Realschule hat strenge Regeln für Smartphonegebrauch eingeführt Handyfreie Zone

Steinhagen  (WB). Das Smartphone bleibt aus: Die Realschule Steinhagen ist handyfreie Zone. Nur zu Recherchezwecken im Unterricht oder zum Musikhören in der Mittagspause dürfen Schüler das Gerät nutzen. Denn Schulleiter Frank Kahrau sieht die Gefahren des unkontrollierten Smartphone-Gebrauchs – das fängt bei Unkonzentriertheit an und reicht bis zum Mobbing.

Von Annemarie Bluhm-Weinhold
100 Whatsapps pro Tag – das ist für die Zehntklässler Marie und Jayden nicht viel. Aber: Damit das Handy nicht zum Zeiträuber wird, den Schulalltag und Schulfrieden stört und ein bewusster Umgang eingeübt werden kann, gibt es strenge Schulregeln.
100 Whatsapps pro Tag – das ist für die Zehntklässler Marie und Jayden nicht viel. Aber: Damit das Handy nicht zum Zeiträuber wird, den Schulalltag und Schulfrieden stört und ein bewusster Umgang eingeübt werden kann, gibt es strenge Schulregeln.

Mit strengen, von der Schulkonferenz abgesegneten Regeln ebenso wie mit Aufklärungsarbeit will die Realschule ihr Prinzip von einer »schülergerechten Schule«, wie die stellvertretende Schulleiterin Silvia Liebich sagt, auch in Sachen Smartphone umsetzen.

Das heißt: Schule soll zunächst einmal Werte wie das soziale Miteinander vermitteln – miteinander sprechen statt in der Pause nur aufs Handy starren. Aber da Smartphones zum Alltag gehören, muss der Umgang mit dem Medium bewusst gemacht und geübt werden. »Da sind die Eltern genauso gefragt. Sie sind in der Pflicht, die Kinder zu kontrollieren«, sagt Frank Kahrau.

Soziale Netzwerke schwappen in die Schule

Er weiß: »Die sozialen Netzwerke schwappen in die Schule hinein.« Deshalb gilt: Fotografieren und Filmen mit dem Smartphone ist auf dem Schulgelände verboten – es gilt das Recht am eigenen Bild. Mobbing-Fälle hat es, wie an jeder Schule, auch an der Realschule schon gegeben. Silvia Liebich und Benjamin Külbel haben sich zu Cybermobbing-Ansprechpartnern fortbilden lassen.

Beleidigungen und Beschimpfungen, durchaus außerhalb der Schule in den Sozialen Medien gepostet, werden in die Schule hin­eingetragen, weil Schüler Lehrern davon berichten. »Wir machen dann Screenshots und konfrontieren die Eltern damit«, so Kahrau. Die Schule reagiert auf derartige Vorfälle mit pädagogischen oder Ordnungsmaßnahmen.

Strafarbeit: Infotext zur Handynutzung abschreiben

Das gilt auch, wenn das Handy in der Schulzeit missbraucht wird, zum Beispiel doch mal zum Chatten. Dann wird es eingesammelt und kann am Ende des Schultages bei der Schulleitung abgeholt werden. Zudem muss ein Infotext zur Handynutzung abgeschrieben werden – 59 mal ist das in diesem Schuljahr schon vorgekommen. Und es gibt Wiederholungstäter. Silvia Liebich weiß aber, dass die Dunkelziffer deutlich höher ist.

Frank Kahrau zitiert gerne den »Homo Digitalis«, einen Begriff, der aus einer wissenschaftlichen Studie stammt. Diese Studie weist nach, dass dauernde Unterbrechungen durch den Smartphonegebrauch die Unproduktivität steigert. Das hat er auch schon beobachtet: »Kinder sind unausgeschlafen und unkonzentriert im Unterricht, weil sie nachts gedaddelt haben.« Die Autoren der Studie raten zu handyfreien Zonen – das setzt sie Realschule um.

Eltern sind ebenfalls gefragt

Das wäre aber nach Kahraus Meinung auch Zuhause eine wichtige Maßnahme. Nicht nur die Schüler werden in Workshops, die zukünftig in allen sechsten und neunten Klassen stattfinden sollen, über die Risiken der Nutzung Sozialer Medien aufgeklärt. Auch für Eltern von Sechstklässlern gab es schon eine Infoveranstaltung – mit ganz mauer Teilnehmerzahl.

Marie und Jayden aus der zehnten Klasse finden die Schulregeln eigentlich okay. »Das Handy würde wirklich stören«, sagt Jayden. Es sei sinnvoll, um etwa Klassen-Whatsappgruppen zur Hausaufgabenhilfe zu nutzen oder für die Gruppenarbeit im Unterricht. Änderungen wünschen sie sich dennoch: Chatten in der Mittagspause und Musikhören bei schlechtem Wetter auch im Foyer sollten erlaubt werden.

Unbestritten sind die Vorteile: »Auf Klassenfahrten etwa, falls mal jemand den Anschluss an die Gruppe verpasst hat«, so Kahrau. Im Unterricht können Handys dank WLAN als Ergänzung zu Laptops und Chromebooks eingesetzt werden, Lernvideos sind eine Bereicherung. Auch der Vertretungsplan kommt per App: Jeder Lehrer muss ihn bis 15 Uhr abrufen. Dann aber ist digital Feierabend. Wie gesagt: Pausen vom Smartphone sind lebenswichtig.

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