Kommunalwahl: Philipp Ashton (36) ist Bürgermeisterkandidat für die Grünen
In den Köpfen angekommen

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Zur Europawahl 2019 kamen Bündnis 90/Die Grünen in Schloß Holte-Stukenbrock auf 22,22 Prozent der Wählerstimmen. „Ob das ein Trend ist, der sich auch auf die Kommunalwahl übertragen lässt, weiß niemand. In Zeiten von Corona ist die Stimmung schwer einzufangen“, sagt Philipp Ashton (36), der als Bürgermeisterkandidat für Bündnis 90/Die Grünen bei der Kommunalwahl am 13. September antritt. Dennoch sei eins sicher: „Durch die drei furchtbar trockenen Sommer in Folge und dem sichtbaren Fichtensterben – Birken und Buchen sind auch gefährdet – ist den Leuten bewusst geworden, dass dort etwas im Gange ist.“ Klimawandel ist kein abstrakter Begriff mehr, sondern etwas, was die Leute erleben.

Mittwoch, 02.09.2020, 06:00 Uhr
Philipp Ashton, Bürgermeisterkandidat der Partei Bündnis 90/Die Grünen, will Klimaschutz zur Chefsache machen. Das bedeutet für ihn, dass die Auswirkungen auf den Klimaschutz bei jeder Entscheidung benannt werden müssen. Foto: Monika Schönfeld

Es ist schon fünf nach zwölf

„Die Frage ist, ist es fünf Minuten vor oder schon nach zwölf“, meint Ashton. Seiner Meinung nach kann es sich Deutschland nicht erlauben, erst 2030/35 aus der Kohle auszusteigen. Klimaschutz sei in der Debatte und zumindest in den Köpfen angekommen. Die Demonstrationen „Fridays for Future“ haben das unterstützt. „Es ist toll, dass sich junge Menschen für ihre Zukunft einsetzen.“

Bündnis 90/Die Grünen haben einen Boom erlebt und in Schloß Holte-Stukenbrock jetzt 21 Mitglieder. „Vier davon sind unter 20 Jahre alt. Ich bin ehrlich: Mit 17 wäre ich nicht in eine Partei eingetreten. Ich finde das aber super und freue mich, dass sie es jetzt tun.“

Kompromisse gehören zur Demokratie

Mit der Organisation der Demos „Fridays for Future“ habe das Jugendparlament auch das Ausrufen des Klimanotstandes gefordert. Mit allen im Rat vertretenen Parteien und Vereinigungen hat sich das Jugendparlament dann auf einen Konsens geeinigt, der das Wort Klimanotstand nicht mehr beinhaltet. Hat die etablierte Politik damit den Jugendprotest vereinnahmt und vielleicht wirkungslos gemacht? „Demokratie lebt davon, Kompromisse zu schließen. Die Frage ist jetzt, wie wir vorankommen. Wir stehen am Anfang. In den Köpfen ist es angekommen, die Umsetzung ist aber der nächste Punkt. Die Auswirkungen der Entscheidungen für das Klima müssen jedes Mal neu bewertet werden.“ Wenn man als Stadtrat den Anliegen des Umweltschutzes mehr Raum geben wolle, könne man den Antrag der Jugendlichen, das Pollhans-Feuerwerk zeitlich zu halbieren, nicht ablehnen. So sei es aber passiert. „Jugendliche brauchen viel Kraft, um ihre Ziele zu erreichen. Die dürfen nicht nur auf dem Papier stehen.“

Manche sehen Bündnis 90/Die Grünen bereits als zweitstärkste Kraft in Schloß Holte-Stukenbrock. „Unser Ziel ist, die absolute Mehrheit der CDU zu verhindern. Je stärker wir Grünen werden, desto besser stehen die Chancen dafür. Wir geben alles. Wir kämpfen um jeden Wähler.“

Wer das Original will, muss die Grünen wählen.

Philipp Ashton

Die anderen Parteien haben grüne Themen für sich entdeckt. „Wer das Original will, muss die Grünen wählen“, sagt Ashton selbstbewusst. „Denn zwei Blühstreifen und drei gepflanzte Bäume machen noch keinen Klimaschutz. Damit ist es nicht getan.“ Also Klimaschutz über alles? „Nein, aber der Klimaschutz muss in allen Bereichen bedacht werden. Wir brauchen weiter eine starke Wirtschaft. Aber wir müssen darauf achten, wer sich ansiedelt und wie diese Unternehmen bauen. Wir sind eine Industriestadt und das soll so bleiben. Wirtschaft und Klimaschutz sind keine Gegensätze. Das zu behaupten, ist völlig albern.“

Heimat traditionell und modern

Neben dem Slogan „Klimaschutz ist Chefsache“ nutzen Bündnis 90/Die Grünen auch den Heimatbegriff. „Heimat ist das, was du daraus machst: Grün“. Philipp Ashton will damit einen Akzent setzen. „Schloß Holte-Stukenbrock wird seit Jahrzehnten die Heimat von Zugezogenen. Die Stadt ist bunt und vielfältig. Das zeigen auch die Alltagsmenschen, die Gruppe von Betonmenschen am Rathaus. Sie symbolisieren mit dem Mann dunkler Hautfarbe, dass wir in der Stadt gut zusammen leben. Der Heimatbegriff kann traditionell, aber auch modern sein.“ Und was bedeutet Heimat für Philipp Ashton? „Für mich ist Heimat das Nachhausekommen, dort zu sein, wo gute Freunde und Familie sind. Der Punkt eben, wo man sich gut aufgehoben fühlt.“

Durch die Corona-Pandemie sei der Klimaschutz nicht so präsent wie vor einem Jahr. „Eine Demo für den Klimaschutz mit 100.000 Menschen geht zurzeit einfach nicht.“ In den Zeiten, als die Kinder zu Hause waren, hätten die Eltern alles gegeben. Neben dem Home-Office auch noch mit den Kindern lernen. „Kinder und Jugendliche sind auf der Strecke geblieben.“ Die Einschätzung teilen auch andere. „Bei der digitalen Ausstattung fängt es an und bei der Unterstützung, bei der Betreuung der Kinder geht es weiter.“

Engagierter und offener Politikstil

Philipp Ashton hält seinen eigenen Politikstil für klimaverantwortlich, zukunftsorientiert, engagiert und offen. „Ich habe Lust, Schloß Holte-Stukenbrock in eine gute Zukunft zu bringen, die andere Schwerpunkte hat. Um das zu erreichen, habe ich ein gutes Team hinter mir.“

Zu den Grünen ist Philipp Ashton durch einen Freund gekommen, der ihm erzählt hat, er arbeite bei dieser Partei mit. „Das war für mich völlig überraschend, hat mich aber ins Grübeln gebracht.“ 2012 ist er dann selbst in die Partei eingetreten, ohne aktiv zu werden. Bei Anfragen der Grünen winkte er ab, weil er „voll mit Ehrenämtern und Arbeit“ sei. Als die Grünen 2014 Kandidaten für die Wahlbezirke brauchten, hat er sich aufstellen lassen, aber auf der Reserveliste ganz hinten.

Partei nimmt Kontakt zum Bürger auf

„Vor dreieinhalb Jahren habe ich die Ehrenämter runtergefahren und habe dann bewusst den Kontakt zur Partei gesucht.“ 2017 wurde er sachkundiger Bürger im Energie- und Umweltausschuss. 2018 trennten die Grünen den Fraktions- vom Ortsverbandsvorsitz und Ashton wurde Vorsitzender des Ortsverbandes, 2019 dann bestätigt. „Wir haben uns als Partei präsenter gezeigt und Kontaktmöglichkeiten wie ‚Auf ein Bier mit den Grünen‘ geschaffen“, sagt Ashton. 2019 rückte er für den ausscheidenden Ludwig Rieke in den Rat nach. „Damit verantwortet man ein breites Themenspektrum. Das Arbeiten ist anders. Es sollte einem bewusst sein, was man entscheidet. Alle wollen das Beste für die Stadt, alle aber mit anderen Schwerpunkten.“

Zur Person

Philipp Ashton ist 1984 in Verl geboren und in Schloß Holte-Stukenbrock aufgewachsen. Der Sender ist zur Elbrachtschule gegangen und hat nach Gymnasium und Realschule die Höhere Handelsschule besucht und eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei Nobilia absolviert, wo er zwei Jahre auch noch gearbeitet hat. „Ich glaube, ich wusste mit 16 noch nicht, was ich werden sollte und habe erst mal eine vernünftige Ausbildung gemacht“, sagt Ashton. Über das Ehrenamt kam er in den sozialen Bereich, war mit 17 im Pfarrgemeinderat, der sich vorgenommen hat, für Jugendliche etwas zu tun. „Es gab den Kindertreff aber wenig für Jugendliche.“ Ab 2001 wurde der Jugendbereich aufgebaut, was 2012 in die Gründung der Katholischen Landjugendbewegung mündete. „Wir sagten uns, wir versuchen es einfach. Ich bin ein Freund davon, es auszuprobieren, nach vorne zu schauen, was wir machen können.“

An der Katholischen Hochschule Paderborn schloss er ein Studium Soziale Arbeit an, das er im Herbst 2011 mit dem Bachelor abschloss. Damit darf er sich als Sozialpädagoge und als Sozialarbeiter bezeichnen.

Ein Trainee beim Erzbistum Paderborn schloss sich an, wo er acht Monate lang bei der Landjugend und in den katholischen Jugendverbänden arbeitet. Als Jugendbildungsreferent war er dann sechseinhalb Jahre bei der Kolpingjugend im Diözesanverband Paderborn tätig. Seit zweieinhalb Jahren arbeitet er in der Diaspora – als Dekanatsreferent für Jugend und Familie im Dekanat Herford/Minden.

Philipp Ashton reist gern, hat am Tegernsee im Urlaub im Juli das Wandern für sich entdeckt, schwimmt im Sommer jeden Morgen im Freibad Verl, fährt Rad, macht gern bei seinen Eltern im großen Gemüsegarten Gartenarbeit und trifft sich gern mit Freunden, Familie und Patenkindern.

 

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