Schulausschuss einstimmig für neuen Bildungsgang an der Realschule Hauptschulzweig darf wachsen

Steinhagen (WB). Die Hauptschule hört in Steinhagen in wenigen Tagen mit der Verabschiedung des letzten Jahrgangs auf zu existieren. Vom übernächsten Schuljahr an wird es aber aller Voraussicht nach an der Realschule einen Hauptschulbildungsgang geben.

Von Annemarie Bluhm-Weinhold
Im Steinhagener Schulzentrum soll es vom Schuljahr 2017/2018 an wieder einen Hauptschulbildungsgang geben.
Im Steinhagener Schulzentrum soll es vom Schuljahr 2017/2018 an wieder einen Hauptschulbildungsgang geben. Foto: Bluhm-Weinhold

Im Schulausschuss stieß dieses Vorhaben am Mittwochabend auf ungeteilte Zustimmung: Dann könnten auch die Kinder mit Hauptschulempfehlung wieder am Ort adäquat beschult werden, so der Tenor aller Fraktionen. Einstimmig wurde die Verwaltung beauftragt, die Einrichtung eines Hauptschulbildungsganges an der Realschule ab Klasse 7 zum Schuljahresbeginn 2017/18 vorzubereiten und bei der Bezirksregierung zu beantragen. Die ersten Signale aus Detmold sind positiv: Wie Schulamtsleiterin Gabi Schneegaß berichtete, ist keineswegs daran gedacht, den Bildungsgang an allen Realschulen der Region einzurichten, in Steinhagen aber stimmen die räumlichen und personellen Voraussetzungen.

Neuerung im Schulgesetz

Eine Neuerung im Schulgesetz macht die Einrichtung eines Hauptschulzweiges möglich. Ziel ist dabei die Sicherung der Schullaufbahn. Denn bisher nehmen Realschulen zwar Kinder mit Hauptschulempfehlung auf, die aber die Schule und mitunter auch den Ort verlassen müssen, wenn sie die Erprobungsstufe nicht schaffen – und so ist es in einigen Fällen auch in Steinhagen gewesen. Deshalb sind Realschulleiter Frank Kahrau und seine Kollegen auf die Idee gekommen, die neuen Möglichkeiten des Schulgesetzes für sich zu nutzen.

Der Hauptschulzweig startet erst mit Jahrgangsstufe sieben. Vorher haben alle Kinder die Anforderungen der Realschule zu erfüllen. Der Hauptschulbildungsgang soll durchlässig sein, einen Wechsel in beide Richtungen erlauben. Er soll weitgehend binnendifferenziert sein, allerdings mit klarer Trennung im so genannten Wahlpflichtbereich 1. denn zum Hauptschulbildungsgang gehört das fach Arbeitslehre: Das sind Hauswirtschaft, Technik und Wirtschaft zu gleichen Teilen. Vorteil der Realschule ist, dass ein Technikraum ebenso wie eine Küche und Kollegen mit Hauptschulerfahrung bereits vorhanden sind.

Rahmenbedingungen noch unklar

»Allerdings sind Handreichungen und Verwaltungsvorschriften noch nicht veröffentlicht«, sagte Frank Kahrau. Auch gibt es noch keine Informationen zu einer möglichen Erhöhung der Stellen. »Insofern können wir auch ein Konzept frühestens Ende Januar im Ausschuss vorstellen«, kündigte Kahrau an. Dazu will die Schule eine Konzeptgruppe unter Beteiligung des Schulträgers und des Dezernenten bilden. Die Realschule Steinhagen tauscht sich über den Hauptschulzweig derzeit intensiv mit der Realschule in Lichtenau aus. Dort soll der neue Bildungsgang nach den Sommerferien starten.

»Wir sehen dem Bildungsgang begeistert entgegen«, sagte Ga­briele Hartleif (SPD) im Ausschuss. Margret Gail (CDU) begrüßt ihn ebenfalls, lobte aber auch die bisherige Arbeit der Realschule, die stets versuche, alle Kinder mitzunehmen. Schulausschussvorsitzende Sabine Godejohann (SPD) nannte es eine pragmatische Lösung. Cordula Liehr (CDU) hofft, dass damit wieder Schulfrieden in Steinhagen einkehrt.

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