Die Öfen der Holter Hütte: Rundgang mit Ortsheimatpfleger Günter Potthoff (Teil 1)
5000 Mark – aber bitte selbst abbauen

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Zahlreiche Geschichten und Anekdoten verbinden die Öfen aus der Holter Hütte , die im Laufe der Jahre von verschiedensten Personen zusammengetragen worden sind und derzeit im zweiten Foyer des Rathauses ein nicht gerade würdevolles Dasein fristen. Ortsheimatpfleger Günter Potthoff hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Geschichten zu erzählen, aber auch über Hintergründe zu informieren. In loser Folge wird diese Zeitung darüber berichten.

Samstag, 01.08.2020, 06:00 Uhr
Ortsheimatpfleger Günter Potthoff zeigt den Reichskochofen, den er einst auf dem Katharinenmarkt in Delbrück erstanden hat. Kostenpunkt damals: 5000 Mark. Foto: Dirk Heidemann

Den ersten Stopp auf dem Rundgang durch die Sammlung macht Günter Potthoff vor einem Ungetüm, das die Serienbezeichnung „Teutoburg 331“ trägt. „Jugendstil, gebaut um 1910, sehr schöne Ornamente“, fasst der 74-Jährige zusammen: „Leider haben wir ihn aber nicht auf die Waage bekommen. Aber er ist einer der schwersten Öfen gewesen, die wir jemals nach oben transportiert haben. Der Aufzug war dabei eine große Hilfe.“

Teutoburg 331 lässt sich nicht mehr bewegen

Keinen Millimeter lässt sich der Teutoburg heute bewegen und es scheint fast ein kleines Rätsel, wie Günter Potthoff den Ofen „vor zehn oder zwölf Jahren“ von Vlotho aus nach Schloß Holte-Stukenbrock bekommen hat. „Ich hatte damals Besuch von einem kräftigen Mann aus Weißrussland. Es ging rauf auf eine Berghütte, der Weg wurde immer schmaler“, erinnert sich der Ortsheimatpfleger. Der mehrere Zentner schwere Koloss aus empfindlichem Gusseisen durfte auf der Rückfahrt nicht vibrieren, so dass zunächst vier alte Autoreifen auf den Hänger gelegt wurden. Darauf kam dann der Ofen „und dann ging es über die A2 zurück“.

Einen der ersten Öfen, die im Rathaus ausgestellt wurden, hatte der frühere Gemeindedirektor Wilhelm Schlickum gekauft und das Modell „Teutoburg 229“ aufwändig restaurieren, verchromen und emaillieren lassen. „Damit hat eigentlich alles angefangen“ sagt Günter Potthoff.

Reichskochofen für Betuchtere

Nicht minder imposant, wenngleich nicht ganz so schwer wie die Teutoburger, sind die bis zu 1,90 Meter hohen Reichskochöfen. Sie verfügten über unterschiedlichste Ausstattungsmerkmale. „Die konnte sich nicht jeder leisten, das war eher etwas für Betuchtere“, erzählt Günter Potthoff. Ein Exemplar im Rathaus zeigt auf den zwei großen Türen am Ofen im Profil Kaiser Wilhelm II, von 1888 bis 1918 letzter Deutscher Kaiser und König von Preußen, sowie seine Gattin Auguste Viktoria, Prinzessin von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg. „Den hat unser Bürgermeister Hubert Erichlandwehr im Internet gefunden“, verrät Günter Potthoff über den stattlichen Ofen, der multifunktional war und auch die Wohnstube wärmte.

Der Rundgang endet vor einem Reichskochofen, den der Ortsheimatpfleger einst auf dem Katharinenmarkt in Delbrück erstanden hatte. Beim Bummel über die Wirtschaftsschau entdeckte Günter Potthoff bei einem Händler, der moderne Kachelöfen verkaufte, das Exemplar, das als Schaustück ausgestellt war.

Auf mein Angebot, dass die Stadt Schloß Holte-Stukenbrock den Ofen gerne erwerben würde bekam ich als Antwort ein klares Nein.

Günter Potthoff

„Auf mein Angebot, dass die Stadt Schloß Holte-Stukenbrock den Ofen gerne erwerben würde bekam ich als Antwort ein klares Nein. Den gebe er nicht her, sagte der Händler“, so Günter Potthoff. Einen Preis nannte er dennoch: 5000 Mark. Da Potthoff bei dieser Summe offenbar nicht zusammenzuckte, überlegte es sich der Händler noch einmal – und der Deal kam doch zustande. „Ich habe den Ofen dann auf dem Markt demontiert und die an die 100 Einzelteile nach Schloß Holte-Stukenbrock gebracht“, erzählt Günter Potthoff.

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