Horst Dieter Schmelzer, Vorsitzender des Männergesangvereins Eintracht Stukenbrock, im Corona-Interview
„Der gesellige Treffpunkt fehlt“

Schloß Holte-Stukenbrock WB -

Es ist still geworden während der Corona-Pandemie.

Freitag, 05.02.2021, 17:38 Uhr
Horst Dieter Schmelzer ist auch begeisterter Maler. Eine geplante Ausstellung musste er bereits verschieben. Foto: Monika Schönfeld

Davon könnte Horst Dieter Schmelzer ein Liedchen singen. Darf er aber nicht. Der Vorsitzende des Männergesangvereins 1878 Stukenbrock, Vorsitzende des Stadtkulturverbandes und stellvertretender Vorsitzender des Bundes der Vertriebenen ist besonders von den Einschränkungen betroffen. Der 84-Jährige, ehemals selbstständige Lichtingenieur, spricht über das, was ihn in dieser Zeit bewegt.

 

Wie nah ist Ihnen das Virus bislang gekommen?

Horst Dieter Schmelzer: Bei dieser Frage muss ich trennen zwischen dem frei- beruflichen, aktiven und dem persönlichen familiären Bereich. In den Vereinsbereichen hat das Virus die Basis aller Ausübungstätigkeiten entzogen und damit mich persönlich voll getroffen. Geplante Konzerte mussten entfallen. Alle anfänglichen Bemühungen, zum Beispiel einen Probenbetrieb aufrecht zu erhalten, sind letztlich fehlgeschlagen und verboten worden. Meine eigenen Überlegungen und Vorbereitungen für eine Kunstausstellung habe ich verschoben. Der Plan, im Stadtkulturbereich wieder ein Offenes Singen zu veranstalten, mussten wir fallen lassen. Familiär sind natürlich die allgemeinen Einschränkungen zu spüren, aber wenn man seinen normalen Menschenverstand benutzt, kann ich persönlich damit leben. Corona ist schlimm, aber wenn man sich an die Vorschriften hält und die eigenen Kontakte kontrolliert und reduziert, dann muss man nicht in Panik verfallen! Die Zeit mit Corona wird uns noch einige Zeit begleiten, aber sie geht vorbei. Wichtig ist für meine Begriffe, dass wir lernen müssen damit normaler umzugehen. Jeder sollte seinen eigenen Verstand benutzen und die Dinge für sich selbst bewerten.

Was überwiegt bei Ihnen gerade: Vertrauen und Gelassenheit oder Unzufriedenheit und Frust?

Schmelzer: Ich vertraue grundsätzlich in die politischen Entscheidungen der ersten Stunden der Corona-Zeit. Auch wenn danach sicher einiges für meine Begriffe nicht logisch richtig war. Es sind hektische und schwierige Zeiten. Die Wissenschaft lernt selbst noch und sucht neue Lösungen. Das eigentliche Problem sind die egoistischen Menschen. Für mich überwiegt im Augenblick eine gewisse Gelassenheit. Eine Mischung aus Gottvertrauen und normalem Menschenverstand! Ich halte es aber für falsch, den Menschen den Platz zu nehmen, an dem sie sich treffen können, wenn die Hygienebestimmungen eingehalten werden.

Wenn Sie für einen Tag Bundeskanzler sein dürften, was würden Sie für diesen einen Tag im Sinne der Nation ändern?

Schmelzer: Ich würde versuchen das Schulsystem zu vereinheitlichen. Das momentane föderale System schadet dem Gefühl der Bürger, eine wirkliche Einheit zu ein.

Die Welt verändert sich, Gewohnheiten werden erschüttert. Hat diese Extremsituation Ihr Lebensgefühl, Ihre Wahrnehmung, Ihr Denken verändert?

Schmelzer: Die Welt verändert sich ständig – seit ihrem Bestehen. Sie ist von Natur aus auf Wachstum und Veränderungen ausgerichtet. Auch der Mensch verändert sich laufend. Veränderung ist die Basis der Kreativität. Veränderungen geschehen in unterschiedlichen Intensitäten. Damit muss man umgehen

Was ist Ihr Lieblingsort, um aufzutanken?

Schmelzer: Einen direkten Lieblingsort habe ich nicht. Für mich ist die freie Natur, der Wald mit seinen Bäumen und dem Licht der Sonne mit ihren Farbspielen die beste Motivation zum Auftanken und Abtauchen. Ich bin wegen des Lichts gerne in Tirol oder in Portugal. Licht ist Leben, das war als Lichtingenieur ja auch mein Beruf.

Welches Buch lesen Sie gerade?

Schmelzer: Bei Büchern interessieren mich Dichter wie Ringelnatz, Eichendorf und Zille mit ihrer Art, die Dinge des Lebens zu sehen und zu dokumentieren.

Sehnen Sie die ,,Normalität‘‘ der Vor-Corona-Zeit herbei oder ist Ihnen bewusst, dass es diese Normalität nicht mehr geben wird?

Schmelzer: Die so genannte Normalität vor der Pandemie wird es meiner Meinung nach nicht mehr geben. Dieser Tatsache müssen wir uns stellen und dieser Tatsache etwas Positives abgewinnen. Wir werden nach der Corona-Pandemie die Erkenntnis gewonnen haben, dass Konsumrausch und Urlaubstourismus nicht das A und O des Lebens sein müssen.

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