Andreas Westermeyer zieht für den Landwirtschaftlichen Kreisverband Gütersloh Bilanz für 2020
„Ein Weiter so darf es nicht geben!“

Schloß Holte-Stukenbrock (WB) -

„Wir werden dieses Corona-Jahr noch lange in Erinnerung behalten“, resümiert der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Gütersloh, Andreas Westermeyer. 2020 habe allen, der gesamten Gesellschaft, viel abverlangt. Auch für die Landwirte sei es ein anstrengendes Jahr gewesen.

Samstag, 02.01.2021, 04:58 Uhr aktualisiert: 02.01.2021, 05:00 Uhr
Andreas Westermeyer, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Gütersloh. Foto: WB

 

Die Preise für viele landwirtschaftliche Produkte seien im Keller und die Stimmung auf den Höfen vielfach bedrückend. Für den Vorsitzenden ist es ein nachdenkliches Jahr.

2020 habe den Menschen aber auch deutlich gemacht, dass volle Regale im Supermarkt keine Selbstverständlichkeit seien. „Wir haben gelernt, wie wertvoll Nahrungsmittel sind und dass sie ihren Preis haben müssen.“ Die Verwundbarkeit der globalen Lieferketten sei bewusst geworden und dass die Lebensmittelerzeugung in der Region wichtig sei.

„2020 haben wir wieder erfahren, wie abhängig wir Bauern von der Natur und dem Wetter sind“, sagt Westermeyer. Mit der Ernte seien die Landwirte noch relativ glimpflich davon gekommen. Allerdings sei die Spannbreite enorm groß. Große Sorgen bereiten den Landwirten die Schweine-, Rind-, Geflügelfleisch-, Milch- und Eierpreise. So hätten drei trockene Jahre insbesondere bei den Milchbauern und Bullenmästern die Kosten stark steigen lassen – und das bei nicht auskömmlichen Erzeugerpreisen. Die Bullenmäster würden unter der Schließung der Gastronomie und dem Wegfall des Weihnachtsgeschäfts massiv leiden. Ebenso habe auf dem Geflügel- und Eiermarkt ein Preisverfall eingesetzt. Bei den Sauen- und Schweinehaltern führten Corona und die hohen Vorsichtsmaßnahmen in der Schlachtbranche sowie der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland im September zu extremen Preiseinbrüchen. Auch bei den Waldbauern sei die Situation durch drei Dürrejahre und den Befall des Borkenkäfers desaströs.

Corona, Afrikanische Schweinepest (ASP), Vogelgrippe, Preisverfall, immer mehr Auflagen, Gesetze, Bürokratie, die die Kosten erhöhen – die Lage ist absolut ernst. „Wir sehen eine wirtschaftlich schwierige Situation, mit einer sich weiter öffnenden Kosten- und Erlösschere“, sagt Westermeyer. „Auf der anderen Seite wird zunehmend mit unseren Produkten vom Lebensmitteleinzelhandel gutes Geld verdient.“ Nicht nur das: Außerdem trage der Lebensmitteleinzelhandel wegen des eigenen Wettbewerbsvorteils mit immer neuen Anforderungen dazu bei, dass der Kostendruck steige. Weiter komme hinzu, dass die Landwirtschaft einem globalen Wettbewerbsdruck ausgesetzt sei.

„Es kann und darf kein Weiter so geben, dass schaffen unsere Bauernfamilien nicht mehr“, spricht Westermeyer von existenziellem Druck. „Wir müssen mit unseren Familien von unserer Arbeit leben können.“ Gerade der Nachwuchs brauche planbare, verlässliche Perspektiven. „Wir sind für fairen Wettbewerb mit gleichen EU-weiten Kriterien. Wir sind für ein verantwortungsbewusstes Miteinander, doch wir müssen es auch durchhalten.“ Deshalb gehöre zur Nachhaltigkeit auch das Soziale und die Ökonomie dazu. Lebensmittel hätten ihren Preis. „Die Verantwortung für das, was wir in Zukunft essen, liegt bei uns allen.“ Es gehe nur gemeinsam mit der Landwirtschaft, Gesellschaft und Politik. Auch vom Lebensmittel-Einzelhandel fordert Westermeyer einen fairen Umgang und eine angemessene Bezahlung bei höheren Qualitätsstandards.

„Sind es nicht die Bauernfamilien, die mit ihren seit Generationen geführten, oft Jahrhunderte alten Höfen verantwortungsbewusst und leidenschaftlich für Mensch, Tier und Natur qualitativ hochwertige Lebensmittel erzeugen, unsere Kulturlandschaft und den ländlichen Raum erhalten?“ Wolle die Gesellschaft eine nachhaltige, lokale, sichere Lebensmittelversorgung und höhere Ansprüche an mehr Tierwohl sowie Umweltschutz, so müssten diese vom Handel und vom Verbraucher fair bezahlt werden. Jeder müsse Verantwortung seines Handels übernehmen.

Traurig stimmt Westermeyer, dass das Coronavirus vielen Menschen persönliches und wirtschaftliches Leid in vielen Wirtschaftsbereichen gebracht habe. „2020 hat uns mehr als deutlich gezeigt, wie wichtig Gesundheit ist.“ Er hofft für das kommende Jahr auf ein wenig mehr Normalität und „das wir schnell diese Pandemie überstehen.“

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