Neun Böckstiegel-Werke sind in Besitz der Gemeinde – nun werden sie erstmals gezeigt Der Schatz im Rathaus-Keller

Steinhagen  (WB). Jahrelang fristeten sie ein Schattendasein im Keller des Rathauses. Nun werden sie wieder ans Tageslicht geholt. Neun Werke des heimischen Expressionisten Peter August Böckstiegel nennt die Gemeinde Steinhagen ihr Eigen und stellt sie von Mittwoch, 28. Juni, im Foyer des Ratssaals aus.

Von Annemarie Bluhm-Weinhold
Petra Holländer mit den beiden wertvollsten Böckstiegel-Werken der Sammlung: links der Holzschnitt »Mein Vater« von 1917, eine expressionistisches Paradebeispiel, und das lange verschollene Aquarell »Mutter mit Kindern« (1915).
Petra Holländer mit den beiden wertvollsten Böckstiegel-Werken der Sammlung: links der Holzschnitt »Mein Vater« von 1917, eine expressionistisches Paradebeispiel, und das lange verschollene Aquarell »Mutter mit Kindern« (1915). Foto: Bluhm-Weinhold

Gesammelt worden sind die Bilder in den 80er- und 90er Jahren, als die Gemeinde noch einen jährlichen Etat von 5000 Mark für die Anschaffung von Kunstwerken hatte. Dieser wurde dann gestrichen und ist erst für dieses Jahr mit einem Volumen von nunmehr 10 000 Euro wieder eingeführt worden.

Die Böckstiegel-Bilder indes wurden – offenbar mit viel Sachverstand – von Helga und Klaus Godt, Ratsmitglieder und Gründer des Steinhagener Kulturwerks, sowie des damaligen stellvertretenden Gemeindedirektors Gerd Sowa angeschafft. »Wenn ein Bild auf dem Markt war, haben die drei es erworben«, sagt Gemeindearchivarin Petra Holländer, die auch die Gemeinde-Ausstellungen organisiert.

Investition in einen heimischen Künstler

Dennoch fehlte nicht der Blick fürs Ganze: Die neun Bilder sind thematisch zusammenhängend. Die Investition in den heimischen Künstler hat sich gelohnt, weiß Petra Holländer spätestens, seitdem sich David Riedel, Leiter des Böckstiegel-Hauses in Werther, die Sammlung angesehen hat. Gemeinsam haben die beiden die Ausstellung konzipiert.

Der kleine Schatz im Rathaus-Keller ist noch nicht einmal genau taxiert worden, hat aber wohl einen fünfstelligen Wert. Wertvollstes Stück ist ein Aquarell: »Mutter mit Kindern« von 1915. »Das war das Jahr, in dem Böckstiegel in den Krieg ziehen musste. Vielleicht ist das Bild in Russland entstanden«, so Petra Holländer. Das Aquarell galt lange als verschollen.

Aquarell galt als verschollen

Umso erstaunter war auch Experte David Riedel, als er es vor vier Jahren im Steinhagener Rathaus wiederfand. Seitdem ist es bereits zweimal unterwegs gewesen zu Ausstellungen – in Herford und in Bad Schussenried in Baden-Württemberg.

Auch einige andere Bilder der Sammlung waren durchaus schon zu sehen: Die Drucke »Schlesische Flüchtlingsfrau« und »Alter Mann mit Hut« hingen viele Jahre lang im Standesamt. »Der Greis«, entstanden 1923, ist ein weiterer Druck, der auch thematisch dazu passt.

Im Büro des früheren Hauptamtsleiters Reinhard Junker hing eine Farb-Lithografie »Bauernkinder« – aufwendig und kostspielig gemacht. »Offenbar wollte Böckstiegel damit neue Kundenkreise ansprechen«, sagt Petra Holländer. Aus den Amtszimmern sind die Bilder letztlich verschwunden, weil befürchtet wurde, die wertvollen Objekt könnten Schaden nehmen durch den dauernden Lichteinfall.

Religiöse Thematik und ein expressionistisches Paradebeispiel

Das einzige Mal, dass sich Böckstiegel mit religiösen Inhalten auseinandersetzte, war nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg – seine schrecklichen Erfahrungen an der Front mögen Hintergrund sein auch für die Entstehung einer Dreierserie: Die Radierungen »Verräter«, »Segnung der Mutter« und »Wiederkehr des Sohnes« sind um 1921/22 entstanden.

Und schließlich gehört auch ein Bild zur Steinhagener Sammlung, das in seiner Abstraktion ein typisches Beispiel für den Expressionismus ist: der Holzschnitt »Mein Vater«.

Die Ausstellung im Rathaus »Peter August Böckstiegel: Ein Leben in Bildern« nimmt allein die neun Bilder in den Fokus. Reproduktionen weiterer Werke kommen nicht hinzu, wohl aber Erläuterungen zum Leben und Werk Böckstiegels sowie als Leihgabe von Kreisarchivar Ralf Othengrafen Briefe Böckstiegels. Am Mittwoch, 28. Juni, 19 Uhr eröffnet Bürgermeister Klaus Besser die Ausstellung im Foyer des Ratssaals. David Riedel wird als ausgewiesener Böckstiegel-Experte die Einführung in die Ausstellung übernehmen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.