Caritas-Seniorencentrum St. Johannes: Leiter Bernd Zilger rechnet erst Ende 2021 mit Ende der Corona-Pandemie
Warten auf die Schnelltests

Schloß Holte-Stukenbrock -

Bernd Zilger, Leiter des Caritas-Seniorencentrums St. Johannes, rechnet damit, dass die Corona-Pandemie bis Ende nächsten Jahres andauern wird. „Ich glaube, dass es eine Durchseuchung der Bevölkerung geben wird. Auch Seniorenheime werden nicht verschont bleiben. Das lässt sich ebenso wenig verhindern wie an Schulen. Wir haben 121 Bewohner, Mieter in 18 Wohnungen, 125 Mitarbeiter auf 84 Vollzeitstellen, 15 Tagespflegeplätze. Dazu kommen die Angehörigen. Es lässt sich gar nicht vermeiden, dass es irgendwann Coronafälle auch bei uns geben wird.“

Donnerstag, 05.11.2020, 17:24 Uhr aktualisiert: 05.11.2020, 17:28 Uhr
Der Leiter des Caritas-Seniorencentrums St. Johannes, Bernd Zilger, und Pflegedienstleiterin Pia Pieper im Eingangsbereich an der Hygienestation beim Fiebermessen. Foto: Monika Schönfeld

Zu Beginn der Pandemie war eine Bewohnerin schon infiziert. Ohne Symptome. Sie hat die Quarantäne gut überstanden, versorgt wurde sie vom Personal im Schutzanzug.

Hygienemaßnahmen gehören zum Berufsbild in der Pflege. Das umzusetzen ist für Bernd Zilger und sein Team selbstverständlich. Was ihn ärgert ist, dass er sich fast ausschließlich mit der Umsetzung neuer Anweisungen aus der Politik beschäftigen muss. „Die Praxis wird nicht einbezogen. Gefragt wird nicht, was leistbar ist.“ Ein Beispiel sei die Anweisung, dass Seniorenheime Besucher einem Schnelltest unterziehen sollen. „Ich habe 2000 Tests bestellt. Die sind aber noch nicht da. Also: Welche Tests, mit welchem Personal, in welchen Räumen?“ Es sei ausgeschlossen, dass für solche Test, die pro Person mindesten 20 Minuten dauern, Pflegepersonal abgezogen wird. „Die Tests, die ich bestellt habe, sind nur für Bewohner und Mitarbeiter. Es ist wichtig, dass die Mitarbeiter gesund bleiben. Wer soll sonst die Bewohner pflegen und versorgen?“

Zilger wünscht sich, dass der Bundestag mit in die Entscheidungen einbezogen wir. „Ein bisschen mehr Diskussion über die Maßnahmen wäre notwendig.“

Zu Beginn der Pandemie hat das Caritas-Seniorencentrum St. Johannes ein Besucherfenster eingerichtet. „Die Bewohner haben Postkarten aus dem Altenheim an ihre Angehörigen geschickt.“ Auch im März durften Angehörige ins Haus, wenn sich der Gesundheitszustand des zu Pflegenden verschlechtert hat, oder um Palliativpatienten zu besuchen. Etwas Positives habe die Zeit auch gehabt: „Einige Bewohner haben Skypen gelernt. Die Telekom hat uns dafür fünf Smartphones geschenkt.“

Zurzeit sei die Besuchszeit eingeschränkt, den Angehörigen wird ein Zeitfenster angeboten. Sie werden gebeten, die Besuche einzuschränken – auf freiwilliger Basis. „Die meisten halten sich daran. Es ist inzwischen bekannt, wie ernst die Lage ist.“ Den Bewohnern gehe es gut, die anfangs befürchteten Depressionen sind ausgeblieben. Für Abwechslung ist auch ohne die ständige Anwesenheit der Angehörigen gesorgt. „Was viele als positiv empfinden ist, dass wir das Restaurant wieder geöffnet haben. Immerhin können hier noch 20 Bewohner auf Abstand gemeinsam frühstücken oder zu Mittag essen. Nur das Café ist leider geschlossen, so dass man sich nicht mit Angehörigen auf ein Stück Kuchen dort aufhalten kann.“

Alle Feiern sind bis Ende des Jahres abgesagt. Es gibt aber nach wie vor Gottesdienste in der Kapelle. Am Donnerstag, 17. Dezember, wird der Posaunenchor im Lichthof spielen. „Wir machen die Weihnachtszeit unseren Bewohnern so gemütlich wie möglich.“

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