Schulung: Steinhagener Feuerwehr probt den Umgang mit gefährlichen Stoffen »Salzsäure tropft – ein Verletzter«

Steinhagen (WB). Es ist ein Verladeunfall, bei dem die kurzzeitige Unaufmerksamkeit des Mitarbeiters ein Großaufgebot der Feuerwehr auf den Plan ruft. Doch zum Glück ist es nur eine Puppe, die am Montagabend gerettet und dekontaminiert werden muss.

Von Sara Mattana
Die 70 Kilogramm schwere Übungspuppe wird nach dem Kontakt mit vermeintlicher Salzsäure dekontaminiert. Um auf einen Chemieunfall bestmöglich vorbereitet zu sein, proben alle drei Steinhagener Löschzüge auf dem Gelände des Chemievertriebs Hanke + Seidel.
Die 70 Kilogramm schwere Übungspuppe wird nach dem Kontakt mit vermeintlicher Salzsäure dekontaminiert. Um auf einen Chemieunfall bestmöglich vorbereitet zu sein, proben alle drei Steinhagener Löschzüge auf dem Gelände des Chemievertriebs Hanke + Seidel. Foto: Sara Mattana

Statt gefährlicher Salzsäure tropft lediglich Wasser aus dem versehentlich geöffneten Ventil des Gefahrgutkanisters. »Vorfälle wie diese sind zum Glück noch nie vorgekommen. Doch gerade deshalb ist es wichtig, diese so genannten ›Einsätze mit gefährlichen Stoffen und Gütern‹ (GSG) zu üben«, sagt Andreas Kramme, stellvertretender Leiter der Steinhagener Feuerwehr.

So rücken 60 Mitglieder aller drei Löschzüge aus, um auf dem Gelände der Firma Hanke + Seidel an der Waldbadstraße den Ernstfall zu proben. »Eine gute Zusammenarbeit mit der Feuerwehr liegt uns sehr am Herzen; für die Sicherheit unserer Mitarbeiter ist es wichtig, dass sich die Kameraden auf unserem Gelände auskennen«, sagt Projektleiter Thomas Beine.

Zunächst muss der Verletzte dekontaminiert werden

Höchste Konzentration ist gefragt: Unter Aufsicht von Einsatzleiter Sven Mescher gilt es, verschiedene Aufgaben abzudecken. Bevor die Kameraden das Leck stopfen, muss dem verletzten Mitarbeiter geholfen werden: »Die ersten Kräfte holen die Person aus der Gefahrenzone, bevor sie in einem speziellen Bereich dekontaminiert wird«, erklärt Andreas Kramme. Im Übungsszenario haben die Einsatzkräfte Glück: Sie haben es nicht mit einer gefährlichen Chemikalienmischung zu tun, sondern erkennen, dass es sich um ausgelaufene Salzsäure handelt. Diesen Hinweis gibt die Warntafel am Transporter.

»Die Stofferkundung ist beim ABC-Einsatz ein großes Thema«, weiß Kramme, der sich noch erinnert, die Kennzeichnungen der Stoffe in umfangreicher Einsatzliteratur nachschlagen zu müssen. Heute erledigt ein Computer im Einsatzleitfahrzeug diese Aufgabe. Dort finden sich neben Identifikationsnummer und Namen des Stoffes auch Hinweise auf Verhaltensmaßnahmen. Um diese sicher zu beherrschen, führen die Löschzüge einmal im Jahr eine Großübung zu verschiedenen Themenbereichen durch. »Die Bausteine wurden am Gerätehaus geübt. Jetzt geht es darum, mit anderen Kameraden Hand in Hand zu arbeiten«, erklärt Kramme, der bei Einsätzen mit Chemikalien Übungsbedarf sieht.

Autobahn könnte künftig mehrere solcher Einsätze nach sich ziehen

Anders als technische Hilfeleistung oder das Öffnen von Türen gehört der Umgang mit Gefahrgut nicht zum Tagesgeschäft der Steinhagener Feuerwehr. »Wenn die Autobahn fertig ist, werden diese Einsätze vielleicht häufiger vorkommen, denn auf großen Straßen wird einiges an Gefahrgut umgeschlagen. Darauf müssen wir vorbereitet sein.« Andreas Kramme achtet darauf, dass auch bei Großübungen mindestens zwei Fahrzeuge abfahrbereit am Straßenrand stehen. Schließlich darf die Übung einen Notfall nicht überschatten.

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