Damit Zootiere gesund bleiben, werden Haut, Hufe und Nägel gepflegt
Pediküre mit der Flex

 

Sonntag, 05.07.2020, 15:21 Uhr aktualisiert: 06.07.2020, 12:40 Uhr
Tierpfleger Marcel Krämer vom Tier- und Freizeitpark Safariland Stukenbrock schleift Elefantenkuh Benji den Vorderfuß mit einem Winkelschleifer. Wichtig ist diese spezielle Pflege nicht nur für die Gesundheit, sondern auch für die Bindung zwischen Tier und Pfleger. Foto: Friso Gentsch

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Tierpfleger Marcel Krämer steht im Elefantengehege im Safariland Stukenbrock, in der Hand eine summende Flex, sie läuft auf höchster Stufe. „Lift“ ruft er und die Elefantenkuh Benji stellt brav ihr rechtes Vorderbein auf einen Hocker. Zur Belohnung wirft Krämer ihr ein Brötchen ins weit aufgesperrte Maul. Dann schleift er ihr mit der Flex die Hufe ab. So läuft Pediküre bei Zootieren.

Fußpflege im Safariland Stukenbrock

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  • Fußpflege im Safariland Stukenbrock
Foto: Friso gentsch
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Prinzipiell könnten Tiere ihre Körperpflege zwar selbst durchführen, erklärt Pia Krawinkel, Tierärztin in der Zoom Erlebniswelt Gelsenkirchen. Dafür sind aber genug Bewegung und ein passender Untergrund im Gehege nötig. Elefanten und Nashörner brauchen zum Beispiel Wasser, Schlammlöcher und Staub, sagt Steven Seet, Sprecher des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin. Darin würden sie sich wälzen und so ihre Haut pflegen. „In veralteten Zoos gibt es ja auch noch viel Betonboden. Der muss möglichst durch natürlichere Untergründe ersetzt werden“, so Seet weiter.

Gesundheit wird überwacht

Das Gehege von Elefantenkuh Benji in Stukenbrock ist 4000 Quadratmeter groß, hat Sandboden, einen Badeteich, Kletterhügel und Kratzbäume. Trotzdem hilft Marcel Krämer bei Pflege von Haut und Fuß einmal pro Woche nach. Das diene auch der Vorsorge, damit die Elefanten keine Nagelentzündung oder Hufgeschwüre bekommen, sagt Markus Köchling, zoologischer Leiter im Safariland. Langfristig könnte es die Gelenke kaputt machen, wenn die Tiere ihr Gewicht von mehreren Tonnen auf weniger Beine verteilen, bestätigt Seet. An solchen Fußerkrankungen könnten Elefanten in der Wildnis sterben.

Im Zoo wird die Gesundheit dagegen überwacht. Wie oft ein Abschaben von Huf und Hornhaut nötig ist, hänge auch vom individuellen Tier ab, sagt Pia Krawinkel, Tierärztin aus Gelsenkirchen. Wer mehr läuft und Nägel, Klauen oder Krallen selbst abnutzt, braucht seltener eine Fußpflege.

Die intensiven Pflegemaßnahmen sind auch wichtig für die Bindung zwischen Tier und Pfleger. So kann der Tierpfleger mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen sogar Teil der Herde werden.

Markus Köchling

Nashornbulle Snoopy aus dem Safariland Stukenbrock bewegt sich kaum. Er ist stolze 50 Jahre alt und liegt eigentlich nur noch an seinem Lieblingsplatz im Schatten. Seine Hufnägel reiben sich so nicht genug ab. Einmal am Tag lockt Tierpflegerin Anna Maria Brock den Bullen an den Zaun und feilt Horn und Hufe.

Auch bei den Bisons werden die Hufe gefeilt, außerdem das Fell gebürstet und die Hörner mit Öl eingerieben, bis sie im Sonnenlicht glänzen. „Die intensiven Pflegemaßnahmen sind auch wichtig für die Bindung zwischen Tier und Pfleger. So kann der Tierpfleger mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen sogar Teil der Herde werden“, sagt der zoologische Leiter im Safariland Köchling.

Nur wegen dieses besonderen Verhältnisses ist der Einsatz von Werkzeugen bei der Pflege überhaupt möglich. Würden die Elefantenkuh Benji oder der Nashornbulle Snoopy sich plötzlich erschrecken und eine unerwartete Bewegung machen, wäre das für die Pfleger gefährlich. „Es ist wichtig, dass man den Einsatz zum Beispiel einer Flex mit den Tieren trainiert“, sagt Tierärztin Krawinkel.

Nur mit Vertrauen

„Zu Anfang finden die Elefanten die Pflege mit der Akkuflex zwar komisch. Sie kennen das Geräusch ja nicht“, sagt der Pfleger Marcel Krämer. Mittlerweile hätten die Elefanten sich daran gewöhnt. „Als Pfleger musst du der beste Freund der Tiere werden“, sagt Krämer, „dafür braucht es Jahre.“ Ohne Vertrauen funktioniert Tierpflege nicht. Vor allem, wenn große Werkzeuge im Einsatz sind.

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