Aber soll Steinhagen Dorf bleiben? Kein politischer »Stadtplan«

Steinhagen  (WB). Halle, Werther, Borgholzhausen und Versmold feiern jetzt 300 Jahre Stadtrechte. Und Steinhagen? Ist immer noch eine Gemeinde. Sollte das nicht bald mal anders werden?

Von Annemarie Bluhm-Weinhold
Steinhagen hat seine Dorfkirche, ist von der Größe her aber eine Stadt – soll das auch Status werden?
Steinhagen hat seine Dorfkirche, ist von der Größe her aber eine Stadt – soll das auch Status werden?

Alteingesessene Steinhagener sagen immer noch: »Ich gehe ins Dorf«. Doch mancher Zugezogener oder Besucher von auswärts spricht ganz selbstverständlich von Stadt Steinhagen. Denn die Gemeinde hat inzwischen eine Größenordnung erreicht, die der einer Stadt durchaus entspricht.

Das größte Dorf im Kreis

20.700 Einwohner zählt die Gemeinde seit einiger Zeit: »Wir haben in drei Jahren hintereinander die 20.000-Marke überschritten. Insofern wären wir berechtigt, Stadtrechte zu beantragen«, sagt Bürgermeister Klaus Besser. »Wir sind das größte Dorf im Kreis Gütersloh. Und Steinhagen hat in den vergangenen 30 bis 40 Jahren die Entwicklung vom Dorf zur Stadt gemacht«, so Klaus Besser. Warum sollte Steinhagen also keine Stadt werden?

Latent vorhanden ist ein solcher Wunsch offenbar durchaus in der Bevölkerung. »Ich werde schon häufiger mal gefragt, ob Steinhagen nicht Stadt werden sollte«, sagt Besser. »Es mag sein, dass jetzt, wenn die anderen vier Altkreis-Kommunen feiern, über diese Idee durchaus wieder mehr geredet wird«, sagt der Bürgermeister. Er könne sich eine solche Diskussion vorstellen: »Aber ergebnisoffen. Und sie sollte eine breite politische Zustimmung haben.«

Nicht mehr Geld für Bürgermeister und Ratsmitglieder

Einen solchen politischen »Stadtplan« sieht Besser indes nicht. Zumal der Status Stadt finanziell keine Vorteile bringt: »Wir bekommen dadurch nicht mehr Zuschüsse«, so Besser. Ein paar Kosten sind damit schon verbunden, aber überschaubar: »Ein Festakt wäre fällig. Man braucht neue Ortsschilder und Briefbögen.«

Für die CDU kein Thema

Für die CDU ist es kein Thema, aus der Gemeinde eine Stadt Steinhagen zu machen«, sagt beispielsweise CDU-Fraktionschef Herbert Mikoteit. Die Nachteile überwiegen seiner Meinung nach. Wem nützt es auch? »Steinhagen ist der Ursprungsort des Steinhägers, egal ob als Gemeinde oder Stadt«, sagt er. Auch die ansässigen Betriebe hätten daraus keine Vorteile.

Und auch der Bürgermeister und die Ratsmitglieder bekommen dadurch nicht mehr Geld. »Ich bin schon mit der Überschreitung der 20.000-Einwohner-Grenze höher gruppiert worden«, so Besser. Die Ratsmitglieder erhalten 2020 eine nächste Erhöhung ihrer Aufwandsentschädigungen – unabhängig von Stadtrechten.

Die »Umfirmierung« von Dorf zu Stadt also nur ein formaler Alt? Nicht ganz: Als Stadt kann man zum Beispiel sein eigenes Jugendamt gründen. Das beispielsweise wird in Halle immer mal wieder erörtert, da es womöglich günstiger sein könnte als der Anteil, der in die Umlage zu zahlen ist. Gütersloh, Rheda-Wiedenbrück und Verl haben sich bereits vom Kreisjugendamt verabschiedet.

Indes hält der Trend zur Stadt in Steinhagen an – der boomenden Wirtschaft sei dank. Durch Zuzüge und Zuwanderung insbesondere aus Südosteuropa wird die Einwohnerzahl nach Bessers Einschätzung weiter steigen: »2020 sind wir bei 21.000«, meint er.

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