünsche beschließen. Doch so lange die Lärmgrenzwerte eingehalten werden, macht der Straßenbaulastträger, der Landesbetrieb Straßen NRW, nichts. Die Kommunen sind da recht machtlos.«

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Wir haben hier die in Deutschland oder ganz Europa einmalige Situation, dass eine Autobahn durch einen Ort gebaut wird. Mindestens ein Tempolimit müssen wir fordern.

Hartmut Düfelsiek (Grüne)

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Das lassen Christiane Manthey (Grüne) und Hartmut Düfelsiek (Grüne) nicht gelten: Ich widerspreche der Haltung, man könne eh nichts tun. Wie wäre es denn mit Lärmsanierung durch dickere Fenster und Kostenerstattung?«, schlug Manthey vor. »Der Lärm ist unerträglich. Wir haben hier die in Deutschland oder ganz Europa einmalige Situation, dass eine Autobahn durch einen Ort gebaut wird. Mindestens ein Tempolimit müssen wir fordern«, so Düfelsiek unter großem Zuhörer-Applaus.

Bis zur Ratssitzung am Mittwoch, 6. Juni, prüft die Verwaltung jetzt die Kosten für ein Lärmgutachten durch einen Fachbetrieb.

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