Ilona Metzner und Dr. Ute Müller wäre gerne ins Ärztehaus gezogen »Wir fühlen uns ausgebootet«

Steinhagen  (WB). Vor einem Jahr hat Hausärztin Ilona Metzner die Idee zu einem Ärztehaus am Marktplatz gehabt. Noch vor einem Monat haben sie und ihre Partnerin Dr. Ute Müller Detailgedanken mit dem Architekten über zukünftige Räume in dem Objekt diskutiert – und nun das Aus. Ins Ärztehaus ziehen andere ein.

Von Annemarie Bluhm-Weinhold
Die Praxisräume an der Mühlenstraße 7 sind schön, wie beide sagen, aber für eine Gemeinschaftspraxis zu klein: Die Hausärztinnen Ilona Metzner (re.) und Dr. Ute Müller suchen nach neuen Entwicklungsmöglichkeiten.
Die Praxisräume an der Mühlenstraße 7 sind schön, wie beide sagen, aber für eine Gemeinschaftspraxis zu klein: Die Hausärztinnen Ilona Metzner (re.) und Dr. Ute Müller suchen nach neuen Entwicklungsmöglichkeiten. Foto: Bluhm-Weinhold

»Wir fühlen uns ausgebootet« , haben die beiden am Mittwoch unisono bei einem Pressegespräch erklärt. Wie berichtet, übernehmen Dr. Susanne Wiese und Dr. Arno Schäfer die Hausarztpraxen Knabe und Botthof und wollen spätestens Anfang 2019 in das noch zu bauenden Ärztehaus einziehen. Unten die Ärzte, in der ersten Etage eine Physiotherapie – so lauten die Pläne von Architekt Hendrik Nitschke. »Und wo bleiben wir? Bislang war ich davon ausgegangen, dass das Ärztehaus so konzipiert wird, dass es auch zwei Gemeinschaftspraxen Raum bietet«, sagt die Praktische Ärztin Ilona Metzner.

Ilona Metzner hatte Idee zum Ärztehaus

Aus der Zeitung habe sie erfahren, dass die schon abgesprungenen Ärzte wieder da sind und sich Am Markt etablieren wollen. Dabei hatte Ilona Metzner ein Ärztehaus auf dem Gelände des Hauses Gläsker selbst angeregt, weil sie schon damals auf der Suche nach größeren Räumen war als ihr die Mühlenstraße 7 bietet. Damals entstanden bereits die Pläne mit Architekt Nitschke, die aber doch nicht von der Politik durchgewunken wurden, vielmehr gab es den Ideenwettbewerb. »Aber wir sind am Ball geblieben und nicht von der Fahne gegangen«, so Metzner.

Als zum 1. Oktober Dr. Ute Müller, die lange in Halle und zuletzt in Spenge niedergelassen war, dazukam, waren die 110 Quadratmeter an der Mühlenstraße endgültig zu klein – jedenfalls für alles, was über das Alltägliche hinausgeht: »Das, was wir zusätzlich anbieten wollen, können wir nicht umsetzen. Wir brauchen eine Perspektive, um unser Potenzial nutzen zu können«, so Müller.

Zusätzlicher Kassenarztsitz

Dieses Potenzial besteht zum einen in einem zusätzlichen Kassenarztsitz für Steinhagen, was die Versorgungssituation sicherer macht. Denn die 54-Jährige Ärztin für Allgemeinmedizin und Naturheilkunde hat keine bestehende Praxis übernommen, sondern eine zusätzliche Zulassung für Steinhagen beantragt und erhalten. Zum anderen wollen beide Ärztinnen auch qualitativ das Spektrum erweitern, beispielsweise tiefer in die Gefäßdiagnostik und die Palliativmedizin einsteigen – also mehr Angebot am Ort aufbauen.

Und: Dr. Ute Müller hat am Runden Tisch der Gemeinde zur Gesundheitsversorgung Anfang Oktober ihr Konzept zur Ärzteausbildung vorgestellt, das sie in Zusammenarbeit mit den Unis Bochum, später auch Bielefeld, plant. Auch dafür bräuchte sie größere Räume.

Vertrauen verloren

Die Ausbildung des Nachwuchses – das hat auch die Praxis Wiese/Schäfer angekündigt. Nicht zuletzt deshalb sagt Ute Müller: »Wir haben Vertrauen verloren.« Dass sich Bürgermeister Klaus Besser bei ihnen noch nicht gemeldet hat, finden sie enttäuschend. Und Lutz Heitland hätten sie selbst ansprechen müssen.

Indes: Auch wenn es zunächst an der Mühlenstraße weitergeht, so sind die beiden auf der Suche nach neuen, größeren Räumen. Dringend appellieren sie an Gemeinde und Investor, sie dabei zu unterstützen.

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