Kreativkurs im Garten von Wolfgang Milting und Renate Runge Aus Stein wird ein Kunststück

Steinhagen (WB). Die kleine Wölbung auf ihrem Speckstein stört Ulla Niekamp – also rückt sie dem unerwünschten Huckel kurzerhand mit der Feile zu Leibe. Dass es aber nicht nur auf das Ergebnis, sondern vor allem auf die richtige Technik ankommt, erklärt ihr Renate Runge.

Von Sara Mattana

So pinseln, feilen, bohren und schmirgeln die Mitglieder der »creARTtiv-Werkstatt« am Samstag nicht einfach los, sondern lernen, wie aus dem kantigen Stein ein glänzendes und vitrinentaugliches Kunstobjekt wird. »Wir unterrichten uns gegenseitig und helfen, wenn jemand noch keine Erfahrung mit dem Bearbeiten von Speckstein hat«, sagt Wolfgang Milting, der für diesen Zweck gern den heimischen Garten zur Verfügung stellt.

Denn obwohl die große Gesamtausstellung der Künstlergruppe erst im Herbst kommenden Jahres ansteht, müssen die Steine schon jetzt in Form gebracht werden. »Man kann Speckstein nur draußen bearbeiten, denn sonst fliegt zu viel Staub herum. Deshalb müssen wir uns dafür im Sommer treffen«, erklärt Wolfgang Milting, der sich bereits seit den 1990er Jahren mit dieser Form der Kunst beschäftigt und deshalb viele nützliche Tipps geben kann.

Einmal weggefeilt ist weggefeilt

So darf bei der Arbeit nie vergessen werden, dass ein falscher Schritt nicht rückgängig gemacht werden kann – wird einmal versehentlich eine Ecke herausgefeilt, muss das gesamte Konzept überarbeitet werden. »Oft sind es aber auch Maserungen, die plötzlich freigelegt werden und in die Figur eingearbeitet werden müssen. Das ist so, als hätte man beim Malen eine plötzliche Eingebung«, sagt Wolfgang Milting, der gemeinsam mit Renate Runge, Annette Meier, Anne Kleyer, Bettina Simon, Ulla Niekamp und Jolanta Wedmann einen gesamten Tag damit verbringt, fantasievolle Figuren entstehen zu lassen.

Farbe informiert über Härtegrad

So ist später nichts mehr von den unförmigen Rohlingen zu erkennen, die sich die Gruppe zuvor als Grundlagen ausgesucht hat. »Wenn man die Rohlinge kauft, muss man vor allem auf die Farbe achten. Davon hängt es ab, wie leicht sich das Material bearbeiten lässt«, sagt Wolfgang Milting. Ulla Niekamp hat dabei Glück. Ihre erste Speckstein-Figur entsteht aus einem hellbraunen Stein, der sich ohne größeren Kraftaufwand verformen lässt. »Das ist fast wie Lehm. Bei diesem Stein könnte schon ein Fingernagel Abdrücke hinterlassen«, warnt Renate Runge, während sie ihre Figur eifrig abpinselt – schließlich möchte sie genau sehen, welche Stellen noch poliert werden müssen.

Neue Herausforderungen

Besonders schwer macht es sich aber Anne Kleyer. Sie hat schon oft mit Speckstein gearbeitet und sucht in einem weißen Stein neue Herausforderungen. In dieses außergewöhnlich harte Exemplar bohrt sie mit viel Mühe ein Loch – ein abstraktes Kunstwerk soll daraus am Ende entstehen, das 2018 gemeinsam mit Acrylgemälden, Computergrafiken und Skulpturen im Rathaus zu sehen sein soll.

Um all diese Werke zusammenzutragen trifft sich die »creARTiv-Werkstatt« alle 14 Tage in den Räumen der Alten Feuerwehr in Amshausen. Das nächste Treffen findet am Mittwoch, 14. Juni, statt.

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