Sammelaktion unterstützt Rotary International im Kampf gegen Kinderlähmung Auf den Deckel kommt es an

Steinhagen (WB). Das Wertvolle steckt manchmal nicht nur in den Getränkeflaschen, sondern als Verschluss oben drauf. Mit den Erlösen aus dem Recycling gesammelter Flaschendeckel will der Rotary Club Bielefeld-Süd den internationalen Kampf gegen die Kinderlähmung unterstützen.

Von Burkhard Hoeltzenbein
Foto: Burkhard Hoeltzenbein

Die Idee ist der Steinhagenerin Marianne Fischer zunächst durch einen Beitrag im Fernsehen gekommen. Dann las sie im WESTFALEN-BLATT von einer solchen Sammelaktion der Kinderklinik in Bethel – und fragte bei Anke Ulonska, Abfallberaterin der Gemeinde Steinhagen, nach, ob es eine solche Möglichkeit nicht auch künftig in Steinhagen geben könnte.

Entsorgungs-Unternehmen Tönsmeier funktionierte Tonnen um

Bei der Steinhagener Abfall- und Umweltberatung lief Marianne Fischer mit dieser Idee offene Türen ein. Ulonska stellte wiederum den Kontakt zum Rotary Club her und brachte den Stein ins Rollen. Seit einigen Tagen stehen spezielle Sammeltonnen im Rathausfoyer, beim Discounter Edeka und beim Getränkecenter Kesten. »Wir haben die Firma Tönsmeier mit ins Boot genommen«, erklärt Anke Ulonska. Das Entsorgungs- und Recyclingunternehmen funktionierte einige Standard-Abfalltonnen zu Sammeltonnen um. Diese haben einen verschlossenen Deckel mit einem Loch in der Mitte, durch das genau die Getränkeflaschendeckel passen. Ein Sichtfenster aus Plexiglas zeigt, dass in dieser Tonne ausschließlich Flaschendeckel landen sollen.

In der Praxis sieht das leider oft anders aus, wie Pfarrer Berthold Schneider aus seinem Zweit-Alltag als Deckelsammler berichtet. »Da landet leider auch immer wieder Müll drin«, sagt er und hofft, dass die Leute bewusster mit dem am besten sortenrein gesammelten Rohstoff umgehen. Schließlich geht es um viel Geld – und um Menschenleben. »500 Deckel ergeben ein Kilo Recycle-Material«, rechnet er vor. Damit lasse sich bereits eine Polio-Impfung eines Kindes finanzieren. Alleine der Rotary Club Bielefeld-Süd habe mit seinen Aktionen bereits 15 000 Impfungen ermöglicht.

Kinderlähmung ist in einigen Ländern wieder aufgeflammt

Die fast als ausgerottet geltende Krankheit sei in Afghanistan, Pakistan und Nigeria wieder aufgeflammt; allein 37 neue Fälle wurden hier registriert. Angesichts der Konfliktsituationen in den Ländern sei es für die Helfer schwer, die Menschen zu erreichen, um Neugeborene impfen zu lassen. Zur Wahrheit gehöre dabei, dass Microsoft-Gründer Bill Gates mit seiner Stiftung jede Spende aus der weltweiten Rotary-Aktion verdoppele. »Sonst wären wir nicht so schnell«, sagt Schneider. Weltweit würden 1,2 Milliarden Euro gebraucht, um die Krankheit auszurotten.

Nicht nur ihn und seinen Rotary-Kollegen Heinrich Dornhoff hat längst das Sammelfieber gepackt. »Es kommen Freiwillige zu den teilnehmenden Getränkemärkten und schrauben unentgeltlich die Deckel ab.« Auch ohne Deckel bekomme jeder bei seiner abgegebenen Pfandflasche das Pfandgeld erstattet. Immerhin fallen alleine in Deutschland pro Jahr 1,2 Milliarden Flaschendeckel an.

Weitere Partner als Unterstützung sind willkommen

Zwei weitere Sammeltonnen wird die Gemeindeverwaltung in Reserve halten. »Wir hoffen, dass weitere Partner aufspringen werden«, sagt Bürgermeister Klaus Besser. Vorstellbar wären auch zusätzliche Standorte in Amshausen und Brockhagen, um die Wege für alle, die die Aktion unterstützen möchten, kurz zu halten. Sagt es und wirft einen Deckel in die Tonne, die neben den Sammelbehältern für Leuchtstoffe, CDs, Briefmarken und Korken ihren Platz findet.

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