Eigeninitiative: Jäger Robert Witte und Thomas Bremehr setzen Idee in die Tat um
Schilder gegen Wildunfälle

Schloß Holte-Stukenbrock (WB/dh). „Jäger zu sein, bedeutet in erster Linie, viel Verantwortung für die Natur und die Tierwelt zu übernehmen“, sagt Robert Witte. Durch ganz besondere Warnzeichen wollen er und sein Jagdkollege Thomas Bremehr vor Ort die Aufmerksamkeit und das Bewusstsein der dort regelmäßig verkehrenden Autofahrer für die Gefahr von Wildunfällen schärfen, die im Straßenverkehr nicht nur ein unbeschreibliches Leid für das oft schwer verletzte Tier, sondern auch eine erhebliche Gefahr für die Verkehrsteilnehmer darstellen können.

Dienstag, 04.08.2020, 06:00 Uhr
Warnung vor einem möglichen Wildunfall: Robert Witte (links) und Thomas Bremehr haben dieses signalfarbige Schild entwickelt. Foto: WB

Insgesamt gehe es beiden bei ihrem Projekt darum, zu besonders gefährlichen Jahreszeiten und an den bekannten „Hotspots“ die Zahl der für die Verkehrsteilnehmer und das betroffene Wild stets gefährlichen, beziehungsweise tödlichen Unfälle zu senken. Inzwischen sei es so, dass zahlreiche Wohn-, Industrie- und Verkehrsflächen mittlerweile diese Fläche durchziehen würden. Dadurch bedingt sei diese Fläche natürlich nicht mehr für die Jagd geeignet. Dennoch sehen beide ihren Verantwortungsbereich in diesem Bereich noch immer „im Rahmen des Wildtiermanagements und gegebenenfalls auch bei Wildunfällen“, sagt Robert Witte.

Die Anzahl von Wildunfällen einzudämmen, ist unser gemeinsames Ziel.

Robert Witte

„Die Anzahl von Wildunfällen einzudämmen, ist unser gemeinsames Ziel. Deshalb starten wir ab sofort mit einem signalfarbigen Aufsteller WILDUNFALL in unserem Revier einen weiteren Versuch zur Unfallverhütung. Speziell dort, wo es knallt“, sagt Robert Witte. Diese sollen die Autofahrer dann direkt an der Straße, zum Beispiel temporär nach einem einzelnen Unfallereignis, beziehungsweise wochenweise zu den besonderen Stoßzeiten des Wildes, „zum Aufmerken und Nachdenken anregen“. So soll jeder vorbeifahrende Autofahrer zum Nachdenken gebracht werden und sich fragen, „ob er dort, wo bereits ein Unfall war, einmal selbst stehen und in einen vielleicht sogar schweren Unfall verwickelt sein möchte“. Wer also künftig dieses Schild hier an der Straße sieht, der weiß, dass es genau an dieser Stelle „schon mehrfach sehr ernst geworden ist“.

Idee stammt aus Münster

Mitgebracht hat Witte die Idee aus Münster. Dort sind an mehreren markanten Stellen auffällige Schilder aufgestellt, die besonders gefährdete Straßen oder Bereiche, von denen starker Wildwechsel bekannt ist, kennzeichnen. Im Team mit Jagdfreund Thomas Bremehr hat er sie nun in die Tat umgesetzt und zuvor dafür bei den zuständigen Behörden die Genehmigung zum Aufstellen der Sonderschilder eingeholt.

Tiere in der Paarungszeit besonders gefährdet

Wildunfall-Schwerpunkte, die beide in ihrem Revier beobachten, liegen häufig an alten, angestammten Wechseln zwischen Einständen und Äsungsflächen des Wildes. Zudem seien die Bewegungen des hier hauptsächlich betroffenen Rehwildes auch vom biologischen Rhythmus durch das Jahr hinweg, etwa durch die Beanspruchung der besten Einstände für Deckung und Äsung im April und Mai, sowie in der Paarungszeit, aktuell jetzt im Juli und August, abhängig. Bereits in diesen Tagen, der sogenannten Brunftzeit, sei eine zunehmende Bewegung des Wildes noch einmal deutlich spürbar. Schon viele Jahre habe die Jägerschaft zu diesem Thema auf eigene Kosten bereits viele Maßnahmen wie Wildwarnreflektoren an den Leitpfosten, reflektierendes Silberband an Randbäumen, sogenannte „Duftzäune“, oder akustische Melder entwickelt, die auch in dieser Region schon an einigen Stellen Anwendung finden würden.

Wir kennen hier vor Ort die Schwerpunkte der Unfallgefahr und sind daher seit vielen Jahren mit dem Gebiet und der Natur in unserer Heimat eng verwoben.

Robert Witte

„Thomas und ich sind in einem großen Teil des Reviers Schloß Holte II, bei dem es sich insgesamt um eine Fläche von rund 400 Hektar auf dem Stadtgebiet Schloß Holte-Stukenbrock, die sich von der Tenge-Siedlung und dem Gebiet Kaunitzer Straße im Norden, bis über die Kattenheide an die Gemeindegrenze zu Hövelriege im Süden erstreckt, als Jagdausübungsberechtigte für fast alles rund um Wild und Naturschutz zuständig. Wir wohnen genau in diesem Revier, kennen hier vor Ort durch die Erfahrung und Revierkenntnis regelmäßig die Schwerpunkte der Unfallgefahr und sind daher seit vielen Jahren mit dem Gebiet und der Natur hier in unserer Heimat eng verwoben“, so Robert Witte.

Bei Unfall Polizei anrufen

Beide haben das Wild stets genau im Blick und werden eben auch bei Unfällen von der Polizei herbeigerufen, um sich des betroffenen Tieres anzunehmen. Teils verenden die Tiere sofort, oft aber bedarf es einer unverzüglichen Nachsuche mit einem ausgebildeten Hund, um das schwer verletzte Tier zu finden und – tierschutzrechtlich meist notwendig – zu erlösen, um ihm weiteres Leid zu ersparen. „Da verunfalltes Wild nicht in den Lebensmittelkreislauf gelangen darf, sind wir Jäger zudem immer für die Entsorgung zuständig. Und das alles oft spät abends, früh morgens oder zur Nachtzeit“, so Robert Witte.

Achten sie bei ihrem nächsten Besuch in der schönen Natur, dem Wohnzimmer der frei lebenden Tierwelt darauf, beides zu schützen.

Robert Witte

Schlimmer ist es noch, wenn Unfälle durch die Fahrer gar nicht angezeigt werden, die Polizei nicht gerufen wird und erst Tage oder Wochen später das kranke oder verendete Wild gefunden wird. Eine besondere Bitte richten die Jäger deshalb noch an die Bevölkerung. „Achten sie bei ihrem nächsten Besuch in der schönen Natur, dem Wohnzimmer der frei lebenden Tierwelt darauf, beides zu schützen. Es ist das beste Mittel, um Unfälle zu vermeiden und dem Wild seinen Raum in unserer stark genutzten Kulturlandschaft zu erhalten. Denn neben den biologisch verursachten Aktivitäten des Wildes ist ein häufiger Grund, warum die Tiere auf die Straße geraten, die Beunruhigung in den Ruhezonen und natürlichen Einständen. Hier kann jeder etwas tun“.

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