Neun Autoren beleuchten auf 164 Seiten die Geschichte des Sozialwerks Stukenbrock
„Wir stehen erst am Anfang“

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Die Geschichte des Sozialwerks Stukenbrock auf dem Gelände der Polizeischule in Stukenbrock-Senne galt lange Zeit als unerforscht. Jetzt haben Wolfgang Günther, Oliver Nickel und Ulrike Pastoor ein Buch mit dem Titel „Das Sozialwerk Stukenbrock – Impulse für Forschung und Musealisierung“ herausgegeben. Neun Autoren beleuchten auf 164 Seiten verschiedene Aspekte des 1948 eingerichteten Lagers, das 1970 geschlossen wurde.

Samstag, 01.08.2020, 06:00 Uhr
Wolfgang Günther (von links), Oliver Nickel und Ulrike Pastoor haben das Buch „Das Sozialwerk Stukenbrock“ herausgegeben. Eine Fortsetzung ist bereits in Planung. Foto: Dirk Heidemann

Den Stein des Anstoßes gab Pia Winkler, Pfarrerin der Evangelischen Kirche von Westfalen. Sie fragte bei Wolfgang Günther in seiner Funktion als Leiter des Landeskirchlichen Archivs der Evangelischen Kirche von Westfalen nach, ob es Unterlagen über die damalige Lagerkirche geben würde. Daraufhin wurde ein Arbeitskreis gebildet, mit Pfarrer Frank Stückemann beschäftigt sich einer der Autoren bereits im zwei Jahr hauptberuflich mit der Geschichte des Sozialwerks Stukenbrock.

Viele Fragestellungen sind noch offen.

Wolfgang Günther

„Die ersten Ergebnisse sind jetzt da und können in einem Buch veröffentlicht werden. Aber wir stehen erst am Anfang, viele Fragestellungen sind noch offen“, sagt Wolfgang Günther, der selbst zwei Kapitel geschrieben hat und für Ende 2020/Anfang 2021 bereits ein zweites Buch zu dieser Thematik ankündigt, das Frank Stückemann mit Inhalt füllen wird.

Lager für besonders hilfsbedürftige Flüchtlinge

1948 zunächst als Lager für besonders hilfsbedürftige Flüchtlinge und Vertriebene wie Kranke, Ältere oder alleinerziehende Mütter gegründet, fanden in den 50er und 60er Jahren ganz andere Gruppen den Weg nach Stukenbrock-Senne. Darunter beispielsweise Menschen, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nach Paraguay immigriert sind. „Uns war wichtig, alle Zeitschichten mit reinzubringen“, sagt Oliver Nickel, Geschäftsführer der Gedenkstätte Stalag 326: „Die Aufgabe des Stalag-Fördervereins besteht auch darin, die Nachkriegszeit zu thematisieren.“

Zwei Kapitel von Oliver Nickel

Denn das Sozialwerk griff auf die Infrastruktur zurück, die in den Jahren 1941 bis 1945 an gleicher Stelle als Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht gedient hatte und von 1946 bis 1947 von der britischen Militärregierung als Internierungslager für mutmaßliche NS-Kriegsverbrecher genutzt worden war. Oliver Nickel beschäftigt sich im Buch in zwei Kapiteln mit den baulichen Überresten des Sozialwerks, auf zahlreichen Abbildungen kann die Entwicklung gut nachvollzogen werden, sowie den Gräbern der Verstorbenen.

Fünf Wohlfahrtsverbände

Genutzt wurde des Sozialwerk in den 22 Jahren seines Bestehens von gleich fünf Wohlfahrtsverbänden, die allesamt bei der Quellensuche mit einbezogen wurden: die Caritas, das Evangelische Hilfswerk, das DRK, die AWO und der Westfälische Blindenverein. „Sie haben für unterschiedliche Dauer im Sozialwerk gewirkt und wir haben uns bei allen Verbänden bemüht, Unterlagen zu bekommen. Die beste Quellenlage hatte aber die Evangelische Kirche, die daher auch am meisten zum Buch beigetragen hat“, so Wolfgang Günther.

Im Bestand befinden sich mittlerweile etwa 800 Fotos, schriftliche Dokumente sind hingegen deutlich rarer. Daher hoffen die drei Herausgeber auch, dass sich über das Buch Menschen finden lassen, die noch Material für die weitere Aufarbeitung der Geschichte des Sozialwerks besitzen.

Finanziell hätten wir die Herstellung des Buches alleine nicht stemmen können.

Ulrike Pastoor

„Finanziell hätten wir die Herstellung des Buches alleine nicht stemmen können. Daher haben wir beim Ministerium für Kultur und Wissenschaft, das ein Förderprogramm unterhält, einen Antrag gestellt, der auch bewilligt worden ist“, sagt Ulrike Pastoor, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Gedenkstätte Stalag 326.

• Das Buch „Das Sozialwerk Stukenbrock – Impulse für Forschung und Musealisierung“, erschienen im Verlag für Regionalgeschichte (ISBN 978-3-7395-1255-6) ist direkt bei der Gedenkstätte Stalag sowie in der Buchhandlung Strathmann in Schloß Holte-Stukenbrock erhältlich und kostet 14.90 Euro.

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