Rückblick 2020: Durchbruch fünf Jahre nach dem Auftrag Joachim Gaucks, die Kriegsgefangenen aus dem Erinnerungsschatten zu holen
50 Millionen für die Gedenkstätte Stalag 326

Schloß Holte-Stukenbrock (WB) -

Zum Gedenken an den 70. Jahrestag des Kriegsendes machte Bundespräsident Joachim Gauck 2015 das Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen zu seiner Sache. Er forderte auf dem Ehrenfriedhof sowjetischer Kriegstoter dazu auf, das Gedenken an die zweitgrößte Opfergruppe des Zweiten Weltkriegs (nach den Juden) aus dem Erinnerungsschatten zu holen. Drei Millionen Kriegsgefangene starben bis Ende des Zweiten Weltkriegs.

Mittwoch, 30.12.2020, 04:37 Uhr aktualisiert: 30.12.2020, 04:40 Uhr
Gedenken an den 75. Jahrestag der Befreiung des Stalag

 

Dieses Auftrags hat sich André Kuper angenommen, der 2017 Leiter einer Steuerungsgruppe wurde, die das Ziel hat, die Gedenkstätte Stalag 326 zu einer von nationaler und internationaler Bedeutung zu entwickeln. Das Jahr 2020 wird als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem der gordische Knoten zerschlagen wurde, Bund und Land für die nächsten fünf Jahre insgesamt fast 50 Millionen Euro aus ihren Haushalten zahlen werden. Kreis und Stadt haben ebenfalls Etats kalkuliert. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat bei der Planung der neuen Gedenkstätte den Hut auf. Der LWL hat ein westfalenweites Kulturnetz aufgebaut. Zu diesem zählen 18 Museen und zwei Besucherzentren, sechs wissenschaftliche Kommissionen zur landeskundlichen Forschung und spezifische Kulturdienste. Ziel ist es, das kulturelle Erbe Westfalen-Lippes zu bewahren, zu erforschen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Unter der Leitung des LWL ist die Machbarkeitsstudie des Ateliers Brückner aus Stuttgart entstanden, die Kulturdezernentin Barbara Rüschoff-Parzinger Anfang September im Rat der Stadt vorstellt. Die Studie sieht vor, das Gelände der Gedenkstätte von dem des Landesamts für Ausbildung und Personalwesen der Polizei in NRW (Polizeischule in Stukenbrock-Senne) zu trennen, ein neues Besucherzentrum zu bauen, die aus der Stalag-Zeit erhaltenen Gebäude einzubeziehen (Arrestgebäude und Entlausung), Unsichtbares mit modernen Medien sichtbar zu machen. Forschung, Gedenken, Arbeit mit Jugendlichen und die Betreuung Angehöriger soll die Gedenkstätte wie bisher leisten, allerdings in größerem Maßstab. Ziel sind 200.000 Besucher im Jahr (bisher 3000). Das sind so viele, wie sie die Gedenkstätte Bergen-Belsen in Niedersachsen hat. Der Geschäftsführer der Gedenkstätte Stalag 326, Oliver Nickel, hebt hervor, was das Gelände hier auszeichnet: der Originalbestand an Gebäuden, die Lagerstraße steht auch unter Denkmalschutz, das komplette Gelände ist ein Bodendenkmal.

André Kuper weist auf die geschichtete Geschichte des Geländes hin. An gleicher Stelle finden sich Krieg und Kriegsfolgen. Von 1941 bis 1945 war es Standort des Kriegsgefangenenlagers (Stammlager 326), von 1945 bis 1947 haben die Siegermächte hier NS-Offiziere interniert. Von 1947 bis 1971 hat das Sozialwerk unter Beteiligung verschiedener Wohlfahrtsverbände Vertriebene aus den Ostgebieten, Alte und Kranke und Jugendliche aufgenommen. Später kamen Spätaussiedler dazu.

Parallel wurde das Gelände der Polizei NRW übergeben. Zuerst war hier die Bereitschaftspolizei stationiert, später wurde die Polizeischule aufgebaut. Heute ist das LAFP für die Praxisausbildung angehender Polizisten zuständig. 2014 wurden in der Polizeischule 500 Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen, 2015 auf einer Brachfläche des Geländes die Zeltstadt als Zentrale Unterbringung für 1000 Flüchtlinge gebaut, die ein Jahr lang belegt war.

Die Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrestag der Befreiung wird wegen der Corona-Bschränkungen von Anfang April auf den 8. Oktober verschoben. Ministerpräsident Armin Laschet hält die Gedenkrede. Das ist ein wichtiges Zeichen für die anstehenden Entscheidungen: Ende November bewilligt der Bundestag nach positiver Empfehlung der Bundesgedenkstättenkommission und der Kulturstaatsministerin Monika Grütters, 25 Millionen Euro bis 2025 aus dem Kulturetat des Bundeskanzleramts. Mitte Dezember stimmt der Landtag NRW einer Co-Finanzierung in gleicher Höhe zu.

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