Das Steinhagener Gymnasium führt als Pilotprojekt eine Tablet-Klasse ein Die vierte Kulturtechnik erlernen

Steinhagen (WB). Mit einem jedenfalls im näheren Umkreis wohl einzigartigen Pilotprojekt startet das Steinhagener Gymnasium ins nächste Schuljahr: Dann wird die heutige 9 b zur Tablet-Klasse.

Von Annemarie Bluhm-Weinhold
Das Pilotprojekt »Tablet-Klasse« kommt für die Zehntklässler (von links) Görkem Sinirlioglo, Fabrice Vorderbrügge, Caren Feldmann und Jessica Wagner zu spät. Die jetzige 9 b darf im kommenden Schuljahr Vorreiter spielen.
Das Pilotprojekt »Tablet-Klasse« kommt für die Zehntklässler (von links) Görkem Sinirlioglo, Fabrice Vorderbrügge, Caren Feldmann und Jessica Wagner zu spät. Die jetzige 9 b darf im kommenden Schuljahr Vorreiter spielen. Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold

Das heißt, dass die Schülerinnen und Schüler dieser Klasse alle mit Tablet-Computern ausgestattet sind, die regelmäßig im regulären Unterricht eingesetzt werden. Das soll die Medien- ebenso wie die Sozialkompetenz der Schüler erhöhen und das Lernen eigenaktiver, individueller und letztlich nachhaltiger machen. Denn: »IT- und Medienkompetenz wird inzwischen neben Lesen, Schreiben und Rechnen als vierte Kulturtechnik bezeichnet«, heißt es in dem Konzept der Schule.

»Seit einem Jahr denken wir darüber nach, wie wir mit IT-Technik im Unterricht sinnvoll arbeiten«, sagt Schulleiter Josef Scheele-von Alven. Denn: »Bisher läuft es nicht befriedigend.« Sowohl die Verfügbarkeit des WLAN-Netzes als auch der pflegliche Umgang mit den 32 Schullaptops, die im Bedarfsfall für alle Klassen genutzt werden können, lassen zu wünschen übrig. Und so rüstet das Gymnasium nun auf.

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Ziel ist es, dass auf Dauer in jeder Klasse jeder Schüler im Unterricht IT-Technik nutzen kann.

Schulleiter Josef Scheele-von Alven

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»Ziel ist es, dass auf Dauer in jeder Klasse jeder Schüler im Unterricht IT-Technik nutzen kann«, so Scheele-von Alven. Erst einmal aber wird eine Klasse den Vorreiter spielen. Im Vorfeld hat sich dafür die jetzige Klasse 9 b angeboten. Denn dort waren alle Eltern einverstanden mit dem Modellversuch. Bei Infoabenden und einer Befragung haben sich zwar 80 Prozent für das Mitmachen entschieden, 15 Prozent aber waren aus den unterschiedlichsten Gründen dagegen.

»Einen Glaubenskrieg etwa um Anbieter und Systeme führen wir nicht«, so Scheele-von Alven. Zudem müssen alle Endgeräte gleich sein, um den administrativen Aufwand gering zu halten, zudem sollen alle unter den gleichen Vor­aussetzungen starten können. »Wir bestimmen die technische Ausstattung in Abstimmung mit den Lehrern, die extra geschult sind, und Servicekräften.«

Gerätepreis liegt bei bis zu 600 Euro – je 150 Euro bringen Sponsoren auf

Für die Software sorgt die Schule. Aber die Geräte liegen bei bis zu 600 Euro – »Billiggeräte machen keinen Sinn, weil sie den Schulalltag nicht überstehen«, so der Schulleiter. 450 Euro haben die Eltern aufzubringen, 150 Euro jeweils bringen Sponsoren auf, die Steinhagener Firma Plasmatreat ist schon gewonnen worden. »Das ist die bittere Pille an der Sache. Es wird teuer«, so Josef Scheele-von Alven. Das betrifft auch die schulische Seite.

WLAN-Netz muss während der Sommerferien ausgebaut werden

Denn das Gymnasium muss, bevor die Tablet-Klasse starten kann, über die Sommerferien das WLAN-Netz so ausbauen, dass es im ganzen Gebäude problemlos verfügbar ist. 100 000 Euro kostet das laut Schulleiter. 60 000 bis 70 000 Euro stehen dafür im aktuellen Haushaltsplan der Gemeinde, 40 000 Euro hat die Schule aus nicht-abgerufenen Haushaltsmitteln der vergangenen Jahre. »Nächste Woche setzen wir uns mit der Gemeinde zusammen und vergeben den Auftrag«, so Scheele-von Alven.

In der Praxis des nächsten Schuljahres wird sich erweisen, ob das Modell Tablet-Klassen tragbar ist. Lehrerfortbildungen sind schon geplant. Es gibt zudem eine lange Liste von Prüfpunkten. Um nur wenige Beispiele zu nennen: Welche Anwendungen bereichern den Unterricht? Eignet sich das Betriebssystem für die schulischen Anforderungen? Und: Beeinflusst der Gebrauch der Tablets die Handschrift negativ? Eines ist jedenfalls sicher: Die Ausrede, die Hausaufgaben zu Hause liegen gelassen zu haben, zieht nicht mehr. Denn der Datenaustausch soll über eine Cloud erfolgen und damit an jedem Gerät nutzbar sein.

Das Gymnasium investiert zudem in die weitere technische Ausstattung, etwa in Präsentationstechnik. So sollen Beamer innerhalb der nächsten vier Jahre die Whiteboards in allen Klassen ablösen.

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