Versuch: Bokelfenner Straße soll zwei Monate gesperrt werden, um zu schauen, wohin Autofahrer ausweichen
„Das gibt Mord und Totschlag“

Schloß Holte-Stukenbrock (WB) -

Warum bloß will man diesen Verkehrsversuch machen? Schon im Vorfeld gab es „aus den E-Mails und Briefen wenig Positives“. Das hat Werner Thorwesten, Leiter des Fachbereichs Wirtschaft und Stadtentwicklung, im Wirtschafts-, Stadtentwicklungs- und Quartiersentwicklungsausschuss gesagt. Aber auch: „Wir haben Beschwerden über die unerträgliche Verkehrssituation um 17 Uhr nachmittags. Und dann haben wir das haarsträubende Geländer vor der Tor-Deele und Anträge, die das Ziel haben, den Bereich zu verschönern.“

Mittwoch, 09.12.2020, 18:56 Uhr
Die Autofahrer, die aus der Holter Straße in die Hauptstraße oder geradeaus in die Bokelfenner Straße wollen, stehen in der Rushhour nachmittags lange vor der Ampel Foto: Monika Schönfeld

 

Wie berichtet, will die Stadt in einem Verkehrsversuch das Teilstück der Bokelfenner Straße von der Kreuzung mit der Hauptstraße bis zur Einfahrt zum REWE-Parkplatz in beide Richtungen sperren. Vorteil: Von der Holter Straße können Autofahrer schneller nach links abbiegen, weil es nur Radfahrer geben wird, die ihnen entgegen kommen. Aus der Holter Straße biegen zur Rushhour 200 Fahrzeuge pro Stunde nach links ab, 100 fahren geradeaus. Das Problem liegt auf der Hand: Vermutlich werden die Fahrer aus der Ottenheide-Siedlung um die Kirche herum fahren und von dort auf die Hauptstraße abbiegen, oder sie fahren auf der anderen Seite über den Alten Markt auf die Hauptstraße. In beiden Fällen ist das sichere Linksabbiegen in der Rushhour fast unmöglich. Die Situation an der Einmündung der Flugplatzstraße im weiteren Verlauf beweist das täglich. Die Hauptstraße wird täglich von bis zu 16.000 Fahrzeugen genutzt.

Ralf Düspohl, Planer des Verkehrsbüros Röver, betont, dass der Verkehrsversuch keine Lösung sei, sondern die weitestgehende Maßnahme um festzustellen, wie sich die Verkehrsteilnehmer verhalten werden. Der Versuch, so wurde bei Gegenstimme von Michael Brechmann (CDU) beschlossen, soll im Frühjahr zu einer Zeit, in der es keinen Corona-Lockdown gibt, für zunächst zwei Monate angeordnet werden.

„Würden Sie das empfehlen oder würden Sie sagen, das ist großer Mist? Am ersten Tag gibt es Mord und Totschlag. Das ist kriminell und ausgemachter Schwachsinn.“ Michael Brechmann (CDU) ist nicht bereit, diesen Versuch mitzutragen. „Ich kann Ihnen an wenigen Stellen widersprechen“, sagte Ralf Düs­pohl zu zu ihm. Dennoch vertritt er den extremen Weg. Nur mit dem lassen sich zuverlässige Zahlen ermitteln, wohin sich die Autofahrer orientieren. Gleichzeitig erhalte man mehr Fläche für Fußgänger und Radfahrer auf dem gesperrten Teilstück der Bokelfenner Straße an der Tor-Deele. Das könne die Stadt im Idealfall zu einem Platz mit Aufenthaltsqualität entwickeln.

Die Kommentare der Ausschussmitglieder sind deutlich. „Verkehr verlagern heißt Verkehr verlagern“, sagt Thorsten Baumgart (FDP). „Das wird Widerstände hervorrufen“, weiß Bruno Reinke (Grüne). „Das Chaos wartet an der nächsten Kreuzung“, meint Martin Kalkreuter (SPD). „Ich fühle mich wie der Sklave eines Konzepts. Ich versuche, das neutral zu sehen, obwohl ich mir dort beim Linksabbiegen schon mal mein Auto kaputt gefahren habe“, sagt Astrid Zellermann (CDU). „Es kann doch nicht gewollt sein, dass der Verkehr durch die Wohngebiete geleitet wird.“

„Sie haben ja alle Recht“, sagt Düspohl. „Ist es so oder ist es nur so ein Gefühl? Vielleicht gibt es Effekte, die wir noch nicht kennen.“

Ob es denn nicht reiche, die Ampelschaltung zu optimieren, wollte Thorsten Baumgart wissen, erhielt aber die erwartete Antwort. Der Spielraum dort ist ausgereizt.

 

Ein Kommentar von Monika Schönfeld

Allein Reinhard Tölke (Grüne) warb für den Verkehrsversuch. „Es ist charmant, mal den weitestgehenden Versuch zu wagen. Als alleinige Lösung ist das natürlich Quatsch. Aber es geht ja erst mal um die Zahlen und die Wirkung. Es ist schwierig. Wir warten ja darauf, dass der Versuch scheitert. Die aktuelle Situation ist aber nicht gottgewollt.“

Die Kommentare zu diesem Verkehrsversuch aus der Bürgerschaft sind deutlich. Dass es „Mord und Totschlag“ geben wird, ist zwar leicht übertrieben, aber wütende Autofahrer wird es garantiert geben. Und die sind gefährlich, wenn sie die Geduld verlieren und riskante Manöver betreiben.

Die Situation an diesem Knotenpunkt in Stukenbrock ist nervtötend für die Autofahrer, die aus der Holter Straße kommen. Sie zu befrieden, ist erstrebenswert. Im Versuch wird man die Autofahrer, die aus Richtung Ottenheide kommen, vor vermutlich unlösbare Problem stellen. Eine weitere Ampel an der anderen Kirchenseite ist unmöglich, das Linksabbiegen wird nur nachts funktionieren, wenn sonst niemand auf der Straße ist. Genau wie am Alten Markt.

Also warum das Ganze? Kann eine Simulation die Verkehrsströme nicht genauso gut darstellen? Oder werden Argumente für den Verschwenk durchs Ölbachtal gesucht?

 

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