Dr. Michael Kößmeier, Schulleiter des Gymnasiums, hat mit den Absolventen geplant
Abiturzeugnisse in würdigem Rahmen

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Abitur mit Abstand: Die Zeugnisvergabe soll allerdings in einem feierlichen Rahmen stattfinden. „Es ist der höchste Schulabschluss, der in Deutschland erreicht werden kann. Deshalb ist es wichtig, in einem würdigen Rahmen auch die Eltern teilhaben zu lassen, die einen großen Anteil daran haben und zu Recht stolz sind.“ Für den Schulleiter des Gymnasiums, Dr. Michael Kößmeier, stellt sich nur eine Frage: „Darf ich mit 300 Menschen in die Aula?“ Die Entscheidung liegt zurzeit beim Ordnungsamt.

Dienstag, 09.06.2020, 05:00 Uhr
Wenn es nach dem Wunsch des Schulleiters Dr. Michael Kößmeier und der Abiturienten geht, gibt es die Zeugnisübergabe in der Aula. Jeder Abiturient darf dann nur zwei Gäste mitbringen, das wären dann 300 Menschen in der Aula. Foto: Monika Schönfeld

Wenn das nicht möglich sein sollte, „machen wir die Zeugnisübergabe und die Feier eben dreimal hintereinander.“ Dieser Plan B löst die ursprüngliche Idee ab, die Zeugnisübergabe an Stationen im Forum und in der Aula zu machen. „Wir sind mit den Schülern im Gespräch. Sie und ihre Jahrgangsstufensprecher Felix Hano, Johanna Tölke und Jonas Sykosch wollen das Gemeinschaftserlebnis bei der Zeugnisübergabe – wenn es eben geht.“

Die Abiturienten sind natürlich enttäuscht, dass sie keine Mottotage hatten, keinen Abisturm, kein Abitain und keinen Abiball.

Dr. Michael Kößmeier

Kößmeier begrüßt, dass das Ministerium die Teilnahme der Eltern ermöglicht. Sie und die Lehrer haben die jungen Leute auf dem Weg zum Abitur begleitet. „Die Abiturienten sind natürlich enttäuscht, dass sie keine Mottotage hatten, keinen Abisturm, kein Abitain und keinen Abiball“, sagt Kößmeier. Abitain ist die traditionelle Kulturveranstaltung in der Aula, nur von den Abiturienten organisiert und ausgeführt.

Das alles ist den Kontaktbeschränkungen in der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen. „Ich habe einen Brief vom Bürgermeister bekommen, in dem er den Schülern ausdrücklich dankt, dass sie sich in der Stadt vorbildlich an die Beschränkungen gehalten haben.“ Für den Abiball gebe es keinen Ersatz. „Traditionell ist der Ball einen Tag nach der Zeugnisausgabe. Diese Stimmung kann man nicht nachholen. Corona kennzeichnet den Jahrgang, daran werden sich die Schüler ihr Leben lang zurückerinnern.“

Schulpreise werden verliehen

Der Schulleiter sagt, die Zeugnisübergabe werde „eigentlich wie immer“ stattfinden. Das gilt aber erst mal nur für das Programm. Dr. Michael Kößmeier wird am Donnerstag, 25. Juni, in seiner Rede den Jahrgang und die besonderen Umstände würdigen. Es gibt ein musikalisches Programm, das Schüler gestalten, und die Rede des Bürgermeisters. Außerdem werden die Schulpreise für Chemie, Physik, das beste Abitur und außerunterrichtliches Engagement verliehen. Die Volksbank habe angefragt, ob die Schule einen Vorschlag für den Social Award habe.

Es ist Tradition, dass sich jeder Jahrgang in unserer Ahnengalerie wiederfindet.

Dr. Michael Kößmeier

Die Schule habe einen Fotografen beauftragt, von allen Schülern Porträts zu fertigen, die in einer Collage zum traditionellen Abschlussfoto zusammengefügt werden. „Jeder Schüler erhält diese Collage. Das Bild ist uns auch als Schule wichtig. Es ist Tradition, dass sich jeder Jahrgang in unserer Ahnengalerie wiederfindet.“

100 Schüler sind zu den Abiturprüfungen zugelassen worden. Zurzeit laufen noch mündliche Prüfungen, Abweichungsprüfungen und freiwillige Prüfungen für das erste bis dritte Abiturfach. „Unsere Schüler sind ehrgeizig. Für manchen kann es sich lohnen – zum Beispiel, um von einer 1,1 auf eine 1,0 zu kommen. Eine 1,9 macht sich allein optisch besser als eine 2,0. Eine bessere Note ist gut für ein Studienfach mit Numerus Clausus, aber auch für das Gefühl.“

Das Schulministerium hat es den Gymnasien selbst überlassen, wie sie Unterricht unter Corona-Bedingungen organisiert, weil die Bedingungen an allen Schulen unterschiedlich sind. Die Schwerpunkte hat das Gymnasium Schloß Holte-Stukenbrock auf die Sekundarstufe II gelegt. Während die Abiturprüfungen drei Wochen nach hinten gerutscht seien, konnten Ende Mai nicht alle Schüler gleichermaßen in die Schule zurückkehren. „Die Q1, die nächstes Jahr Abitur macht, ist seit 26. Mai täglich in der Schule wie auch die EF (Einführungsphase, erstes Jahr in der Oberstufe), die ab 16. März Klausurphase gehabt hätte. Eine Klausur pro Fach ist ein Muss. Das machen wir aber nicht ohne Unterricht im Vorlauf.“ Der 9. Jahrgang ist mit zwei bis vier Präsenztagen pro Woche dabei. Schüler dieses Jahrgangs werden nicht automatisch versetzt, weil sie die Berechtigung zum Besuch der Oberstufe erwerben müssen. Weitere Klassen der Sekundarstufe I, also die 5 bis 8, haben zwei bis vier Tage in der Woche, an denen sie in der Schule sind. Während die EF und die Q1 ihre Zeugnisse persönlich am letzten Schultag erhalten, wird der Sekundarstufe I das Zeugnis zugeschickt.

Distanzunterricht kostet Zeit

Die Lehrer, so sagt der Schulleiter, haben den Spagat zwischen Distanz- und Präsenzunterricht gut gemeistert. „Was von außen nicht gesehen wird ist, dass Distanzunterricht viel Zeit in Anspruch nimmt. Die Lehrer stellen Aufgaben, bekommen sie bearbeitet zurück, nehmen sie zur Kenntnis oder korrigieren sie. In vielen Fächern ist es schwer, ohne persönlichen Kontakt neue Themen einzuführen.“

Nach der ersten Regelung des Ministeriums gehörten 17 von 89 Lehrkräften zur Risikogruppe, jetzt – nach der Neuregelung – sind es noch neun. „Die fehlen beim Präsenzunterricht“, sagt Kößmeier.

Zurzeit ist es immer noch so, dass in normalen Klassenräumen nur zwölf Schüler gleichzeitig arbeiten dürfen. Mund-Nasen-Schutzmasken müssen mitgeführt, aber nur dann eingesetzt werden, wenn die geforderten Abstände von 1,50 Metern nicht eingehalten werden können.

Digitalisierungsschub

In der ersten Phase seit Mitte März hat das Gymnasium Aufgaben via E-Mail an die Schüler verschickt, die wiederum ihre bearbeiteten Unterlagen auf dem gleichen Weg zurück schickten. Andere nutzten die Moodle-Lernplattform.

Ein Team aus Lehrern, es sind Lars Quisbrock, Michael Rohde und Mirco Adolph, haben dann das Plattform-unabhängige iSurf installiert, das bereits in der Stadt Detmold und in Niedersachsen angewendet wird. „Das Team hat Video-Tutorials gedreht, so dass jeder Kollege sofort damit arbeiten konnte“, sagt Schulleiter Dr. Michael Kößmeier, der den Lehrern ein großes Lob ausspricht. „Sie sind über das Maß hinaus engagiert. Das ist immer noch on top – zusätzliche Arbeit neben dem Unterricht.“ Ob mit dem Computer, dem Tablet oder dem Handy – jeder Schüler ab Klasse 5 konnte dieses System nutzen. Denn Schüler und Lehrer hatten den Wunsch, sich zu sehen. „Face-To-Face ist wichtig, um den Beziehungskontakt aufzubauen“, sagt Kößmeier. Das System sei mit Bedacht ausgewählt worden.

Wenn der Distanzunterricht nach den Sommerferien weitergeht, soll das Konzept überarbeitet werden. „Was die Digitalisierung des Unterrichts angeht, hat uns Corona viel Erfahrung gebracht.“

 

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