Gedenkstätte Stalag 326: Antrag zum Ausbau am Dienstag gestellt
Es gibt keinen Plan B

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Ambitioniert, aber durchaus realistisch, weil es alle wollen: Die Kulturdezernentin des Landschaftsverbandes, Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, terminiert die Eröffnung der Gedenkstätte Stalag 326 auf Ende 2025. Im Rat der Stadt berichtete sie am Dienstag, dass der Antrag mit der Machbarkeitsstudie für eine Gedenkstätte von gesamtstaatlicher Bedeutung just an diesem Tag abgegeben worden sei. „Die NRW-Ministerin für Kultur und Wissenschaft, Isabel Pfeiffer-Poensgen, hat das zu ihrem Thema gemacht.“

Mittwoch, 02.09.2020, 17:47 Uhr aktualisiert: 02.09.2020, 20:52 Uhr
Wo die heutige Pforte zur Polizeischule ist, soll das neue Besucherzentrum entstehen. Da es umfassende archäologische Ausgrabungen, eindrucksvolle Fotos, Filme und eine umfangreiche Datenbank sowie Zeitzeugenberichte gebe, könne dem Besucher auf der „Landkarte“ bereits viel vermittelt werden. Foto: Atelier Brückner
Das Gelände der Gedenkstätte (grau) wird aus dem der Polizeischule herausgelöst. Die bekommt Ersatz.

Das Gelände der Gedenkstätte (grau) wird aus dem der Polizeischule herausgelöst. Die bekommt Ersatz. Foto: Atelier Brückner

Der Rat hat einstimmig die Machbarkeitsstudie zur Kenntnis genommen und die Stadtverwaltung beauftragt, mit dem Land NRW, dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe, dem Kreis Gütersloh und dem Förderverein über ein mögliches Trägerkonstrukt der Gedenkstätte zu verhandeln. Die Entscheidung wird gesondert getroffen.

Die Zahlen sind bereits veröffentlicht worden: Eine Gedenkstätte mit neuem Besucherzentrum (200.000 Besucher pro Jahr) und einem Konzept, das Arrestgebäude, Entlausung, Sozialwerksbaracken und Lagerstraße einbindet, werde 60 Millionen Euro kosten. Wenn alle an einem Strang ziehen, sei die Investitionssumme kein Problem, sagt Rüschoff-Parzinger. Einigen müsse man sich nur, wie die 5,6 Millionen Euro Betriebskosten jährlich und dauerhaft aufzubringen sind. Rüschoff-Parzinger: „Das Freilichtmuseum Detmold ist deutlich teurer.“ Dass sich alle beteiligen, die in der Trägergesellschaft sein werden (voraussichtlich eine Stiftung), ist klar. Unklar ist aber, wie hoch der Anteil der Stadt sein wird. Das wollte Lars Pankoke (CDU) gerne wissen. Rüschoff-Parzinger beruhigte die Stadtpolitiker: „Es wird immer geschaut, was leistbar ist. Es wird niemandem das Genick brechen.“ Sie sagte, dass es bereits Anfragen aus der Wirtschaft gebe, sich zu beteiligen. „Große Teile der Wirtschaft haben durch den Einsatz von Kriegsgefangenen ihre Existenz aufrecht erhalten können. Die Firmen haben zwei Motive, sich einzubringen. Sie wissen, dass sie Schuld auf sich geladen haben. Und sie wollen ein Zeichen gegen Extremismus setzen und sich für die Demokratie stark machen.“

Im Eingangsbereich der Gedenkstätte stellen sich die ersten Fragen.

Im Eingangsbereich der Gedenkstätte stellen sich die ersten Fragen. Foto: Atelier Brückner

Thorsten Baumgart (FDP) sagte, er sei von den Zahlen nicht schockiert. Das Kriegsgefangenenlager sei ein wesentlicher Teil der Stadtgeschichte. Ihm gefalle die Einstellung der Kulturdezernentin unter dem Motto „ganz oder gar nicht“. Allerdings dürfe in Zukunft der Förderverein nicht außen vor bleiben, dem es im Wesentlichen zu verdanken sei, dass das Thema nicht verloren gegangen ist.

Von allen Parteien getragen

Barbara Kammertöns (CDU) fragte nach dem Sozialwerk und nach der Lagerkirche. „Das Sozialwerk spielt eine große und wichtige Rolle. Die Kirche wollen wir aber nicht auf das Gedenkstättengelände translozieren, weil wir die Besucher virtuell an die Originalstandorte führen, und ihnen über Audio und Bildern die Geschichte vermitteln. Wir werden immer wieder fragen: Wie hättest du gehandelt?“ Der Förderverein könne bei der Trägerkonstruktion einer Stiftung nicht einbezogen werden, sei aber unverzichtbar, weil er das Ehrenamt bündele und Geld für Projekte beantrage. „Der Förderverein bekommt einen eigenen Raum in der Gedenkstätte, er wird gewürdigt und gebraucht.“

Einen „Plan B“ gebe es nicht. „Eine Gedenkstätte in kleinen Schritten aufzubauen, würde sich unendlich hinziehen. Ich kann nicht sagen, ob es gelingt. Aber wir setzen alles daran.“

Gerd Müller (CDU) sieht mit einer Gedenkstätte von internationaler Bedeutung einiges auf die Stukenbrock-Senner zukommen in Hinsicht auf Infrastruktur für die Menge der Besucher, Parkplätze, Unterkünfte und Versorgung. „Die Bürger werden mitgenommen“, betont die Kulturdezernentin. „Sobald wir grünes Licht vom ersten Gremium bekommen, gehen wir an die Bürger. Das wird vermutlich Ende des Jahres der Fall sein.“ Dann sei auch die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien, Staatsministerin Monika Grütters, eingebunden, die Fördergelder freigeben müsse.

Klaus Dirks (CDU) betonte, dass die Gedenkstätte von allen Parteien getragen werde. Matthias Altemeier (Bündnis 90/Die Grünen) betonte, dass er es wichtig finde, nach kleinteiligem Streit um Geld in der Vergangenheit die Geschichte nun zu würdigen.

Polizeischule bleibt am Standort erhalten

Bürgermeister Hubert Erichlandwehr berichtete, dass der Lenkungskreis unter der Leitung von André Kuper betont habe, dass die Polizeischule als Nachnutzer des Geländes und als Arbeitgeber erhalten werde müsse. Die Polizeischule bekomme für das Gelände, das für die Gedenkstätte genutzt werde, einen Ausgleich im angrenzendem Gelände. Polizeischule und Gedenkstätte bleiben nah aneinander, weil die Polizei starken Wert auf Ethikunterricht lege, der in der Gedenkstätte anschaulich darstellbar sei. Die Gedenkstätte werde die Zeit des Kriegsgefangenenlagers (1941 bis 1945), das nachfolgende Internierungslager für Nazi-Offiziere (1945 bis 1947), das Sozialwerk (1947 bis 1970), die Nutzung bis heute durch die Polizei und als Flüchtlingsunterkunft 2015/16 thematisieren.

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