Gastfreundliche und tolerante fünf Alltagsmenschen laden an die Tafel vor dem Rathaus
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Schloß Holte-Stukenbrock (WB). „Am Anfang hatten wir Bauchschmerzen. Als sie fertig waren, sagten wir: Jetzt behalten wir alle!“ Die Wittener Künstlerin Christel Lechner (72), ihre Tochter Laura und Schwiegersohn Jan Illerhues haben am Montag die fünf Alltagsmenschen an einen Tisch gesetzt. Am Tisch wird gegessen, dort werden Hausaufgaben gemacht, Gesellschaftsspiele gespielt und gestritten. „Der Tisch ist das kommunikative Zentrum. Die fünf Stadtteile mit ihrer eigenen Identität setzen sich in dieser Stadt an einen Tisch“, lautet die Botschaft der Alltagsmenschen.

Montag, 22.06.2020, 19:13 Uhr aktualisiert: 22.06.2020, 19:16 Uhr
Lebendige Tischrunde mit Alltagsmenschen am Rathaus: (von links im Uhrzeigersinn) Gerd Müller, Ludwig Teichmann (beide Stukenbrock-Senne), Lars Pankoke, Susanne Mewes (beide Sende), Astrid Zellermann, Siegfried Murke (beide Stukenbrock), Bürgermeister Hubert Erichlandwehr, Künstlerin Christel Lechner, Ferdi Müller, Wolfgang Gerbig (beide Schloß Holte), Stadtmarketing-Beauftragte Imke Heidotting, Manfred Vorderbrüggen (Liemke) und Sandra Langer (Stadtmarketing). Foto: Monika Schönfeld

Alltagsmenschen in Schloß Holte-Stukenbrock

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Mit Emswasser

Für die Künstlerin war es eine besondere Erfahrung, mit den Ideen und Erwartungen von fünf Ortsgemeinschaften konfrontiert zu werden. So hatte zum Beispiel Stukenbrock-Senne eine freche Göre mit Pferdeschwanz, Senner-Pferde-Tattoo und moderner Wanderkleidung im Sinn. „Pferdeschwanz und Tattoo – das war mir zu vordergründig. Der Mann mit Rucksack, Wanderschuhen und Wasserflasche ist dabei herausgekommen. Er steht für Nachhaltigkeit“, sagt Christel Lechner. Gerd Müller und Ludwig Teichmann sind trotzdem zufrieden. „In der Senne kommt man ins Schwitzen. Das Emswasser löscht den Durst“, meint Teichmann und verweist darauf, dass es auch hochprozentiges Ems-Wasser gibt.

Starkes Weib mit Pappnase

Lieblingsfigur der Künstlerin ist Stukenbrock. Astrid Zellermann und Siegfried Murke berichten, dass sich alle Stukenbrocker Gruppen schnell einig waren. Die Weiberfastnacht ist das Thema. „Aber wie passt das laute und fröhliche Treiben zu meinen Figuren“, fragte sich Lechner. Herausgekommen ist „Torten-Treschen“, ein starkes Weib mit Pappnase. „Da weiß jeder, was gemeint ist“, sagt Christel Lechner. Und mit dem Rathausschlüssel der Weiberfastnacht ist der klare örtliche Bezug da.

Erntedank

Für Liemke war es klar, dass Erntedank das Thema ist. Die Bäuerin sorgt deshalb dafür, dass auch etwas auf dem Tisch steht: Früchte und Gemüse im Korb, ein Kürbis, Milch, Brötchen. Manfred Vorderbrüggen von den Liemker Dorfentwicklern findet die Figur gelungen. „Wir laden alle an den gedeckten Tisch.“

Echte Luftballons

Schloß Holte strahlt ebenfalls. Für die Ortsgemeinschaft um Wolfgang Gerbig und Ferdi Müller symbolisiert das große Volksfest Pollhans den Stadtteil. Und da gibt es die Figur des Pollhans-Bürgermeisters, den vor allem der CDU-Politiker Ulrich Suermann geprägt hat, der am Pollhans-Montag die Ehrengäste über den Platz führte und dabei an einem Spazierstock Luftballons mit sich führt. „Er spielt eine besondere Rolle. Er ist der Bürgermeister“, sagt Christel Lechner. Der echte Bürgermeister Hubert Erichlandwehr schmunzelt: „Aber nur drei Tage im Jahr.“ Die große Herausforderung sei gewesen, den Trenchcoat zu treffen. Der Spazierstock ist echt, die echten Luftballons sollen zu Pollhans frisch angeknotet werden.

Dunkle Hautfarbe

Das Thema Gastfreundlichkeit und Toleranz symbolisiert Sende mit dem Mann dunkler Hautfarbe. Eine Reizfigur, meint Susanne Mewes, stellvertretende Vorsitzende des Heidevereins Sende. „Wir haben kein Pollhans und keinen Karneval. Wir haben den Sportverein Schwarz-Weiß Sende. Vorsitzender Lars Pankoke sagt, schickt uns die Kinder, Sport kennt keinen Rassismus.“ Susanne Mewes erzählt, dass ihr Ehemann der erste türkische Heidekönig war. „Viele werden den dunkelhäutigen Mann sehen und denken, was hat das mit Sende zu tun? Ich sage, der ist farbig, wir sind tolerant, und ich bin stolz darauf, dass der Stadtteil Sende das unterstützt.“

„Kommen Sie näher ran, setzen Sie sich dazu und machen Sie Selfies – ganz coronafrei!“, sagt Bürgermeister Hubert Erichlandwehr bei der Einweihung. Das Heimatministerium hat von den 60.000 Euro, den die Alltagsmenschen gekostet haben, 48.000 Euro Zuschuss gezahlt.

Ein Kommentar von Monika Schönfeld

Das ist für eine Künstlerin bestimmt nicht leicht, mit genauen Vorgaben zurecht zu kommen. Ganz offenbar hat Christel Lechner die Ortsgemeinschaften aber überzeugt, dass weniger mehr ist. Es war ein besonderes Projekt, wie Bürgermeister Hubert Erichlandwehr betont. Über fast anderthalb Jahre haben sich die Ortsgemeinschaften damit beschäftigt, die Künstlerin in ihrer Werkstatt besucht. Sie sind mehrfach am Prozess beteiligt worden. So war zum 50. Geburtstag der Stadt der Prozess wichtig. Die Menschen in den Stadtteilen haben sich mit ihrer Identität beschäftigt und sich mit den anderen kurzgeschlossen, um eine gemeinsame Tafel zustande zu bringen. Dort haben Menschen unterschiedlicher Herkunft und Geschichte einen Platz, es wird gastfreundlich aufgetafelt. Ja, und es ist genug da für alle – egal woher sie kommen und welche Hautfarbe sie haben. Die Alltagsmenschen sind wir. Das zeigt sich an der Resonanz der Bürger: Schön sind die geworden!

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