Unter Corona-Beschränkungen überraschen Verwandte Josef Sieweke zum 100. Geburtstag
Wenn die „Meute“ Ur-Opa gratuliert

Schloß Holte-Stukenbrock -

Wenn die Gäste nicht zum Geburtstagkind kommen können, muss der Jubilar eben zu den Gratulanten kommen. 100 Jahre alt wird man schließlich nicht jeden Tag. Für Josef Sieweke haben am Samstag sechs Kinder und Angeheiratete, elf Enkel mit Anhang und 20 Urenkel eine coronagerechte Geburtstagsfeier organisiert. „Ich bin sprachlos“, lacht der Jubilar.

Sonntag, 03.01.2021, 18:02 Uhr aktualisiert: 03.01.2021, 22:30 Uhr
Josef Sieweke mit einem Teil seiner 20 Urenkel, die Foto: Monika Schönfeld

 

Und dabei dachte Josef Sieweke, dass er von der Feierei gut abgekommen sei. Die Sippe hatte ein Lied aufgenommen und umgedichtet, ein Medley, das Michael Sielhorst (einer aus der Verwandtschaft) geschnitten und Alexander Brummel (Sohn der jüngsten Tochter Mechthild) am Vormittag vorgeführt hat.

„Wir haben sehr oft umgeplant und uns vom Ordnungsamt bestätigen lassen, was wir dürfen und was nicht“, sagen die Enkelinnen Jennifer Sieweke und Sylvia Becker, die mit im Organisationsteam waren. Nach dem erneuten Lockdown wurde es immer schwieriger, die Beschränkungen auch für Familienfeiern wurden immer strenger. Also ging es auf Rundreise.

Josef Siewekes jüngster Sohn Gerd hatte sich von den „Poppnasen“, einer Karnevalsgruppe des Stukenbrocker Pfarrkarnevals, ein altes Feuerwehrauto ausgeliehen, das den Geburtstagskonvoi anführte. Der Zufall will, dass Gerd Siewekes Schwiegersohn Magnus Brock eine „Poppnase“ ist, der dann auch noch zufällig mit seiner Tochter Jennifer Sieweke verheiratet ist, die im Pfarrkarneval bei den „Letzten Drückern“ mitmacht. „Ich kam mir auch ein bisschen so vor, als ob ich eine Karnevalssitzung vorbereite“, lacht Jennifer Sieweke. Im Wagen von Hannes und Elisabeth Teutrine (älteste Tochter) nahm der Jubilar Platz.

 

„Unfassbar“, sagte Josef Sieweke an der ersten Station an der Kattenheide, wo Friedel, der mittlere Sohn, wohnt. Er und seine Familie ließen die Konfettikanonen knallen, die Kinder Luftballons steigen. Weiter ging es an die Helleforthstraße zur Familie des ältesten Sohns Meinolf mit Frau, Töchtern und Enkelkindern, um mit einem Piccolo anzustoßen. Mit dabei der älteste Urenkel, Jan Ronschke (29).

An der dritten Station im Bütervenn hatte die Familie von Hannes und Elisabeth Teutrine und die Familie von Tochter Veronika den Zaun mit Fähnchen und Schleifen geschmückt und gaben das Geburtstagsständchen zum Besten. Zum Schluss ging es an die Berliner Straße. Dort leben gleich in zwei Häusern Siewekes, unter anderem in Josef Siewekes erstem Haus. „Wir hatten damals 10.000 Quadratmeter Land, waren aber die ärmsten Leute“, sagt der Jubilar mit einem Augenzwinkern. Dann sei die Ostritzer Straße durch sein Gelände gebaut worden. Deshalb muss er jetzt mit dem Rollator die Straße überqueren, wenn er zur Verwandtschaft auf der anderen Straßenseite will.

Dass er eine solch große Sippschaft hat, die auch in Schloß Holte-Stukenbrock geblieben oder zurückgekehrt ist, freut ihn sichtlich. „Ich bin angenehm von meiner Meute überrascht. Jetzt, wo sie alle erwachsen sind, sind sie gut zu ertragen. Ist Spaß“, setzt er nach. Und dann, mit Andeutung eines Lächelns: „Ich muss das erst mal alles verdauen.“Siewekes Familienwappen

Siewekes Familienwappen

„Opa“ habe irgendwann mal fallenlassen, dass er es schön fände, wenn die Verwandtschaft in einheitlichen T-Shirts auftreten würde. Das hat die Familie im Hinterköpfchen gespeichert und zum 100sten ein Familienwappen erfunden, das jetzt T-Shirts ziert.

„In der Mitte sind Schaufel und Harke. Die symbolisieren das Handwerk und die Bodenständigkeit, aber auch, dass wir Siewekes fleißig und anpackend sind“, erzählt Jennifer Sieweke, die eine Kreativ-Agentur hat (hej-Design).

Aus einer Bohne sprießt ein Keim. „Oma Treschen (Theresia, die verstorbene Ehefrau Josef Siewekes), hat den besten Krüpperbohnen-Eintopf der Welt gemacht.“ Die Bohne stehe auch für Wachstum und angesichts des vielen Nachwuchses auch für „junges Gemüse“. Einmach-Klammer: „Es wurde immer alles eingemacht: Bohnen, Erbsen, Pflaumen, Kirschen... Wir sind eine naturverbundene Familie.“

Ein Huhn durfte nicht fehlen. „Opa und mein Vater Gerd hatten immer Hühner. Wenn es Opa mal zu viel wurde beim Kaffee mit seiner Verwandtschaft, sagte er, er gehe die Hühner füttern.“ Letztes Element des Wappens ist die Kirsche, die ins Kirschwasser platscht. „Mein Opa geht jeden Tag an seinem Rollator spazieren. Ein Mon Cherie hat er als Wegzehrung immer dabei.“

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