Um 1930: Segelflieger schreiben am Bußberg Luftfahrtgeschichte Schwedenschanze im Aufwind

Steinhagen  (WB). Die Schwedenschanze – beliebtes Ausflugsziel auf dem Kamm des Teuto. Doch hier auf dem Bußberg im Grenzgebiet von Amshausen und Dornberg ist auch Luftfahrtgeschichte geschrieben worden. Denn Ende der 1920-er Jahre war die Schwedenschanze das Revier der Segelflieger. Sogar ein Flugzeug hat der Bielefelder Luftfahrtverein nach der Kuppe benannt.

Von Annemarie Bluhm-Weinhold
Sogar Postkarten gab es vom Segelflugrevier an der Schwedenschanze. Der Bußberg war beliebtes Terrain der Segelflieger – und zugleich gefürchtet. Denn die Abwinde an den Hängen waren nicht zu unterschätzen.
Sogar Postkarten gab es vom Segelflugrevier an der Schwedenschanze. Der Bußberg war beliebtes Terrain der Segelflieger – und zugleich gefürchtet. Denn die Abwinde an den Hängen waren nicht zu unterschätzen. Foto: Heimatverein

Dieter Graf, Vorsitzender des Heimatvereins Amshausen, hat die flugsportliche Geschichte der Schwedenschanze in einem Artikel aufgearbeitet, der jetzt die Heimatvereinsbroschüre »Die Schwedenschanze mit der Kaiser-Friedrich-Gedächtnishütte« ergänzt. Klaus-Peter Twistel, Betreiber der Hütte auf der Schwedenschanze, hatte ihm im vergangenen Jahr Unterlagen eines Dornberger Sportfreundes gegeben. »Ich habe weiter recherchiert, relevante lokale Bezüge aufgezeigt und die Bedeutung der ersten Flugversuche an der Schwedenschanze dargestellt«, so Graf.

Ein ideales Terrain

Luftfahrt hat die Bielefelder offenbar schon immer interessiert. Vor dem Ersten Weltkrieg zogen spektakuläre Luftschiff- und Ballonlandungen die Massen an. Und während der Motorflug sich in den 1920-er Jahren erst allmählich entwickelte, war der Segelflug stark im Aufwind. Bielefelder und Osnabrücker Flieger suchten an den Hängen des Teuto nach einem idealen Terrain – und fanden die Schwedenschanze. Seit einem Waldbrand am 24. April 1914 war sie von Bäumen frei. »Das Gelände schien für fortgeschrittene Flieger geeignet zu sein. Probleme bereiteten aber offensichtlich die Landeflächen und die kritischen Hangwindverhältnisse, die die Anfängerschulung erschwerten«, schreibt Dieter Graf.

»Geheimwaffe« Variometer

Dass Robert Kronfeld einen derartigen fliegerischen Erfolg – nicht nur an der Schwedenschanze – hatte, das liegt auch daran, dass er technisch seinem Sport voraus war. Denn das Flieger-Ass baute 1928 zu ersten Mal ein Variometer in sein Segelflugzeug ein, wie Dieter Graf weiß. Das war zunächst streng geheim, heute ist es Grundausstattung jedes Segelflugzeugs und zeigt an, ob ein Fluggerät steigt oder sinkt. »Kronfeld hatte den Unterschied zwischen Hangwinden und thermischen Aufwinden früh erkannt und genutzt«, so Graf.

Die ersten Probeflüge fanden im Oktober 1928 statt. Am 11. Dezember 1928 wurde an der Schwedenschanze eine Segelflugschule eröffnet, am 17. Januar 1929 die Segelfluggruppe im Luftfahrtverein Bielefeld gegründet. Und dann erschien eine Lichtgestalt der Fliegerszene. Der Wiener Robert Kronfeld war, wie Dieter Graf schreibt, »einer der hervorragendsten Flugpioniere seiner Zeit«, und er »gab der hiesigen Flugbegeisterung einen ungemeinen Impuls«. Mit Hilfe der Bielefelder Gruppe schaffte Kronfeld einen Weltrekord, als er am 15. Mai 1929 den ersten Segelflug über mehr als 100 Kilometer – genau gesagt: 102,2 Kilometer – zurücklegte. Und zwar nicht in der Rhön, sondern im Teutoburger Wald von Bergeshövede bei Ibbenbüren nach Hornoldendorf bei Horn-Bad Meinberg.

Robert Kornfeld – eine Lichtgestalt

Robert Kornfeld stellte sich nicht nur für ein paar Tage als Fluglehrer zur Verfügung, sondern er betonte bei einem Empfang durch den Bielefelder Magistrat auch, welch ein vorzügliches Gelände die Schwedenschanze zu wirklichen Segelflügen über der Startstelle sei. Die Bielefelder beschafften sich daraufhin ein erstes eigenes Segelflugzeug, das sie auf den Namen – »Schwedenschanze« tauften.

Am 9. Juni 1929 wurde das Fliegerheim an der Schwedenschanze eingeweiht, am 10. Juni startete »Schwedenschanze« zum Jungfernflug. Am 16. Juni 1929 fand ein erfolgreicher Flugtag statt, an dem auch Robert Kronfeld teilnahm. Denn er hatte den Bielefeldern immer versprochen, baldmöglichst eine ausgedehnten Flug von der Schwedenschanze aus zu unternehmen.

Gefährliche Abwinde

Bereits im November 1929 wurde ein zweites Flugzeug angeschafft: der »Sennevogel Bielefeld IV«. Auch der Magistrat förderte den Segelflugsport und schenkte dem Verein 1930 eine Flugzeughalle an der Schwedenschanze. 1931 wurde der Platz sogar erweitert bis zur Kuppe des Bußbergs. Allerdings gab es auch zahlreiche Rückschläge. Fliegen an der Schwedenschanze war durch Abwinde nicht ganz einfach. Der Verein fand ein neues Gelände in Oerlinghausen. »Ade Schwedenschanze, aber das war eine Initialzündung«, schreibt Dieter Graf.

Die Aufwinde an den Hängen des Teuto werden bis heute gerne von Flugsportlern genutzt. So starten die Paraglider heute von der Ascheloher Höhe

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