Spannende und berührende Vox-Doku mit Steinhagener Schülern Lieblingslehrer Klitschko

Steinhagen (WB). Zwar flogen am Ende auch die Boxhandschuhe – aber nur sinnbildlich für das Durchboxen im Leben. Die Unterrichtsstunde, die 18 Steinhagener Oberstufenschüler mit Ex-Weltmeister Wladimir Klitschko erlebt haben, war spannend, lehrreich, unterhaltsam und sehr ernsthaft und berührend.

Von Annemarie Bluhm-Weinhold

Wie mehrfach berichtet, war der 41-jährige Boxstar »Der Vertretungslehrer« in einer Doku des Privatsenders Vox, die am späten Dienstagabend ausgestrahlt wurde. 850.000 Zuschauer (Marktanteil von 4,1 Prozent) haben nach Angaben von Media Control die Sendung gesehen. Und natürlich war sie gestern das Gesprächsthema in der Schule und im Ort.

Erst wurde Campino erwartet – doch dann kam mit Klitschko ein Weltstar

Denn wann hat man schon einmal einen Weltstar zu Gast im Klassenraum? Die 18 Schülerinnen und Schüler, gecastet aus der Stufe elf und zwölf, hatten eher »Tote-Hosen«-Sänger Campino erwartet oder auf »Fack-ju-Göhte«-Superlehrer Elyas M’Barek gehofft – und dann stand Wladimir Klitschko in der Tür. »Mit einem Promi, der überall auf der Welt bekannt ist, hat man nicht gerechnet«, sagte Julia.

Aber Wladimir Klitschko, Doktor der Sportwissenschaft und Philosophie, gab sich ganz nahbar. »Dr.« und »Klitschko« strich er aus seinem Namenszug an der Tafel gleich aus: »Ich bin Wladimir«, sagte er und gab jedem die Hand. »Dieser feste Händedruck. Beängstigend«, fand Nicolas.

Verständiger »Lehrer« mit Sinn für Überraschungen

Das musste es nicht sein. Denn der Star, Sohn einer Dorfschullehrerin, erwies sich als verständiger Lehrer – mit Sinn für Überraschungen. Jedem warf er ein Stück Seil zu. Die Aufgabe: Knoten machen für Ziele und Wünsche. Denn das Thema seiner Unterrichtsstunde lautete: »Wie gehe ich mit Herausforderungen und Problemen um?« Ein durchaus sinnvolles Thema, fand Nicolas: »Schließlich stehen wir vor dem Abitur und machen uns Gedanken um die Zukunft.«

Jeder Knoten symbolisiert ein Lebensziel

Roshaan machte nur einen Knoten: »Das ist mein Ziel: Chemiker zu werden und ein Medikament zu erfinden, das der Menschheit hilft.« Klitschko bestärkte ihn: »Jeden Traum, den ihr habt, könnt ihr schaffen.«

Er sagte aber auch: »Alleine schafft man im Leben gar nichts.« Das ließ er mit einer Übung anschaulich werden: einfach nach hinten fallen lassen in die Arme von Mitschülern. Einfach? Doch, es klappte. Und zu sechst fingen die Schüler sogar 110-Kilo-Mann Klitschko auf. Eine Erfahrung, die Gemeinschaft spürbar machte. »Ihr seid eine Einheit und könnt einander vertrauen«, so Klitschko.

Von Angst, Optimismus und Leidenschaft

Was aber ist, wenn man Angst hat? Das fragte Tara, die bekannte, unter einer schmerzhaften undefinierbaren Krankheit zu leiden. »Angst ist ein Geschenk, das uns schneller, schlauer und fitter macht«, sagte Klitschko, den der Optimismus der Schülerin beeindruckte. Er sagte: »Sie geht einen härteren Weg als wir alle.«

Schließlich darf auch dieses nicht fehlen beim Streben nach Zielen: Leidenschaft, ja Besessenheit. Die Klasse war zu Tränen gerührt, als Annika das Rilke-Gedicht »Mein Herz« vorlas – und zwar so, wie Klitschko ihr geraten hatte: »Stell dir vor, du widmest es einer Person, die du liebst.« Annika erzählte, sie habe an ihre verstorbene Mutter gedacht.

Produktionsfirma zeigte Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit Schülern

In Trailern, die sie in den Herbstferien selbst gedreht hatten, aber auch im Interview sprachen die Schüler offen und unbefangen von ihren Träumen, Ängsten und Zielen. Schulleiter Josef Scheele-von Alven sah sich nach der Sendung in seiner Einschätzung bestätigt, dass das Team der Produktionsfirma Norddeich TV ein hohes Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit den Schülern gezeigt habe: »Es gibt in jeder Klasse Schüler, die ein schweres Los haben. Ich finde es gut, offen darüber zu sprechen. Es war in keinster Weise sensationslüstern aufgemacht. Auch waren die Schnitte langsam und ruhig.« Er sei überrascht gewesen, wie erwachsen die Schülerinnen über ihr Schicksal gesprochen hätten.

Am Ende der Lehrstunde mit Klitschko stand die Erkenntnis: Es gibt keine Probleme, nur Herausforderungen – und ein Mantra: »Ich bin die bewegende Kraft.« Das werde sie sich zu eigen machen, hat sich Tara vorgenommen.

Vom Lehrer gab es gute Noten: »Wenn ich diese Generation mit diesem Optimismus und dieser Zielstrebigkeit sehe, muss ich keine Angst vor der Zukunft haben.«

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