Chocolatière Monika Heisler unterrichtet künftig im Campus Handwerk
Ein außergewöhnlich süßer Beruf

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). „Ich mache mir mein Leben gerne schwer“, sagt Monika Heisler (31), Meisterschülerin im Berufsbildungszentrum (BBZ) der Handwerkskammer in Bielefeld. Allerdings rutsche sie auch von einer Glückssträhne in die andere. Denn obwohl sie die praktische Meisterprüfung erst Ende des Monats macht, hat sie bereits einen Arbeitsvertrag in der Tasche.

Montag, 06.07.2020, 17:38 Uhr aktualisiert: 06.07.2020, 17:44 Uhr
Mit Schokolade lassen sich die leckersten Desserts, aber auch Dekorationen für Büffets oder Torten herstellen. Monika Heisler sagt: „Übung macht den Meister.“ Foto: Archiv Monika Heisler

Meisterschülerin Monika Heisler in einem süßen Beruf

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Foto: Monika Heisler
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„Wie ein Sechser im Lotto“, sagt sie. Zum 1. August wird sie von der Handwerkskammer eingestellt. „Ich werde Leute unterrichten, die wirklich lernen und Konditor werden wollen. Dort macht man Sachen, die in der betrieblichen Ausbildung zu kurz kommen. Auch für mich damals war das die schönste Zeit.“ Vor dem Meisterkurs hat sie die Fortbildung zur geprüften Chocolatière ebenfalls im Campus Handwerk absolviert.

Eigentlich wollte Monika Heisler gar nicht ihren Meisterbrief machen. Aber Christian Ibrügger, Konditoren-Weltmeister von 1999, der am BBZ lehrt, habe ihr gesagt, dass Lehren ohne Meisterbrief nicht geht. Seit September arbeitet sie deshalb auf die Prüfung hin, hat den kaufmännischen Part und den Ausbilderschein gemacht, die theoretische Prüfung ist abgeschlossen, über mehrere Tage kommt jetzt die praktische Prüfung. „Sie wollen etwas Meisterhaftes sehen“, sagt Monika Heisler. Das Thema ihres Schaustücks ist „Alice im Wunderland“. Aus den Disney-Figuren lasse sich viel mit Farben und unterschiedlichen Techniken machen.

In Deutschland fehlt Fachpersonal. Es ist aber finanziell gar nicht so einfach, die Meisterprüfung zu machen.

Monika Heisler

Weil sie sich intensiv auf ihre Meisterprüfung vorbereitet, arbeitet sie seit September nicht mehr. „In Deutschland fehlt Fachpersonal. Es ist aber finanziell gar nicht so einfach, die Meisterprüfung zu machen. Bis das Meisterbafög gezahlt wird, dauert es. Wer Familie hat, kann sich das gar nicht erlauben. Das Geld für die Prüfung muss man erst mal haben“, sagt Monika Heisler. Dieses harte Jahr hätte sie gar nicht ohne die Unterstützung ihrer Familie und die ihres Freundes geschafft, mit dem sie jetzt in Schloß Holte-Stukenbrock lebt.

Mit wenig Geld die besten Erfahrungen für ihren Job herausholen, das ist Monika Heislers Spezialität. Ihre Ausbildung hat die junge Frau aus Borchen bei Goeken Backen in Bad Driburg absolviert. Eigentlich wollte Monika Heisler im Sozialbereich arbeiten, doch dann hat es ihr bei einem Aushilfsjob in der Backstube so gut gefallen, dass sie dort ihre eigentliche Berufung fand.

Ins Hotel Burj Al Arab in Dubai

Zum Ende der Ausbildung lernte sie in der Berufsschule den damaligen Manager des Hotels Burj Al Arab in Dubai kennen, er suchte Fachpersonal. „Ich war immer die kleine, graue Maus und habe nie etwas Ungewöhnliches gemacht. Ich habe meine Leidenschaft für den Beruf nie nach vorne getragen“, sagt Monika Heisler. Englisch war auch nie ihr Lieblingsfach, so dass sie der Bewerbung in dieser Sprache auch nicht viele Chancen eingeräumt hat. „Ich habe mich zusammen mit einer Freundin beworben. Einfach, um mal zu sehen, wie weit wir kommen.“ Beide wurden genommen und reisten gemeinsam nach Dubai.

Um es vorweg zu nehmen: In einem Luxushotel zu arbeiten, heißt nicht, ein Luxusleben zu führen. In einer Wohngemeinschaft lebte sie mit vier Angestellten, teilte sich ein Zimmer mit einer Kollegin. Die Bezahlung war schlechter als in der Ausbildung, Arbeitszeiten von 10 Uhr bis 2 oder 3 Uhr nachts normal, sechs Tage die Woche. Aber: „Ich habe ganz viel Wissen mitgenommen.“ In dem Luxushotel wurden keinerlei Convenience-Produkte verwendet. Alles war in der Patisserie selbst gemacht, Eis, Sorbets, Vanillecreme. „In der Küche gab es keine Temperierbecken. Ich temperiere Schokolade in der Mikrowelle. Da muss man aufpassen, dass sie nicht verbrennt oder die Eiweiße gerinnen. Übung macht den Meister. Das ist wirklich so.“ Dieses Wissen könne nur überbetrieblich erlangt werden.

Ich konnte nachts alleine durch die Metropole gehen, ohne dass ich jemals Angst gehabt hätte.

Monika Heisler

Die arabische Kultur hat sie genossen. „Ich habe mich dort wohler gefühlt als hier, sicherer. Es ist meine zweite Heimat geworden. Keines der Klischees ist erfüllt worden. Frauen haben dort einen hohen Stellenwert. Ich konnte nachts alleine durch die Metropole gehen, ohne dass ich jemals Angst gehabt hätte.“

Nach dreieinhalb Jahren wechselte sie in das französische Restaurant „La Cantine Du Faubourg“ in Dubai und tauchte dort tief in die Welt der Chocolaterie und der Patisserie ein. „Dort habe ich mehr verdient und hatte zwei Tage die Woche frei. Ich konnte mir ein Auto leisten und habe alles das gemacht, was ich vorher in Dubai nicht machen konnte. Mein erstes Gehalt dort habe ich einfach verprasst.“ Schließlich wechselte sie im Sommer nach Ibiza in das Restaurant „105 by la Cantine“, das zur La Cantine Du Faubourg gehört.

Peters Schokowelt

Nach insgesamt fünf Jahren kehrte Monika Heisler nach Deutschland zurück. Die internationale Erfahrung im Aufbau neuer Restaurants kam ihr beim Aufbau von „Peters Schokowelt“ in Lippstadt zugute. „Es war wie in Ibiza. Ich habe gelernt, woran ich denken muss, wenn ein Betrieb neu eröffnet wird. In Lippstadt habe ich bis 2019 die Schokoladenküche geleitet. Dazu gehörte, Events vorzubereiten, Kurse für Frauen, Kinder und Männer anzubieten, Rezepte bei Junggesellenabschieden umzusetzen.“ Das Lehren hat sie also gelernt.

Monika Heisler sagt, sie sei ständig auf der Suche nach dem Außergewöhnlichen. „Ich mache demnächst mit den Auszubildenden, was die Betriebe gar nicht leisten können.“

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