SPD diskutiert mit Schulleitern, Eltern und Lehrern über Schulpolitik G8 oder G9? Hauptsache mehr Bildung

Steinhagen (WB). »G 8 ist nicht der Weltuntergang, aber Rückkehr zu G 9 wäre besser«, sagt Markus Spindler, Leiter des Kreisgymnasiums Halle. »G 8 führt nicht automatisch zu mehr Stress«, hält Josef Scheele-von Alven, Leiter des Steinhagener Gymnasiums, dagegen.

Von Annemarie Bluhm-Weinhold
Diskutierten über Schulpolitik (v.l.): Georg Fortmeier, KGH-Schulleiter Markus Spindler, stellvertretende SPD-Landesvorsitzende ­Elvan Korkmaz, Josef Scheele-von Alven, Leiter des Steinhagener Gymnasiums, und SPD-MdL Marc Herter.
Diskutierten über Schulpolitik (v.l.): Georg Fortmeier, KGH-Schulleiter Markus Spindler, stellvertretende SPD-Landesvorsitzende ­Elvan Korkmaz, Josef Scheele-von Alven, Leiter des Steinhagener Gymnasiums, und SPD-MdL Marc Herter. Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold

Zwischen diesen Positionen und dem jüngst von der Landes-SPD erdachten Konzept »G 8 flexi« bewegte sich am Montagabend die Diskussion »G 8 oder G 9 – Welches System ist besser für mein Kind?«, zu der SPD-Landtagsmitglied Georg Fortmeier in die Steinhagener Mensa eingeladen hatte. In Zeiten des Wahlkampfs muss die Bildungspolitik aufs Podium – zumal, wenn es im Land gerade mit den Bestrebungen zum Volksbegehren »G 9 jetzt!« eine Gegenbewegung gibt. Georg Fortmeier hatte neben den beiden Schulleitern seinen SPD-Landtagskollegen und Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Marc Herter, eingeladen – zwei Männer aus der Praxis und ein Politiker, der allerdings mit dem SPD-Konzept »G 8 flexi« (siehe Kasten) diese beiden ebenso wie viele der Anwesenden nicht überzeugen konnte.

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»Wir machen G 8 gut und verantwortungsvoll. Wenn die Schüler um 15.40 Uhr nach Hause gehen, dann haben sie auch wirklich frei.«

Josef Scheele-von Alven, Schulleiter des Steinhagener Gymnasiums

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Die Erfahrungen mit G 8 sind ganz unterschiedlich. Das Steinhagener Gymnasium hat als Antwort auf G 8 den gebundenen Ganztag entwickelt mit neuen Organisationsmodellen, pädagogischen Angeboten, einem Umbau der Curricula und einer in den Schultag integrierten Hausaufgabenkultur: »Wir machen G 8 gut und verantwortungsvoll. Wenn die Schüler um 15.40 Uhr nach Hause gehen, dann haben sie auch wirklich frei«, so Josef Scheele-von Alven, der, wie er sagt, »kein herzüberzeugter G 8’ler« ist, aber beim nun gerade aufgebauten und seiner Meinung nach gut funktionierenden System bleiben will. Deshalb erteilt er dem SPD-Flexi-Modell eine Absage: »Nicht schon wieder neue Organisationsstrukturen. Wir brauchen verlässliche Entscheidungen mit längerer Halbwertszeit als zehn Jahre.« Er fordert: »Geben Sie uns mehr Lehrer und Ressourcen für die Schulentwicklung!« Er sei skeptisch, wenn die Politik wie mit »G 8 flexi« eine Lösung verspreche, indem sie diese in die Wahlfreiheit der Eltern lege.

Markus Spindler ist Fürsprecher der G 9-Rückkehr: »Viele Eltern und viele Lehrer möchten zurück zu G 9. Der Unterricht am Nachmittag geht zu Lasten der individuellen Förderung, der Zusatzangebote wie der Sprachzertifikate oder ›Jugend forscht‹ und der Freizeit der Schüler.« Das eingesparte Jahr käme den Schülern nicht zugute: »Viele sind unter 18 und haben noch keinen Führerschein«, weist er auf Probleme bei der Organisation eines Studiums oder bei der Stellensuche hin. »Viele vergammeln dieses Jahr, in dem sie in der Schule besser gefördert werden können.« Aber auch Spindler spricht sich gegen das Flexi-Modell aus: »Es löst keines unserer Probleme. Und es ist ein reines Wiederholungsjahr.«

Publikum äußert Skepsis gegenüber G 8

In den Wortmeldungen aus dem Publikum wurde Skepsis gegenüber G 8 geäußert, aber auch das Zurück zur alten Struktur hinterfragt. Ina Krautkrämer, pensionierte KGH-Lehrerin, fordert zwar: »Zurück zu G 9 und zu den alten Lehrplänen!« Ein Vater hält dagegen: »Müssen wir nicht vielmehr die alten Lehrpläne überdenken? Vieles ist nicht weiterentwickelt worden.« Das neue Paradigma der Lehrpläne, das Scheele-von Alven beschreibt – das Weggehen von Stoffplänen, die Betonung der Kompetenzorientierung – kommt bei den Eltern nicht unbedingt an: Mehrfach wird der Wunsch nach mehr Bildung, der Vermittlung kultureller Werte formuliert. Werner Landwehr (Schulpflegschaft KGH und Kreisschulpflegschaft) meint mit Ironie: »Wenn ich die Betriebsanleitung einer Waschmaschine lesen kann, dann habe ich die Kompetenz des Lesens. Da brauche ich Schillers ›Bürgschaft‹ nicht. Für Scheuklappen-Menschen mag das reichen. Aber Bildung erwerbe ich nicht.« Scheele-von Alven sieht indes keinen Verlust im Bildungsniveau: »Es wäre gut, G 8 nicht in die Schublade zu stecken: Das sind gequälte Kinder, die nichts lernen.«

»G 8 flexi«

»G 8 flexi«, vom Landesparteitag der SPD beschlossen, steht für ein Gymnasium wahlweise in acht oder neun Jahren, die Rückkehr zu sechs Jahren Mittelstufe und eine zwei- oder dreijährige Oberstufe. Diese umfasst ein Orientierungsjahr, das übersprungen werden kann, wenn Schüler in der Jahrgangsstufe 10 zusätzlich Kurse belegen, die der Einführung in die Oberstufe dienen. Dazu gehört auch die weitere Fremdsprache.

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