Archivgruppe und Ortsgemeinschaft Schloß Holte haben Ideen
Historisches auf neun Stelen

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Ohne mit der Nase darauf gestoßen zu werden, nimmt man historische Orte gar nicht mehr wahr – egal ob als Radtourist, Besucher oder Einheimischer. Wer weiß schon, dass auf dem heutigen Holter Kirchplatz mal die Eisenfabrik Stölting stand, oder dass der Pollhanshof mal wichtig für den Pollhansmarkt war. Der letzte Zeuge, der Gasthof Pollhans Brei, ist auch schon seit Jahren abgerissen.

Donnerstag, 10.09.2020, 06:00 Uhr
Die Archivgruppe und die Ortsgemeinschaft Schloß Holte an der ersten Info-Stele, die an der St.-Ursula-Kirche enthüllt worden ist: (von links) Ulla Lehmann, Manfred Schellert, Günter Potthoff, Friedrich Dransfeld, Marita Knoke-Seydel, Erna Dransfeld, Wolfgang Gerbig, Ferdi Müller, Friedrich Frisch (TGK), Hartmut Preuß und Martina Zerwer (TGK). Foto: Monika Schönfeld

An historisch markanten Punkten – zunächst in Schloß Holte – stehen jetzt Edelstahlstelen, die mit einer Glastafel bestückt sind, die Text und Fotos enthalten, die einen kurzen Abriss zur Geschichte des Ortes gegeben. In einjähriger Arbeit haben die Archivgruppe des Fördervereins Industriemuseum und die Ortsgemeinschaft Schloß Holte daran gearbeitet. Die ersten drei Stelen wurden am Mittwoch aufgestellt, in den nächsten Tagen folgen die anderen sechs.

Wie die Alltagsmenschen sind die Stelen eine Bereicherung für die Stadt.

Friedrich Dransfeld

„Wie die Alltagsmenschen sind die Stelen eine Bereicherung für die Stadt“, sagt Friedrich Dransfeld, Vorsitzender der Archivgruppe, der gemeinsam mit seinem Team und dem der Ortsgemeinschaft Schloß Holte unter dem Vorsitz von Wolfgang Gerbig die Idee entwickelt und verwirklicht hat. So stehen die Stelen dort, wo Geschichte noch sichtbar ist, aber auch dort, wo mal etwas war. „So können wir auch den Wandel des Stadtbilds zeigen.“

Ein großer Vorteil sei, dass es jede Menge historisches Material gebe: Rudolf Gürtlers Heimatbuch „Mitte der Senne“, die vier umfangreichen Bild- und Text-Dokumentationen Günter Potthoffs, seine zahlreichen Beiträge im Anzeiger und in den Kreisjahrbüchern, die Veröffentlichungen zur Kirchengeschichte St. Ursula und Peter Hagenkordts Veröffentlichungen zu Pollhans.

Weitere Infos über QR-Code

Die Archivgruppe konnte also aus dem Vollen schöpfen. Gerade das machte es aber auch arbeitsintensiv. Textgestaltung, Bildauswahl, Entwicklung eines ansprechenden Designs. Weil auf eine teure Agentur verzichtet werden sollte, liegt das Copyright bei der Archivgruppe. Es wurde experimentiert bis sich die Gruppe auf ein Format von 600 mal 350 Millimeter, zwei Textspalten und Fotos festlegte. Über einen QR-Code an jeder Stele gelangt der Besucher per Handy zu weiteren Informationen.

Die Finanzierung war über zwei Heimatschecks in Höhe von jeweils 2000 Euro und Spenden gesichert. Pro Stele muss man mit 800 Euro rechnen. Die beiden Gruppen haben noch Ideen für weitere Standorte, Sponsoren sind künftig also weiter gern gesehen.

Robust gegen Wind und Wetter

Die Stele sollte ästhetisch, robust gegen Wind und Wetter und mutwillige Zerstörung sein. Nach Möglichkeit dürfen Schrift und Fotos nicht ausbleichen. Ferdi Müller, der Techniker in der Ortsgemeinschaft, hat sich mit Bernhard Liemke aus Schloß Holte-Stukenbrock zusammengesetzt und in dessen Hövelhofer Betrieb die Edelstahlsäule entwickelt. Das heimische Unternehmen TGK war für die Glasplatte zuständig, die der Informationsträger ist. TGK-Geschäftsführer Friedrich Frisch und Martina Zerwer haben Text und Fotos auf Glas gedruckt, zwischen zwei Glasschichten gepresst, geschliffen und versiegelt. Das Glas ist kratzfest, mit einem UV-Schutz versehen, matt und erzeugt damit keine Spiegelungen. Die Verknüpfung mit einem QR-Code hat Dr. Silke Springensguth gemacht.

Neun Standorte

Weiterer „Mitspieler“ sei die Stadtverwaltung gewesen. Stadtmarketing-Beauftragte Imke Heid­otting hat ihr Okay gegeben, über Manfred Bonensteffen, Leiter des Fachbereichs Tiefbau und Umwelt, und Bauhofleiter Andreas Elbracht wurden die Punkte für die Bodenverankerung festgelegt. Sieben Standorte sind auf städtischem Grund, zwei auf privatem (Pollhanshof, Alter Friedhof der Evangelischen Kirchengemeinde). Eigentlich sollten die Stelen bei einem Abendmarkt eingeweiht werden, Corona machte aber einen Strich durch die Idee.

Wolfgang Gerbig berichtet, dass sich die Ortsgemeinschaften seit einem halben Jahr austauschen. Die Idee der Stelen kommt auch in den anderen Ortsteilen gut an. „Wir würden uns über ein stadteinheitliches Design freuen. Technische Hilfe können wir leisten“, sagt Friedrich Dransfeld. 

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