»Vom Schaf zur Wolle«: Ausstellung am 3. September in Steinhagen Viel Flauschiges am Museum

Steinhagen (WB). Besonders brave Tiere möchte Schäfer Thomas Uhlemeyer mitbringen, wenn das Historische Museum am Tag des Heidefestes seine Türen öffnet. Schließlich ist es vor allem die weiche Wolle der Schafe, die in diesem Jahr im Mittelpunkt der Veranstaltung steht. Also sollen die Tiere selbstverständlich auch gestreichelt werden können.

Von Sara Mattana
Am Historischen Museum Steinhagen ist immer irgendetwas in Bewegung: Gerhard Goldbecker und Emmi Hüttmann freuen sich darauf, beim Heidefest am Sonntag, 3. September, sowohl echte Schwarzkopf-Schafe als auch die Verarbeitung der Wolle am Spinnrad zu zeigen.
Am Historischen Museum Steinhagen ist immer irgendetwas in Bewegung: Gerhard Goldbecker und Emmi Hüttmann freuen sich darauf, beim Heidefest am Sonntag, 3. September, sowohl echte Schwarzkopf-Schafe als auch die Verarbeitung der Wolle am Spinnrad zu zeigen. Foto: Sara Mattana

Fünf Deutsche Schwarzkopfschafe wird der Künsebecker von 11 Uhr an in einem Paddock im Hof des Museums ausstellen – schließlich dürfen die flauschigen Vierbeiner nicht fehlen, wenn das Museum am Sonntag, 3. September, unter dem Motto »Vom Schaf zur Wolle« zu einer unterhaltsamen und informativen Reise durch die Geschichte Steinhagens einlädt. Denn die Schafe haben schon immer zur Entwicklung der Umgebung beigetragen: »Sie haben alles abgefressen, nur den Wacholder nicht. Das hat die Kultur des Ortes stark geprägt«, erklärt Museumsvereins-Vorsitzender Gerhard Goldbecker, der den Tieren ebenso wie ihrer Wolle deshalb einen ganzen Tag widmen möchte.

Von verklebter Wolle zu kuscheligen Socken

Wie die Wolle nach dem Scheren weiterverarbeitet wird, weiß Emmi Hüttmann. Gemeinsam mit den zwölf Mitgliedern der »Sandforther Spinnräder« sorgt sie dafür, aus der dreckigen und verklebten Wolle kuschelige Socken und Handschuhe zu zaubern. »Wenn wir die Wolle vom Schäfer abholen, muss sie 14 Tage lang zum Lüften ausgebreitet werden«, erklärt Emmi Hüttmann, die sich anschließend darum kümmert, den groben Dreck zu entfernen. Doch auch diese Überbleibsel lassen sich hervorragend weiterverarbeiten: »Das eignet sich bestens, um Blumen zu düngen«, sagt Emmi Hüttmann.

Woll-Fett als Hausmittel gegen Ohrenschmerzen

Um den ganzen Winter über genügend Wolle zum Spinnen zu haben, bewahrt sie sie in Kissenbezügen auf dem Dachboden auf, bevor die Wolle gezupft und mit der Kardiermaschine geglättet werden kann – denn auf keinen Fall darf die fettige und feuchte Schafwolle über längere Zeit in Plastiktüten gelagert werden. »Vor allem das Fett macht die Wolle aber auch zu einem tollen Hausmittel gegen Ohrenschmerzen. Es hilft, sich die ungewaschene Schafwolle ins Ohr zu stecken«, verrät Gerhard Goldbecker.

Wer sich an der Wolle jedoch lieber die Füße wärmt, kann sich am Verkaufsstand der »Sandforther Spinnräder« umschauen. Nach dem so genannten Kardieren verzwirnen die Spinnerinnen zwei Spulen miteinander, so dass sie daraus später Puschen, Socken oder sogar kleine Stofftiere stricken können.

Weitere Ausstellung zeigt nostalgische Kameras

Weiterhin geöffnet ist auch die Ausstellung von Hobbyfotograf Wolfgang Draegert im Obergeschoss des Historischen Museums. Noch bis zum Weihnachtsmarkt stellt der 75-Jährige dort 20 Kameras aus und zeigt, wie sehr sich die Technik in den vergangenen 100 Jahren verändert hat. So sind sowohl Platten- als auch Kleinbild- und moderne Spiegelreflexkameras zu sehen, die zum Großteil aus der privaten Sammlung Draegerts stammen.

Besonders ins Auge fällt das älteste Ausstellungsstück, das zwischen 1919 und 1925 hergestellt wurde: eine antike ICA Plattenkamera. Und obwohl er Landschaften und Gebäude heute am liebsten mit der Smartphone-Kamera fotografiert, erinnert sich Wolfgang Draegert gern an die Anfänge seiner Sammlerleidenschaft, die mit dem Kauf einer zwischen 1953 und 1965 hergestellten Agfa Clack begann.