Marlene Zanotti (21) war fast drei Monate ans Haus gefesselt
Von einer Quarantäne in die nächste

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Als in Deutschland noch Karneval gefeiert wurde, saß Marlene Zanotti (21) im Südtiroler Dörfchen Corvara fest. Ausgangssperre in Italien. Jetzt ist die Studentin zurück in ihrer Heimat Schloß Holte-Stukenbrock. Am Freitag endet ihre zweiwöchige Quarantäne in Deutschland. Damit war sie fast drei Monate lang ans Haus gefesselt – mit Ausgangsbeschränkung oder in Quarantäne. Das erste, was sie danach plant, ist ein stundenlanger Spaziergang im Wald.

Freitag, 15.05.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 15.05.2020, 05:03 Uhr
Von der Ausgangssperre in Südtirol in die Quarantäne in Deutschland: Marlene Zanotti darf ab diesem Freitag wieder vor die Tür und sich mit Freundinnen treffen. Immer nur mit einer – es wird gelost, wer das erste Glas Wein mit ihr trinkt. Foto: Monika Schönfeld

Studium in Bruneck

Marlene Zanotti studiert in Bruneck, einem von drei Standorten der Freien Universität Bozen Sportevent- und Tourismus-Management. Sie ist Tochter einer italienischen Glaskünstlerin und eines Schloß Holte-Stukenbrocker Unternehmers. Mitte Februar war sie mit zwei Kommilitoninnen zum Studium aufgebrochen. „Ich lebe während des Studiums im Haus meiner Großmutter. Meine Mutter war ebenfalls nach Südtirol gekommen, um meine Oma zu pflegen.“ Corvara, der Ort nennt sich selbst Perle der Dolomiten, hat 1000 Einwohner. Und als Marlene Zanotti dort ankam, waren bereits Schulen, Kindergärten, öffentliche Einrichtungen, Bars, Restaurants und Cafés geschlossen. „Für Italiener ist die soziale Isolation grausam. Wir umarmen und küssen uns gern“, sagt Marlene Zanotti. Erst sollte der Uni-Betrieb Anfang April wieder losgehen, dann Anfang Mai. Dann sei die Nachricht gekommen, dass die Klausuren online geschrieben werden. Danach sind Semesterferien und erst im September oder Oktober geht es wieder los.

„Meine Oma wurde von meiner Tante nach Mailand geholt. Und da haben meine Mutter und ich uns überlegt, nach Hause zu fahren“, erzählt Marlene Zanotti. „Wir dachten, am Maifeiertag wird wohl nicht so viel los sein. Da wir am Brenner und in Kufstein an den Grenzen jeweils zwei Stunden extra eingeplant hatten, fuhren wir früh los.“ Aus dem Internet hatten sie Eigenerklärungen geladen. „Man konnte aber nicht ankreuzen, ich fahre jetzt nach Deutschland.“

Es war dann einfacher, als gedacht. „Am Brenner waren wir alleine mit fünf jungen Polizisten. Die sahen das deutsche Kennzeichen am Auto, den deutschen Personalausweis, haben bei uns die Temperatur gemessen und uns unterschreiben lassen, dass wir in Österreich nicht anhalten. In Kufstein sind wir ans Zelt gefahren und kamen ohne Probleme über die Grenze. Wir waren in der Bestzeit unter zehn Stunden in Schloß Holte-Stukenbrock.“

„Seltsame Regelung“

In Südtirol habe sich die Situation gelockert. „Man darf aus dem Haus, Sport machen. Der Tourismus soll im Juni oder Juli wieder anlaufen.“ Da sie in Südtirol in der Wohnung täglich von 8 bis 18 Uhr etwas für die Uni getan habe, hatte sie gehofft, sie müsse in Deutschland nicht noch mal in Quarantäne. „Ich musste an der Grenze nichts unterschreiben. Aber mein Vater wollte auf Nummer sicher gehen und hat beim Gesundheitsamt nachgefragt.“ Und die Auskunft, die von dort gekommen sei, sei doch arg befremdlich. „Ich muss in Quarantäne, weil ich länger als 72 Stunden im Ausland war. Meine Mutter, die die ganze Zeit mit mir zusammen war, muss nicht. Begründung: Weil sie die Pflegerin für meine Oma war, könne sie das Virus nicht haben.“ Mutter Cristina Zanotti (54) bleibt aber aus Solidarität mit ihrer Tochter auch bis Freitag zu Hause. Vater und Bruder allerdings können tun und lassen, was sie wollen. „Mein Bruder darf sogar wieder ins Fitnessstudio. Hätte ich das Virus, hätte er es jetzt auch und würde es weiterverteilen. Ist schon eine seltsame Regelung.“ Auf jeden Fall sei sie froh, wieder zu Hause zu sein. „In solch einer komischen Zeit merkt man, wie wichtig die Familie ist. Sie gibt mir Sicherheit. Auch wenn ich mal Probleme mit meinem Rechner habe, oder so.“

Ab 18 Uhr am Freitag will sie sich mit Freundinnen zum Glas Wein verabreden. „Aber immer nur mit einer. Wir werden wohl losen, wer zuerst kommen darf.“

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