Grundrecht auf Religionsausübung in Corona-Zeiten
Stadt setzt auf das Gespräch

Schloß Holte-Stukenbrock WB -

„Die machen, was sie wollen.“

Donnerstag, 03.12.2020, 17:56 Uhr
Beigeordneter Olaf Junker regt an, intensive Gespräche mit der Baptistengemeinde zu führen. Foto: Monika Schönfeld

Angesichts voller Parkplätze zur Gottesdienstzeit am Sonntag fragen sich einige, ob für Religionsgemeinschaften die Corona-Schutzverordnung nicht gilt. „Wir waren in allen Kirchen und Bethäusern“, sagt der Leiter des Fachbereichs Bürgerservice und Ordnung, Egon Henkenjohann.

Bei einer Baptistengemeinde hat die Stadt unangekündigt kontrolliert, „weil wir den Eindruck hatten, das da zu viele Leute im Gottesdienst sind. Meistens sind unsere Eindrücke nicht ganz falsch“, sagt Henkenjohann. Mit der Gemeinde sollen intensive Gespräche geführt werden, sagt Beigeordneter Olaf Junker. Auf ein Ordnungsgeld habe die Stadt in diesem Fall verzichtet, um die Gesprächsbereitschaft zu erhalten. Die Kontrolle war vor dem Teil-Lockdown, der zum 1. November in Kraft getreten ist.

Die Häuser der Freikirchen sind in der Regel sehr groß und haben neben dem Saal einen Gemeinschaftsraum oder Speisesaal und große Besprechungsräume, sodass die Gottesdienstbesucher verteilt werden. Der Gottesdienst wird in andere Räume übertragen, dadurch sind nicht alle in einem Raum, die Abstände können eingehalten werden. Die Kirchen sind sehr gut besucht, sodass diese Gemeinschaften dadurch Aufmerksamkeit erregen.

Religionsgemeinschaften werden von den Ordnungsbehörden sensibel behandelt. „Es gibt das grundgesetzlich verankerte Recht auf freie Religionsausübung. Wie das Recht der Versammlungsfreiheit gezeigt hat, ist es immer ein schmaler Grat, wenn man hier Einschränkungen durchsetzen will“, sagt Junker. Deshalb gebe es in den Corona-Schutzverordnungen, die die Städte und Gemeinden durchsetzen müssen, keine Bestimmungen. Die Religionsgemeinschaften sollten sich an der aktuell gültigen Verordnung orientieren. Das ist keine konkrete Anordnung, sondern überlässt viel dem guten Willen. „Erstellt eine Kirchengemeinde ein Hygiene-Konzept, tritt das an die Stelle der Verordnung. Erstellt sie kein Konzept, fällt auch die Religionsgemeinschaft unter die Corona-Schutzverordnung“, interpretiert Junker die rechtliche Lage. „Wir haben ein gutes Verhältnis zu allen, zu den evangelischen und katholischen Kirchengemeinden, zur Moschee, zur Freikirchlichen Gemeinde, zu den Mennoniten und den Evangeliums-Christen an der Mergelheide. Intensive Gespräche möchten wir noch mit der Baptistengemeinde führen.“

Es liege im Interesse jeder Kirchengemeinde, dass ihre Gottesdienste nicht als Virenschleuder oder Hotspot gebrandmarkt werden. Die katholischen Kirchengemeinden folgen den Empfehlungen des Erzbistums Paderborn, die evangelischen orientieren sich an Empfehlungen der Landeskirche. „Wir haben schärfere Vorgaben als die staatlichen, halten uns an die landeskirchlichen Empfehlungen bis auf eine Ausnahme. In der Friedenskirche nutzen wir die Orgelempore. Dort singen vier Chormitglieder. Sie stehen soweit hinten und auseinander, dass eine Virenübertragung ausgeschlossen ist“, sagt der evangelische Pfarrer Reinhard E. Bogdan. Abstandsregeln, Mund-Nasen-Schutz und das Singeverbot der Gottesdienstbesucher werden eingehalten. „In letzter Verantwortung stehen wir Pfarrer. Der liebe Gott entscheidet nicht, ob ich krank werde. Der liebe Gott hat mir ein Gehirn geschenkt, damit ich mit Krisensituationen verantwortungsbewusst umgehen kann.“

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