Wie groß wird die Zäsur bei der SPD? Der Wahlsonntag wird die Antwort liefern
Neue Gesichter mit neuen Ideen

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Quasi auf den letzten Drücker hat die SPD doch noch offiziell ihr Wahlprogramm für die Kommunalwahl am kommenden Sonntag, 13. September, vorgestellt. Aus gesundheitlichen Gründen – erst die Ortsvereinsvorsitzende Marion Herzog, jetzt Spitzenkandidat Metin Eser – hatte sich die Präsentation zeitlich verzögert. Das Programm fußt auf fünf Säulen: Sozialgerechtes Leben und Wohnen, Mobilität, Schule und Bildung, Attraktives Leben für junge Menschen sowie Umwelt- und Klimaschutz.

Donnerstag, 10.09.2020, 05:30 Uhr
Der krankgeschriebene Metin Eser ist nur auf einem Plakat dabei, als sich gestern Nachmittag Bjarne Gottschick (von links), Philipp Lampe, Jürgen Mansla, Marion Herzog und Ulrich Sigrist zum Wahlprogramm der SPD für die Kommunalwahl äußern. Foto: Dirk Heidemann

Umgesetzt werden sollen die Ziele mit neuen Gesichtern. Getreu dem Wahlprogramm-Untertitel „Gemeinsam mit Jung und Alt“. Zwei dieser neuen, jungen Gesichter bilden Bjarne Gottschick (22) und Philipp Lampe (34) ab. Letzterer vertrat die SPD bei der Podiumsdiskussion der Bürgermeisterkandidaten des Jugendparlaments Ende August. Bekanntlich stellt die SPD keinen eigenen Kandidaten für dieses Amt. „Da habe ich Lehrgeld bezahlt. Aber ich hoffe, die Wähler werden uns diesen Bonus geben. Die SPD hat in dieser Stadt immer viele, wichtige Beiträge geliefert und wird dies auch in Zukunft tun“, sagt Philipp Lampe, der in den Bereichen Familien-, Sozial- und Wirtschaftspolitik Akzente setzen will.

Die Grünen sagen immer nur, was sie nicht gut finden, doch es fehlt an der Umsetzung. Die SPD ist realpolitischer.

Bjarne Gottschick

Für Bjarne Gottschick steht die Digitalisierung ganz oben auf der Agenda, „und zwar generell, nicht nur im Bildungswesen“. Der Auszubildende zum Heilerziehungspfleger ist nach eigener Aussage durch den Rechtsruck der AfD sowie die Fridays-for-Future-Bewegung zur Politik gekommen. „Die Grünen sagen immer nur, was sie nicht gut finden, doch es fehlt an der Umsetzung. Die SPD ist realpolitischer“, findet Gottschalk, der sich zudem für ein besseres Jugendangebot sowie den Klimaschutz einsetzt.

Es nützt nichts, wenn jeder Schüler ein Tablet bekommt. Er muss auch die Funkdaten empfangen können.

Ulrich Sigrist

„Der Klimanotstand ist ja auch nicht weg“, pflichtet ihm mit Ulrich Sigrist ein Vertreter der Älteren in der SPD bei. Der 59-Jährige fordert freies WLAN in ganz Schloß Holte-Stukenbrock. „Jeder Schüler muss die gleichen Bildungschancen haben. Da nützt es nichts, wenn jeder ein Tablet bekommt. Er muss auch die Funkdaten empfangen können“, so Sigrist. Ebenfalls neu in der SPD dabei, aber bereits mit der Erfahrung von 64 Lebensjahren gesegnet, ist Jürgen Mansla. Als sachkundiger Bürger hat er bereits in die Politik „hineingeschnuppert“, jetzt will der Rentner ganz aktiv mitgestalten.

Von sechs Ratsmitgliedern scheiden fünf aus

„Zukunft braucht Ideen. Und wir wollen versuchen, vieles zu erreichen“, sagt Marion Herzog, die sich längst aus der vordersten Reihe verabschiedet hatte, durch die Erkrankung von Metin Eser aber „zur Stellvertreterin meines Stellvertreters“ geworden ist. Die 58-Jährige wünscht sich, dass die SPD ihre sechs Sitze im Rat behalten kann, hält dies aber auch aufgrund der Entwicklungen auf bundespolitischer Ebene für nicht realistisch. Einen personellen Umbruch wird es ohnehin geben, denn von den jetzigen sechs Ratsmitgliedern scheiden neben Marion Herzog vier weitere aus: Manfred Herzog, Aloysius Hasken, Bodo Sachse und Bruno Schmidt. Übrig bleibt nur noch Metin Eser. Am Sonntag wird sich entscheiden, wie groß die Zäsur bei der SPD tatsächlich werden wird.

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