Sedum-Matten zieren Mittelstreifen und sollen anderen Bewuchs vereiteln Mauerpfeffer begrünt neue A 33

Steinhagen (WB). Auf dem Mittelstreifen zwischen den Richtungsfahrbahnen der Autobahn wünschen sich die Straßenplaner möglichst pflegeleichtes Grün. Nach jahrelangen Experimenten scheint das richtige Rezept gefunden zu sein: die so genannten Sedum-Vegetationsmatten. Auf dem A 33-Abschnitt von Ummeln nach Steinhagen kommen sie in der Region erstmals zum Einsatz.

Von Markus Poch
Auf die Schichtung kommt es an: Landschaftsbauer Holger Neisser (42) verdeutlicht den Aufbau des begrünten Autobahn-Mittelstreifens am Abschnittsende in Steinhagen. Unter den Sedum-Matten liegen Mineralwolle, Vlies, grober Kies und Sand.
Auf die Schichtung kommt es an: Landschaftsbauer Holger Neisser (42) verdeutlicht den Aufbau des begrünten Autobahn-Mittelstreifens am Abschnittsende in Steinhagen. Unter den Sedum-Matten liegen Mineralwolle, Vlies, grober Kies und Sand. Foto: Markus Poch

Unter dem Oberbegriff Sedum sind mehrere Arten heimischer Dickblattgewächse, auch bekannt als Sukkulenten, zusammengefasst, darunter zum Beispiel der Scharfe Mauerpfeffer (Sedum acre). Diese kaum zehn Zentimeter hohen Pflanzen, die Wasser und Nährstoffe vor allem in ihren Blättern und nicht in der Wurzel speichern, sind extrem anspruchslos, benötigen daher über das Jahr kaum Zuwendung. Jegliches Gießen, Mähen, Beschneiden oder Abholzen entfällt. Trotzdem erfreuen die Pflanzen den Betrachter monatelang mit einem Blütenmeer in gelb, weiß oder rosa.

In Kombination mit einem speziellen Unterbau aus Gesteins- und Gewebeschichten haben sich Sedum-Gewächse bereits in der extensiven Dach- und Fassadenbegrünung bewährt, wo ebenfalls keine großen, pflegeintensiven Sträucher oder gar Bäume erwünscht sind. Nun sollen sie dabei helfen, auch im Straßenverkehr Problemzonen zu vermeiden.

Vorkultivierte Matten aus den Niederlanden werden wie Rollrasen verlegt

Damit bei der Bestückung größerer Bedarfsflächen keine Engpässe entstehen, gibt es Firmen wie den niederländischen Gartenbaubetrieb Sempergreen aus Odijk bei Utrecht. Dort werden für den weltweiten Markt bis zu sieben Sedum-Arten auf Kokosfasern aus Sri Lanka als Samenmix auf großen Äckern vorkultiviert und später wie Rollrasen in Bahnen verschiedener Breiten und bis zu 50 Metern Länge ausgeliefert.

Den Einbau auf der Autobahnbaustelle hat im Falle des A 33-Abschnittes 6 (Ummeln-Steinhagen) die Internationale Geotextil GmbH aus Schmallenberg übernommen. Fünf Leute waren einen Monat lang damit beschäftigt, die 1,20 Meter breiten Matten quer zur Fahrtrichtung zwischen den Betonstützen des Mittelstreifens zu verlegen, mit Drahtbügeln zu verbinden und zu verankern. »Aber das Entscheidende sind die Schichten darunter«, erklärt Landschaftsbauer und Vertriebsmitarbeiter Holger Neisser.

11.500 Quadratmeter an Matten kosten 70.000 Euro

Die innerhalb des Mittelstreifens verlegten Rohrleitungen zur Fahrbahnentwässerung, die zur Not erreichbar sein müssen und deshalb nicht dauerhaft mit Bitumen oder Beton versiegelt sein dürfen, verschwinden zunächst unter reichlich Sand. Auf dem Sand ruhen 20 Zentimeter grober Kies. Der wiederum wird mit einem Vlies, danach mit einer Mineralwollmatte als Substratersatz und zuletzt mit der Sedum-Vegetationsmatte belegt. »Bei einem Bedeckungsgrad von anfangs mindestens 70 Prozent haben andere Pflanzen dort kaum eine Chance, sich anzusiedeln«, betont Holger Neisser. Selbst viele Gräser oder Pioniergehölze wie Birken, Weiden, Pappeln und Holunder könnten wegen des nährstoff­armen Bodens kaum überleben, während der Mauerpfeffer am selben Ort prächtig gedeihe und sogar Insekten anlocke. Der 42-Jährige sieht die beschriebene Mittelstreifenbegrünung deshalb als »ein Mosaiksteinchen, das der autobahnbauende Mensch der Natur zurück gibt«.

Auf dem 7,9 Kilometer langen A 33-Teilstück vom Ostwestfalendamm (OWD) bis zum Steinhagener Schnatweg sind insgesamt 11 500 Quadratmeter Sedum-Vegetationsmatten verlegt worden. Kostenpunkt für den Landesbetrieb Straßenbau NRW: 70 000 Euro.

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