Gesamtschüler übergeben Modell des Sozialwerks Stukenbrock an die Gedenkstätte
Original bis auf den letzten Schuppen

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Der Schuppen des Hausmeisters Brettlau ist das letzte Gebäude, das Despina Böger auf das Modell klebt. „Wir haben früher die Rückwand aufgehebelt und uns sein Motorrad geliehen. Der Hausmeister hat sich immer gewundert, dass der Tank leer war.“ Solche Geschichten machen Geschichte lebendig.

Mittwoch, 10.06.2020, 19:39 Uhr aktualisiert: 10.06.2020, 19:46 Uhr
Mit dem Modell des „Sozialwerks Stukenbrock 1948“: (von links) die Brüder und Zeitzeugen Karl-Christian und Klaus Streck, René Schöning, Noah Preuß, Despina Böger, Daniel Jurkewitsch, Lukas Krause, Schulleiterin Christel Kuch, Lehrerin Angela Gerber und Oliver Nickel, Geschäftsführer der Gedenkstätte Stalag. Foto: Monika Schönfeld

Die Gesamtschüler des Ergänzungskurses „ Stalag 326/Sozialwerk Stukenbrock “ im 10. Jahrgang haben ein Modell im Maßstab 1:750 vom Sozialwerk Stukenbrock gefertigt und es am Mittwoch Oliver Nickel überreicht, dem Geschäftsführer der Gedenkstätte Stalag 326. Das Modell soll in der Ausstellung im Arrestgebäude neben dem des Kriegsgefangenenlagers stehen. Zur Zeit des Sozialwerks war im Arrestgebäude der Einkaufsladen Schatka. „Man sieht, was man zusammen schaffen kann. Zeitzeugen sind dabei extrem wichtig. Sie halten Geschichte lebendig . Das sieht man an der Reaktion der Schüler, die mit Leidenschaft am Projekt gearbeitet haben“, sagt Nickel. Er freut sich schon auf die Gespräche, die zwangsläufig entstehen werden, wenn Besucher um das Modell stehen.

Karl-Christian Streck (68) und Klaus Streck (77, von links) sind auf dem Gelände des Sozialwerks aufgewachsen.

Karl-Christian Streck (68) und Klaus Streck (77, von links) sind auf dem Gelände des Sozialwerks aufgewachsen. Foto: Monika Schönfeld

Lehrerin Angela Gerber hatte den Kontakt zu den pensionierten Hauptschullehrern und Brüdern Klaus und Karl-Christian Streck geknüpft. Deren Vater war 1945 als Kriegsgefangener der Briten ins Lager gekommen. Später hat er in der Verwaltung und als Dolmetscher im Internierungslager, seit 1948 in der Verwaltung des Sozialwerkes gearbeitet. Im Sozialwerk lebten von 1948 bis 1977 auf dem alten Gelände des Stalag (1941 bis 1945) und des Nazi-Internierungslagers (1946 bis 1948) Heimatvertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten übergangsweise, bis sie eine eigene Wohnung und Arbeitsstelle gefunden haben.

Bis 1971 haben Klaus und Karl-Christian Streck ebenfalls auf dem Gelände gelebt. Sie können so aus eigener Anschauung berichten und verfügen über einen riesigen Fundus hochwertiger Fotos, anhand derer sie die Geschichte des Sozialwerks Stukenbrock erzählen können. Damit haben sie die Jugendlichen des Ergänzungskurses gefesselt.

Zwei kleine Schuppen hinter den Baracken des Hausmeisters fehlen noch: Karl-Christian Streck zeigt den Schülern, wo sie hingehören.

Zwei kleine Schuppen hinter den Baracken des Hausmeisters fehlen noch: Karl-Christian Streck zeigt den Schülern, wo sie hingehören. Foto: Monika Schönfeld

René Schöningh (16) wohnt selbst in Stukenbrock-Senne. „Meine Oma hat mir schon etwas über das Stalag und das Sozialwerk erzählt“, sagt er. Auch Despina Böger (16) kennt Geschichten von ihren Großeltern – und das, obwohl sie in Bielefeld wohnt. Daniel Jurkewitsch (17) berichtet, wie die Schüler Nissenhütten, Baracken und Steinhäuser vermessen und maßstabsgerecht zugeschnitten und gefärbt haben. „Am schwierigsten war es, den Plan von 1948 auf die Holzplatte zu übertragen“, sagen die Schüler, die zum ersten Abschlussjahrgang der Gesamtschule gehören. „Die Idee war, der Stadt etwas zu hinterlassen.“

Karl-Christian Streck, ehemaliger Werkunterricht-Lehrer an der Lisa-Tetzner-Schule, berichtet, woraus die Schüler die einzelnen Typen an Gebäuden hergestellt haben. Die Baracken sind aus Stangenholz gesägt, das die Tischlerei Murke angefertigt hat, die Nissenhütten sind aus halbierten Dübelstäben. Die Steinhäuser sollten aus Styropor geschnitzt werden. Einige kamen dann aber aus dem 3-D-Drucker. Um sich einen Eindruck von der Originalgröße einer Nissenhütte zu verschaffen, haben sie eine auf dem Schulhof nachgestellt. Insgesamt haben 19 Kursteilnehmer 13 Doppelstunden an dem Projekt gearbeitet.

„Es ist wertvoll, wenn man Zeitzeugen für den Unterricht gewinnen kann. Sie ersetzen X Geschichtsstunden“, sagt Lehrerin Angela Gerber. Da die Zeit des Stalag 326 schon sehr gut aufgearbeitet gewesen sei, haben sich die Schüler mit dem Sozialwerk befasst. „Ich bin glücklich, dass die Gesamtschule darauf angesprungen ist“, sagt Klaus Streck, der zum Thema häufig Vorträge hält. Er habe sich über die Konzentration und Aufmerksamkeit der Schüler gefreut.

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