Hegeringleiter Wilfried Schmelter berichtet über die aktuelle Lage in Wald und Natur
Fehlender Regen bereitet Sorgen

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). „Jetzt, im Frühling ist die Natur das schönste und spannendste Kino, das man sich vorstellen kann,“ sagt Hegeringleiter Wilfried Schmelter . Seit Wochen beschert uns der Frühling reichlich Sonnenschein, Vögel geben schon in den frühen Morgenstunden ihre Konzerte und Schmetterlinge tanzen in den Lüften.

Samstag, 09.05.2020, 12:00 Uhr
Hegeringleiter Wilfried Schmelter blickt besorgt auf die derzeitige Wetterlage. Auch für die kommende Woche sind kaum nennenswerte Niederschläge vorhergesagt. Foto: Manuela Fortmeier

„Im Frühling steht für uns als Jäger besonders der Schutz und die Hege der artenreichen Tierwelt und der Natur mit ihrer Artenvielfalt im Vordergrund unseres Handelns“, sagt Schmelter. Das Jagen an sich trete schon alleine auf Grund des Mutterschutzes der Tierwelt aktuell bewusst in den Hintergrund. „Nur dann, wenn wir in Bereichen feststellen, dass Wildschweine das Saatgut auf Maisfeldern zu stark aufnehmen und dadurch starke Ernteausfälle zu befürchten sind, müssen wir einschreiten“. Seit Anfang Mai ist es den Jägern gestattet, das männliche Rehwild zu bejagen.

Schwarze Rabenkrähe „ein arger Feind des Niederwildes“

Aktuell zu beobachten und nicht zu unterschätzen sei auch die auffällige Vermehrung der schwarzen Rabenkrähe, die „ein arger Feind des Niederwildes ist und es überwiegend auf Bodenbrüter abgesehen hat“. Eine weitere Bedrohung der einheimischen Tierwelt sieht Schmelter in den zunehmenden Aktivitäten der Waschbären. Auf Grund ihrer Nachtaktivität und Vielseitigkeit, sei deren Population nur schwer einzudämmen. Erschwerend komme hinzu, dass auch diese aktuell unter Mutterschutz ständen und nicht gejagt werden dürften. Der Wolf hingegen sei derzeit nicht mehr in diesen Regionen gesichtet worden.

Während wir Menschen dieses Wetter in diesen besonderen Zeiten mit Fahrradtouren und ausgiebigen Spaziergängen in der Natur genießen, leiden Bäume, Wälder und Tiere inzwischen unter der lang anhaltenden Trockenheit und den dadurch bedingt sinkenden Wasseranteilen in Feuchtgebieten, und den Moorgebieten, in denen auch Salamander und Lurche beheimatet sind.

Obere Bodenschich ist bereits ausgetrocknet

„Mir ist aufgefallen, dass der Anblick der natürlichen Wasserquellen, wie Gräben, Teiche und Bachläufe, die den Tieren zur Versorgung dienen, schon jetzt beginnen auszutrocknen“, so Schmelter. Die obere Bodenschicht, die den Insekten und Vögeln als Nahrungsquelle dient, sei bereits ausgetrocknet. Somit entfalle durch diesen bedingten Rückgang der Insekten, die normalerweise hier ihren Lebensbereich haben, die Nahrungsquelle der Bodenbrüter. Schon jetzt sei ein Rückgang mancher Vogelarten, aber auch bei Wildbienen, Hummeln und Schmetterlingen zu verzeichnen.

Doch die Menschen müssten nicht tatenlos zusehen. Jeder von uns kann dazu beitragen, die Natur zu unterstützen, indem er Blumenwiesen aussät, Wasserstellen für die Vogelwelt im Garten schafft und respektvoll sowie achtsam mit Flora und Fauna umgeht. Große Sorgen bereiten dem Hegeringleiter die jungen Bäume bis zu einem Alter von unter zehn Jahren. Die Wurzeln dieser Jungbäume reichen noch nicht tief genug in das Erdreich, um dort Wasser aufnehmen zu können. Deshalb leiden sie mehr unter dem fehlenden Regen als ältere Bäume. Besonders betroffen seien aktuell Waldregionen hier im sandigen Senneboden, der schnell austrocknet. Jedoch würden nicht alle Bäume gleich stark leiden. Die Eichenbäume kommen wesentlich besser damit klar, als manch andere.

Waldbrandgefahr steigt

Auch für den Nachwuchs der Bodenbrüter, wie die Kiebitze, Feldlerchen oder Fasane könnte die lang anhaltende Trockenheit zur Gefahr werden. Doch neben dem Verlust als Nahrungsquelle und der Gefahr für Bäume gibt es weitere lauernde Gefahren, die die Trockenheit begünstigen. Mit der anhaltenden Trockenheit steigt zunehmend die Waldbrandgefahr.

Für Schmelter als Hegeringleiter sei es erfreulich, mitzuerleben, dass aktuell immer mehr Menschen und insbesondere auch junge Naturliebhaber wieder die Natur für sich entdecken. Gerade Kinder seien von Natur aus wissbegierig und in der Natur könnten sie lernen, welche Tiere dort ihren Lebensraum haben und wie vielseitig die Pflanzenwelt sich darstelle. „Wir von der Kreisjägerschaft haben in den letzten Jahren erfreut ausmachen können, dass immer mehr junge Menschen Interesse daran haben, die nicht ganz einfache Jägerprüfung zu absolvieren“, so Schmelter.

Werfen sie also keine brennenden Zigarettenstummel, Flaschen, oder auch Glasreste achtlos in den Wald.

Wilfried Schmelter

Allerdings dürften bei den Ausflügen in die Natur die normal geltenden Regeln nicht außer Acht gelassen werden, um den Naturschutz zu gewährleisten. „Werfen sie also keine brennenden Zigarettenstummel, Flaschen, oder auch Glasreste achtlos in den Wald, weil dadurch bedingt ein Waldbrand entstehen könnte. Zudem ist auch beim Befahren von Waldwegen höchste Gefahr durch den erhitzten Katalysator des Autos gegeben. Fassen sie keine zurückgebliebenen Rehkitze an, die Mutter kommt zurück und kümmert sich um sie. Bleiben sie bitte auf den gekennzeichneten Wanderpfaden, um die Pflanzen zu schützen und machen sie auf keinen Fall Feuer in den Wäldern oder den angrenzenden Wiesen, und hinterlassen sie keinen Müll“, richtet Schmelter seine Bitte um umsichtiges Handeln an alle Naturliebhaber, damit alle täglich weiterhin unbeschwerte Freude in der Natur erleben können.

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