Psychiater diagnostiziert Persönlichkeitsstörung Brandstifter kommt in Betreuung

Steinhagen/Bielefeld (WB). Ein halbes Jahr nach der Brandstiftung in einem Mehrfamilienhaus am Bertha-von-Suttner-Hof wurde der Tatverdächtige am Freitag vom Amtsgericht Bielefeld zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Ins Gefängnis muss er dennoch nicht – er kommt unmittelbar in eine betreute Wohnunterkunft.

Vor dem Bielefelder Amtsgericht musste sich der 41-Jährige wegen Brandstiftung verantworten.
Vor dem Bielefelder Amtsgericht musste sich der 41-Jährige wegen Brandstiftung verantworten.

Während des Prozessauftaktes am 18. Juni legte der potenzielle Brandstifter ein umfangreiches Geständnis ab. Doch die Gründe für die Tat blieben wirr. Richterin Astrid Salewski hatte Zweifel an der Schuldfähigkeit des Steinhageners und forderte ein Gutachten ein, das einen klärenden Blick auf die Psyche des Täters werfen sollte.

Am Freitag stellte Gutachter Dr. Martin Reker eine Persönlichkeitsstörung bei dem Angeklagten fest. Insgesamt lebte er unauffällig und zurückhaltend. Vorbestraft ist der 41-Jährige nicht. »Er ist eigentlich ein ganz Netter«, so der Psychiater. Bereits früh habe er Ausgrenzungen erfahren und sich nie als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft gefühlt, gerade auch während der mittlerweile fast vier Jahre andauernde Arbeitslosigkeit.

Täter fühlte sich überfordert

Dazu kam der psychische Bruch nach dem Tod seines Vaters, dessen Rolle der 41-Jährige übernahm. Dazu gehörte die Verwaltung der Finanzen von sich und seiner Mutter, die ebenfalls im Mehrparteienhaus wohnte. Doch genau damit war der Angeklagte am Ende überfordert. Seine Ansprüche auf Hartz IV  nahm er nicht in Anspruch. Die Miete der beiden Wohnungen in dem Haus konnten durch die Rente der Mutter nicht mehr beglichen werden. Es drohte die Zwangsräumung.

»Genau in diesem Moment folgte eine Übersprungshandlung«, sagte Dr. Reker. Und der schüchtern wie unsicher wirkende 2,05 Meter große Mann wurde zum Brandstifter. Er habe einen Suizid nicht gewagt und daher am Tag der Wohnungsräumung nahezu im Affekt gehandelt. Der Gutachter sprach von einer »Parasuizidalen Handlung«.

Für Richterin Salewski eine vollkommen irrationale Tat. Warum der arbeitslose Malergehilfe nun seine Dachgeschosswohnung und die Kellerräume in Brand setzte, blieb unergründet. Weitreichende Erinnerungslücken des 41-Jährigen zogen sich durch den Prozess.

41-Jähriger vermindert schuldfähig

Psychiater Dr. Reker befand den auch während des Prozesses nervösen Angeklagten für vermindert schuldfähig. Der befürchtete Strafrahmen einer schweren Brandstiftung konnte herabgesetzt werden.

Das Schöffengericht folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft und befand den Angeklagten der vorgeworfenen Tat für schuldig. Die zweijährige Haftstrafe wurde für die Dauer von vier Jahren zur Bewährung ausgesetzt. Zusätzlich muss er 300 Sozialstunden ableisten. Das Urteil ist rechtskräftig.

Aufgrund seiner Persönlichkeitsstörung und der damit verbundenen Unreife muss der Brandstifter jedoch nicht wieder zurück ins Gefängnis, wo er sich seit dem 13. Februar in Untersuchungshaft befand. Direkt nach dem Urteil wurde er in eine Einrichtung nach Bethel gebracht. Sein Verteidiger Alexander Strato hatte bereits vor dem Urteilsspruch die Zusage für einen Wohnplatz bekommen.

Der entstandene Schaden am Mehrfamilienhaus von mindestens 100.000 Euro wird den 41-Jährige indes sein Leben lang begleiten. Eine Privatinsolvenz erlässt keine Schulden aus einer Straftat.

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