Umstrittene Abmahnungen: Mitarbeiter klagt gegen Kündigung – Gütetermin erfolglos Kirche und Küster vor Arbeitsgericht

Steinhagen (WB). »Es scheint irgendwo zwischen Ihnen zu knatschen«, formulierte es Arbeitsrichter Klaus Prior vorsichtig. Am Freitagmorgen trafen sich Küster Torsten O. und sein Arbeitgeber, die Evangelische Kirchengemeinde Steinhagen, zum Gütetermin vor dem Arbeitsgericht Bielefeld – ohne gütliche Einigung.

Von Volker Hagemann
Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold

O. klagt gegen die so genannte verhaltensbedingte Kündigung seines Arbeitsverhältnisses, die zum 31. Dezember dieses Jahres wirksam werden soll. Seine Rechtsanwältin Irini Mavreli berichtete in der Verhandlung, die Kündigung sei ihrem Mandanten gegenüber bislang nicht begründet worden, zudem fehle der Nachweis der notwendigen Anhörung der Mitarbeitervertretung.

Angeblich eigenmächtige Vermietung des Bonhoeffer-Hauses

»Der kommt noch«, bestätigte Rechtsanwalt Dr. Hans-Jürgen Hiekel, der die Kirchengemeinde vertritt. Als Kündigungsgrund führte er an, Torsten O. habe als Küster im Namen der Kirche eigenmächtig für eine Trauung am 25. August das Dietrich-Bonhoeffer-Haus zur Verfügung gestellt, angeblich kostenfrei und ohne vertragliche Nutzungsvereinbarung. Als Pfarrer Ulrich Potz ihr gesagt habe, dass die Trauung Geld koste, habe sich die Familie des Brautpaares angeblich darüber empört. Diese angeblich durch O. vorgenommene eigenmächtige Handlung stelle eine Dienstpflichtverletzung dar, die nach drei Abmahnungen, alle datierend vom 15. August 2017, zur Kündigung geführt habe.

Dem widersprach Torsten O. in der Verhandlung: »Die Großmutter des Brautpaares nimmt regelmäßig an unserem Bibelkreis teil und fragte nach dem Bonhoeffer-Haus für die Trauung. Ich sagte ihr gleich, sie müsse sich offiziell an Pastor Ulrich Potz wenden. Nach mehreren Wochen kam das Paar zu mir und sagte, die Genehmigung sei inzwischen erteilt, nun gehe es um Details der zu planenden Feier. Im übrigen habe ich dem Paar 200 Euro Raummiete pro Tag genannt.« Auch Anwältin Mavreli sagte: »Niemand geht davon aus, dass eine Trauung kein Geld kostet.«

Kirchentüren sollen nicht rechtzeitig geöffnet worden sein

Drei Abmahnungen soll Pfarrer Ulrich Potz als Presbyteriums-Vorsitzender dem Steinhagener Küster erteilt haben: Unter anderem soll O. beim Taufgottesdienst am 16. Juli 2017 vergessen haben, rechtzeitig zum Gottesdienst die hinteren Seitentüren der Dorfkirche zu öffnen.

Ein weiterer Anlass: Dieser Zeitung gegenüber erklärte O. am 15. August, dass ein Versehen einer Urlaubsvertretung Grund für zu langes nächtliches Glockengeläut gewesen sei – laut der Abmahnung hätte solche Informationen aber ausschließlich der Presbyteriums-Vorsitzende geben dürfen.

Als dritten Abmahngrund nannte Anwalt Hiekel, der Küster habe Dienstschlüssel trotz mehrerer Aufforderungen nicht herausgegeben. Anwältin Irini Mavreli erklärte, ihr Mandant habe keine Abmahnungen mit Datum 15. August 2017 erhalten, bisher seien ihm lediglich sieben Abmahn-Entwürfe mit anderer Datierung zugegangen, »denen Herr O. stets berechtigterweise widersprochen« habe. »Und ich wundere mich: Die Sache mit dem Bonhoeffer-Haus soll am 20. Juli gewesen sein, und erst am 11. Oktober kommt eine Kündigung?«, so die Anwältin.

Küster will Arbeitsverhältnis fortsetzen

Trotz allem will Torsten O. sein am 1. Juli 2015 in Steinhagen angetretenes Arbeitsverhältnis als Küster weiter fortsetzen. Nach der Kündigungsschutzklage hat die Kirchengemeinde nun bis zum 10. Januar 2018 Zeit, die genauen Kündigungsgründe zu liefern. Kammertermin ist am 15. Mai 2018.

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