Gemeinde dehnt Messungen aus und will Schwellen anbringen Mit 85 »Sachen« auf Hilterweg

Steinhagen  (WB). Zu hohe Geschwindigkeiten in Wohngebieten – dieses Thema beschäftigt das Steinhagener Rathaus auch weiterhin. Denn eine Ausdehnung der Messstellen hat jüngst drastische Tempoüberschreitungen ergeben: zum Beispiel 85 km/h statt der erlaubten 30 auf dem Hilterweg.

Von Annemarie Bluhm-Weinhold
Auch der »Smiley« auf dem Display spricht eine deutliche Sprache. Heruntergezogene Mundwinkel bedeuten: »zu schnell gefahren«. Auf dem Hilterweg waren das 88,7 Prozent aller Autofahrer bei der 24-Stunden-Messung Mitte März.
Auch der »Smiley« auf dem Display spricht eine deutliche Sprache. Heruntergezogene Mundwinkel bedeuten: »zu schnell gefahren«. Auf dem Hilterweg waren das 88,7 Prozent aller Autofahrer bei der 24-Stunden-Messung Mitte März. Foto: Bluhm-Weinhold

Für Ordnungsamtsleiterin Ellen Stephan stellt sich deshalb die Frage, ob zusätzlich zu tempo­reduzierenden Maßnahmen, die die Gemeinde vorhat, nicht auch Geschwindigkeitskontrollen seitens des Kreises oder der Polizei kommen müssten. Auch das könnte am Donnerstag, 30. März, Thema im Ordnungs- und Umweltausschuss sein. Die Gemeinde kann zwar mit ihren vier mobilen Geschwindigkeitsdisplays die gefahrenen Geschwindigkeiten ermitteln und mit einer speziellen Software auswerten, »Blitzen« aber kann und darf sie nicht.

Zwei Problembereiche: Hilterweg und Gütersloher Straße

Doch an vielen Stellen insbesondere in »Tempo-30«-Zonen wird viel zu schnell gefahren: Im vergangenen Jahr lag das Augenmerk, wie mehrfach berichtet, auf der Amshausener Straße und der Straße Am Pulverbach. Mit den zusätzlichen Messungen in den vergangenen Monaten zeigen sich zwei weitere Problembereiche, die massiv hervorstechen.

Zum einen ist das in Brockhagen die Gütersloher Straße, wo in einer 24-Stunden-Messung vom 15. bis 16. März 2017 eine Höchstgeschwindigkeit von 72 km/h in einer »30er«-Zone gemessen wurde. Mit 3335 Autos war die Straße im Messzeitraum viel befahren, 78,4 Prozent der Autofahrer waren zu schnell. Die Durchschnitts­geschwindigkeit lag zwar bei 36 km/h, aber 127 Autofahrer waren auch schneller als 60 km/h.

Zum anderen ist der Hilterweg zwischen Patthorster Straße und Upheider Weg ein Problem­bereich. 1022 Fahrzeuge passierten die Messstelle zwischen dem 15. und 16. März, von denen 88,7 Prozent insgesamt zu schnell und 349 Autos mehr als 60 km/h fuhren – der schnellste wurde mit 85 Stundenkilometern gemessen. Auch dort gilt »Tempo 30«.

»Diese Messung erfolgte aufgrund von Anliegerbeschwerden wegen Raserei«, sagte Ellen Stephan. Erstaunlich findet sie nicht nur die massiven Tempoüberschreitungen, sondern auch, dass es dort überhaupt so viel Verkehr gibt. Die Straßenverkehrsbehörde werde geeignete Maßnahmen zur Temporeduzierung ergreifen, heißt es in der Sitzungsvorlage.

Berliner Kissen sollen für Entschleunigung sorgen

Die Gemeinde will ohnehin »aufrüsten« gegen Raser und hatte bereits im vergangenen Herbst die Installation der aus Kunststoff bestehenden sogenannten Berliner Kissen in der Fahrbahnmitte an der Amshausener Straße sowie an der Mozartstraße beschlossen. Beide waren auch bei den erneuten Messungen während des Winters durch die Vielzahl der Tempoüberschreitungen aufgefallen. Auf der Amshausener Straße in Fahrtrichtung Sportplatz waren 78 Prozent zu schnell, der schnellste fuhr 63 km/h. Auf der Mozartstraße in Fahrtrichtung Schulzentrum waren 87,6 Prozent der Autofahrer zu schnell, die höchste gemessene Geschwindigkeit lag bei 69 km/h.

Und um noch einen Bereich wird sich die Gemeinde kümmern müssen, ohne dass dafür bis jetzt konkrete Maßnahmen beschlossen wären: »Im Schlüttgarten ist weiterhin viel Verkehr, der nicht Schrittgeschwindigkeit fährt«, sagt Ellen Stephan.

Kommentare

Größtes Problem ?

Mit stellen sich hier 3 Fragen:

1. Ist das ein echter Gefahrenpunkt ?
Jein, denn hier gibt es keinen abgetrennten Fußweg und die Straße wird als Haupt-Gassiweg genutzt und somit sind dort viele Fußgänger.

2. Gibt es nicht größere Probleme ?
Eindeutig JA ! 100 m weiter geht es auf die Patthorster Str., wo aus Richtung Brockhagen die Fahrzeuge deutlich zu schnell in die 30-Zone fahren und Richtung Brockhagen wird auch schon an der Kreuzung beschleunigt. Die gesamte Patthorster Str. ist Zone 30 und es gilt "rechts-vor-links". Diese Verkehrsregel wird extrem häufig nicht beachtet und auch nie kontrolliert. Noch heftiger ist das in der Mühlenstr. zu erleben, wo selbst die Busse zügig (>30) an den rechts-vor-links-Kreuzungen vorbei düsen.
Vielleicht würden ja schon Markierungen auf der Straße helfen, auf die Kreuzung hinzuweisen. (gestrichelte Haltelinien- oder wie auch immer die korrekt heißen)

3. Ist das Problem nicht selbstgemacht ?
Ja, denn bei der Planung des Autobahnbaus und den damit verbundenen Brücken stelle ich mir die Frage, wie wichtig die Brücke "Upheider Weg" ist. Die Straße ist nicht als Durchgangsstraße ausgebaut und ich denke die Anlieger hätten sich auch über eine Sackgasse und damit wenig Verkehr gefreut. Der Umweg über die Bahnhofstr. ist doch eher gering. Und für die Landwirte, die größere Umwege zu ihren Feldern fahren müssen, hätte man eine Dicke Entschädigung zahlen können. Das wäre immer noch günstiger gewesen, als die Million(en ?) für die Brücke.

Grundsätzlich finde ich es ja gut, dass die Geschwindigkeit kontrolliert wird, aber ich stelle mir die Frage, wo die größeren Probleme sind. An der Stelle ist es nicht schön, dass zu schnell gefahren wird, aber die größeren Gefahren finden sich in Steinhagen an anderer Stelle und zwar sogar ganz in der Nähe.

In diesem Sinne Augen auf und mal die Gesamtsituation betrachten.

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