Friseure, Gastwirte, Einzelhändler, Fahrlehrer und andere Bürger machen auf ihre Lage aufmerksam
„Wir waren lange genug still“

Schloß Holte-Stukenbrock (WB) -

Auf 30 Teilnehmer hatten die Organisatoren des Autokorsos gehofft, laut Polizeiangaben haben 120 teilgenommen, ein Bürger will sogar 152 gezählt haben. „Wir sind völlig überwältigt“, sagen Friseurmeisterin Katja Kramme und Gastwirtin Kerstin Strothmann.

Montag, 01.02.2021, 03:14 Uhr aktualisiert: 01.02.2021, 10:48 Uhr
In der Fahrschule stehen die Räder still: (von links) Karl-Heinz Riewenherm, Fahrlehrer Marc Wemhöner und Inhaber Detlef Riewenherm. Foto: Monika Schönfeld

Teilnehmer aus dem ganzen Kreis Gütersloh und aus den Nachbarkreisen Paderborn und Lippe und aus der Stadt Bielefeld waren dabei. Alle eint, dass sie die Nase voll haben. „Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass wir vollkommen durch das Hilfsraster fallen.

Friseure, Gastronomie, Fahrschulen, Einzelhändler – die Selbstständigen haben Angst um ihre Existenz.“ Sie wollen nicht mit Corona-Leugnern in einen Topf geworfen werden. „Ich spreche für alle, die heute hier sind. Wir wollen unsere Geschäfte wieder öffnen. Alle haben in Hygienemaßnahmen investiert. In meinem Salon könnten Sie eine Operation am offenen Herzen machen“, sagt Katja Kramme. Die Gastwirte hätten ihre stärkste Saison in der Vorweihnachtszeit verloren und ebenso Hochzeitsgesellschaften und Feiern der Konfirmation und Kommunion. „Wir befürchten, dass bald das Licht endgültig aus ist.“

Katja Kramme und Kerstin Strothmann würden sich auch mehr Unterstützung aus der lokalen Politik wünschen – etwa einen Ansprechpartner im Bürgerbüro, der die Hilfen koordiniert. „Für die Überbrückungshilfe 3 gibt es bis heute noch gar kein Formular, obwohl wir seit Mitte Dezember geschlossen haben müssen.“ Auch Gastwirte hätten noch keine ausreichende Hilfe erhalten. Und der Außer-Haus-Verkauf könne das Geschäft nicht auffangen. „Einige sind gar nicht darauf eingerichtet.“

Demo gegen Geschäftsschließungen in der Corona-Pandemie in Schloß Holte-Stukenbrock

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    Foto: Monika Schönfeld
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Die Polizei hat mit drei Fahrzeugen und mit sechs Leuten den Autokorso begleitet. Zwischenzeitlich überlegte der Einsatzleiter aus Rheda-Wiedenbrück, ob Verstärkung nötig ist. Einen Verstoß gegen die Corona-Bestimmungen konnte er nicht feststellen. „In den Autos waren immer Personen aus einem Haushalt, versichern mir die Organisatorinnen.“ Die Demonstration sei angemeldet und vom Ordnungsamt genehmigt. „Das ist in Übereinstimmung mit dem Grundgesetz und dem dort verankerten Recht auf Meinungsfreiheit“, so der Einsatzleiter.

Aus Sennestadt-Dalbke war Friseurmeisterin Claudia Schwenk im Cabrio dabei. „Uns steht das Wasser bis zum Hals. Wir waren lange genug still", sagt sie. Monika Güse hat einen Friseur-Salon in Oerlinghausen. „Ich bin nicht gegen die Corona-Regeln und sehe ein, dass Geschäfte schließen müssen. Aber wir können den Verlust nicht auffangen. Die Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, aber für die Inhaber ist nichts vorgesehen."

Aus Steinhagen ist Daniel Walkenhorst dabei, Inhaber des „Grillwerks“, und seine Schwester Mareike van Genabith aus Harsewinkel.

Frank Sprungmann, Inhaber eines Autohauses in Dalbke will auf seine Situation aufmerksam machen. „Wir haben so viel in die Hygienemaßnahmen investiert. Man könnte doch eine Zugangsbeschränkung für Autohäuser erlassen. Dass wir schließen müssen, ist ungerecht.“

Detlef Riewenherm, Inhaber einer Fahrschule mit mehreren Niederlassungen, empfindet es ebenfalls als ungerecht, dass einige Branchen die Pandemie ausbaden müssen und es zudem noch von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich gehandhabt wird. „100 Fahrschüler, die die Theorieprüfung schon bestanden haben, warten darauf, ihre Fahrstunden zu machen, um die notwendige Zahl für die Prüfung zu erreichen“, sagt Riewenherm, der mit seinem Vater Karl-Heinz und Fahrlehrer Marc Wemhöner am Autokorso teilgenommen hat.

Gertrud Gerbig nimmt als besorgte Bürgerin an der Demo teil. „Das kann so nicht mehr weitergehen. Kinder sind schon traumatisiert, Existenzen werden zerstört.“ Heike Karmeier ist Inhaberin einer Tanzschule, gibt Reha-Kurse, Kurse für die Volkshochschule und macht nicht-medizinische Fußpflege. „Das alles darf ich nicht mehr. Es ist zum Verzweifeln.“

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