Nach 27 Jahren geht Gemeindebibliothekarin Regina Howorek in den Ruhestand »Bibliothek als kulturelle Institution«

Steinhagen (WB). Eine Ära geht zu Ende: Regina Howorek (65) verabschiedet sich Ende des Jahres in den Ruhestand. 27 Jahre lang hat sie die Gemeindebibliothek geleitet und war außerdem zuständig für die Organisation der Kulturtage, der Kunstausstellungen im Rathaus und – mit Petra Holländer – des Literarischen Adventskalenders. Eine Kombination, die sie im Gespräch mit Redakteurin Annemarie Bluhm-Weinhold als absoluten Glücksfall bezeichnet, denn so hat die Bibliothek den Rang einer kulturellen Institution bekommen.

23.000 Medien im Bestand: Regina Howorek liest gerne Krimis. Die gebürtige Leipzigerin leitet die Bibliothek seit 1990.
23.000 Medien im Bestand: Regina Howorek liest gerne Krimis. Die gebürtige Leipzigerin leitet die Bibliothek seit 1990. Foto: Bluhm-Weinhold

Was haben Sie als das Besondere Ihrer Tätigkeit in Steinhagen empfunden?

Regina Howorek: Es waren tolle Berufsjahre wegen einer besonderen Kombination von Aufgaben. Zusätzlich zur Leitung einer öffentlichen Bibliothek in dieser Größenordnung habe ich die Kulturtage und die Kunstausstellungen im Rathaus organisieren dürfen. Als Gerd Sowa 1994 in den Ruhestand ging, hat er mir dieses kleine Pflänzchen übertragen, das ich als Fundament genommen, ausgebaut und zu einer kulturellen Institution entwickelt habe.

Was waren die Meilensteine Ihrer Tätigkeit?

Howorek: Insgesamt kann man sagen, dass ich hier oft das umsetzen konnte, was ich für eine öffentliche Bibliothek in diesem Land als Chance sah. Was viel bewirkt hat in der öffentlichen Wahrnehmung, war sicherlich die große Kunstausstellung 2008 und die ganztägige Kleinkunstveranstaltung zum 750-jährigen Gemeindejubiläum.

Stichwort Digitalisierung. Ist das auch ein Meilenstein gewesen? Und wohin geht die Entwicklung?

Howorek: Die Entwicklung der digitalen Transformation hat sich in den ersten Jahren nicht so bemerkbar gemacht. Das wurde anders, als wir 2003 die Umstellung auf EDV für den Gesamtbestand der beiden Standorte vorgenommen haben. Das ist eine Entwicklung, die nie mein Spezialgebiet geworden ist, die aber einfach sein musste. Nicht nur, weil sie sehr kundenorientiert war, sondern weil sie auch neue Möglichkeiten im gesamten kulturellen Bereich eröffnet hat.

Digitalisierung bringt Zeit für andere Projekte

Das heißt was genau?

Howorek: Die Möglichkeiten, die ich hier hatte, war ein absoluter Glücksfall, da ich mit den Kulturveranstaltungen der Gemeindebibliothek eine über sie hinausweisende Bedeutung geben konnte. Durch die Digitalisierung gab es eben mehr Zeit für andere Projekte.

Wie geht es weiter? Mit den Lesegewohnheiten, mit dem Bibliothekswesen? Wird es irgendwann keine Bücher mehr geben?

Howorek: Es wird immer Bücher geben. Ein gewisser Rückzug wird noch einige Zeit anhalten, aber dann kehrt Ruhe ein. Für die Bibliothek gilt, dass absolute Ausleihzahlen nicht mehr zeitgemäß sind. Zeitgemäß ist vielmehr die Orientierung der Bibliothek und ihre Mehrgleisigkeit. Man muss immer im Blick behalten, wie sich die Kundschaft zusammensetzt und darauf den Bestand ausrichten.

Sie haben immer viel Wert auf Leseförderung und die Zusammenarbeit gerade mit den Grundschulen gelegt. Warum ist sie so wichtig?

Gemeindebibliothek

1986 wurde die Bibliothek im Rathaus eröffnet, 1988 die Zweigstelle in Brockhagen. Etwa 23.000 Einheiten umfasst der Medienbestand – von Sachliteratur, Romanen und Kinder- und Jugendliteratur bis zu Hörbüchern und Spielfilmen. Die Bibliothek hat sich an vielen bundesweiten Veranstaltungen beteiligt, gerne aber auch Lesungen mit prominenten Gästen wie Roger Willemsen und Literaturkritiker Denis Scheck ausgerichtet. Zum Team gehören Dan Lohmeyer, Lars Matysik und Sigrid Flemming.

Howorek: Seit 2009 sind alle vier gemeindlichen Grundschulen mit im Boot bei dieser Kooperation. Das ist ein grundsätzlicher Meilenstein. Es werden Medienboxen zusammengestellt, es gibt gezielte Klassenführungen in der Bibliothek und Werbung in die Schultüte. Man muss immer wieder etwas tun, um neue, gerade junge Kundschaft zu erschließen.

Wie nachhaltig ist das? Bleiben die Kinder später als Kunden?

Howorek: Einige ja. Aber im Jugendalter wird es schwierig, obwohl die Beliebtheit von Jugendromanen gerade im Fantasy-Bereich seit der Harry-Potter-Ära anhält. Gut eingeschlagen, um auch andere Altersgruppen zu erreichen, hat damals die Einführung von DVDs. Wie lange das noch so bleiben wird, bleibt abzuwarten. Es geht darum, im Grundschulalter den Spaß am Lesen zu wecken und dann das ganze Spektrum der Medien zu nutzen – bis hin zu den Gesellschaftsspielen.

Nicht mehr verwirklicht: Artothek – Bilder zum Ausleihen

Wie sieht die Bibliothek der Zukunft aus? Gerade in Steinhagen, wo sie im kommenden Jahr in neue Räume zieht. Sind sie traurig, nach der Vorplanung nicht mehr selbst dabei zu sein?

Howorek: Ich bin gar nicht traurig. Und an der Planung hatte ich nicht so großen Anteil. Die Idee mit einem Arbeitsraum mit Computern war von mir. Sie wird auch umgesetzt. Ich hätte, unabhängig vom Standort, gerne noch eine Idee verwirklicht, die einen Hub für die Attraktivität der Bibliothek bedeutet hätte, und ein ganz neues Medium eingerichtet: die Artothek. Das heißt, dass Privatleute Bilder für einen bestimmten Zeitraum zu einem kleinen Mietpreis ausleihen können. Wir haben hier in Steinhagen ein großes künstlerisches Potenzial, und ich hätte die Kontakte. Man hätte einen wunderbaren Katalog anlegen können, auch digital.

Wie geht es bei Ihnen weiter? Was haben Sie sich vorgenommen für den Ruhestand?

Howorek: Ich habe vor allem vor, mich für den Förderverein »Theater in Gütersloh« stärker zu engagieren. Ich bin gebeten worden, im Vorstand mitzuarbeiten, und inzwischen auch gewählt worden. Aufgabe wird sein, Veranstaltungen in der Skylobby zu organisieren. Da kann ich viel aus meinem Berufsleben einbringen. Darüber hinaus sind mein Mann und ich Jazzfreunde und Fans von Borussia Dortmund. Ein weiteres Vorhaben ist, in der Deutsch-Französischen Gesellschaft in Gütersloh aktiv werden zu können.

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