Elmar Brok zu Gast beim Aufstellen der Stele, wo früher Broks Mühle stand
Nachbarjungs erzählen alte Geschichten

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Es war fast wie ein Treffen der Nachbarjungs von damals. „Wir haben hier im Wald Räuber und Gendarm gespielt“, sagt Ortsheimatpfleger Günter Potthoff. „Und Indianer“, sagt Elmar Brok , bis 2019 Mitglied des Europäischen Parlaments. Hinter seinem Elternhaus an der Holter Straße, die früher Rosenstraße hieß, haben die Ortsgemeinschaft Schloß Holte und die Archivgruppe des Fördervereins Industriemuseum am Mittwoch die achte von neun Stelen aufgestellt, die auf die Geschichte der Stadt anhand noch vorhandener oder inzwischen vergangener Gebäude hinweisen.

Mittwoch, 07.10.2020, 19:30 Uhr
„Da hat Ferdi Lakämper gewohnt“, zeigt Elmar Brok auf das Foto, das auf der Stele zu sehen ist. Mit dem Vorsitzenden der Ortsgemeinschaft, Wolfgang Gerbig, und Friedrich Dransfeld von der Archivgruppe des Fördervereins Industriemuseum (von links), tauscht er Geschichten aus. Foto: Monika Schönfeld

Elmar Brok hat in der Zeitung gelesen, dass die Stele zu Broks Mühle demnächst montiert würde. „Ich saß mit Hans Hano und anderen beim Kaffeetrinken und sagte, Friedel soll mir Bescheid geben, wenn es soweit ist. Ich wäre gern dabei. Das geht an die alte Seele“, berichtet Elmar Brok (74).

Elmar Broks Vater führte den Sägemühlenbetrieb bis August 1958

Der eigentliche Name ist Sägemühle Tenge an den Sammelteichen. Woldemar Tenge-Rietberg hat 1914 die Mühle an Josef Brok aus Stukenbrock verpachtet. Sein Sohn Ferdinand, Elmar Broks Vater, führte den Sägemühlenbetrieb bis August 1958. „Der war dann nicht mehr wettbewerbsfähig. Mein Vater hat es aufgeben“, sagt Elmar Brok. Kurz sei die Sägemühle noch weiterverpachtet gewesen, dann wurde der Betrieb eingestellt. Bis 1977 war sie Unterstellplatz für Straßenbaumaschinen. 1983 ließ Carl Friedrich Tenge-Rietberg das Sägemühlengebäude abreißen, den Betriebswasserabzug verfüllen und das Gelände als Gartenland umwandeln. Tenge-Rietberg ließ das moderne Sägewerk auf der anderen Straßenseite bauen, das heute noch in Betrieb ist.

Mit Hund an der Leine im Teich gelandet

Nur wenn dicke Stämme gesägt werden mussten, wurde Wasser als zusätzliche Kraft zugeführt, ansonsten wurde mit Dampf gearbeitet. „Viele wissen gar nicht, dass es den kleinen und den großen Sammelteich gab“, sagt Elmar Brok, dem das Wasserrauschen am Tag und in der Nacht noch im Ohr ist. An den kleinen Sammelteich hat Elmar Brok eine prägende Erinnerung. „Ich war mit Fritzi, einem schwarz-weißen Mischlingshund von Heinz Santanius, des Mittelstürmers des VfB, unterwegs. Ich hatte den Hund am Band und bin dann abgerutscht. Die Leine habe ich nicht losgelassen, der Hund bellte und bellte bis mein Vater kam und mich aus dem Teich zog. Ansonsten wäre ich darin ertrunken.“

Abriss: der Zeitgeist der 60er-Jahre

Kurz vor seinem 70. Geburtstag hatte Elmar Brok mit dem WESTFALEN-BLATT sein Elternhaus besucht. „Das Haus ist hervorragend restauriert. Es ist viel kleiner, als ich es in Erinnerung hatte. Das Treppengeländer existiert noch.“ Brok meint, das hätte man mit allen alten Fachwerkhäusern an der früheren Rosenstraße so machen sollen. „Aber es war der Zeitgeist der 60er-Jahre, alles abzureißen. Man hatte kein Gefühl dafür, dass man etwas Wertvolles besitzt.“

Bild mit Kusine Luzie

Günter Potthoff hat Elmar Brok ein Bild aus dem Jahr 1947 überreicht. Da sitzt der einjährige Brok mit seiner Kusine Luzie, die er Tante nannte, weil sie so viel älter war – an dem alten Mühlenteich, in dem er später beinahe ertrunken wäre. Brok berichtet von seinem Nachbarn, dem evangelischen Pfarrer Oswald Fellgiebel, der später an den Gartenweg zog. Für den hat er im Herbst Blätter zerkleinert, damit Fellgiebel Tabak für seine Pfeife hatte. „Ob er die Blätter geraucht hat, weiß ich gar nicht mehr.“

Mitbegründer des christlichen Bildungswerkes

Die Familie Brok erstreckt sich auf drei Dörfer, grinst Brok: Stukenbrock, Schloß Holte und Sende. Seine Mutter Anna stammt aus der Landbäckerei Voßhenrich. Sie lernte seinen Vater beim Feuerwehrfest in Schloß Holte kennen und heiratete ihn 1934. Seine Bildungsdefizite, so erzählt Brok, kommen daher, dass er für seinen Lehrer immer Besorgungen habe machen müssen. „Von wegen Bildungsdefizite. 1966/67 haben Elmar Brok und ich das christliche Bildungswerk gegründet, aus dem vier Jahre später die Volkshochschule wurde. Manfred Büngener hatte etwas ähnliches in Stukenbrock initiiert. Unsere beiden waren die ersten Volkshochschulen, die sich nach der kommunalen Neugliederung zusammengeschlossen haben“, sagt Friedrich Dransfeld. Als Student sei er völlig neutral gewesen, habe mit Rainer Barzel sogar den Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) in Paderborn gegründet. Während Elmar Brok Karriere in der CDU machte, wandte sich Friedel Dransfeld der SPD zu. Das habe aber nie für böse Worte gesorgt.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7621807?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516080%2F
1000 neue Stellen für Corona-Nachverfolgung in NRW
Armin Laschet (CDU, links) nordrhein-westfälischer Ministerpräsident, und Karl-Josef Laumann (CDU), Gesundheitsminister von Nordrhein-Westfalen, beantworten die Fragen von Journalisten. Foto: Federico Gambarini/dpa
Nachrichten-Ticker