Weiterhin nur Notbetreuung in der Kindertagesstätte in Schloß Holte-Stukenbrock
Die „Jungen Wilden“ sind viel zu ruhig

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). „Bis bald!“ Emilia könnte Recht behalten. Sie hat ein buntes Bild an „ihren“ Kindergarten geschickt. Und auch Nicole Fromme, Leiterin der Kindertagesstätte „ Die Jungen Wilden “, sendet mit ihrem Team jedes Wochenende eine E-Mail an die Kinder, die noch nicht kommen dürfen. Seit knapp acht Wochen werden in der Kita in Trägerschaft des Wertkreises Gütersloh nur Kinder betreut, deren Eltern in den Schlüsselberufen arbeiten. 15 Kinder waren das täglich. Diese Woche hat Nicole Fromme die erste Videobotschaft gesendet.

Freitag, 08.05.2020, 06:00 Uhr
Die Leiterin der Kindertagesstätte „Die Jungen Wilden“, Nicole Fromme, freut sich über Post von den Kindern, die zurzeit nicht in die Kindertagesstätte dürfen. „Der Neustart wird noch einmal eine ganz neue Herausforderung“, sagt sie. Foto: Monika Schönfeld

„Ich hatte erwartet, dass die Eltern mit fortschreitender Zeit kribbeliger werden. Sie sind aber sehr kreativ und verständnisvoll. Viele kommen beim Spaziergang mit ihren Kindern vorbei und winken uns zu“, sagt Nicole Fromme. „Die Kollegen sind gerührt. Wir vermissen die Kinder.“ Die Heilpädagogin, staatlich anerkannte Erzieherin und Fachwirtin für Erziehungswesen, hat am Freitag vor der Kindertagesstätten-Schließung alle Eltern angerufen. „Auch wir waren völlig überrumpelt. Die Eltern hatten über die Nachrichten aber schon erfahren, was ansteht und waren sehr verständnisvoll. Wir sind schon informiert, habe ich oft gehört.“

Notbetreuung begann mit drei oder vier Kindern

Die Notbetreuung begann mit drei oder vier Kindern. Die Erzieherinnen, die nicht bei den Jungen Wilden gebraucht wurden, haben in den Werkstätten für Behinderte und in den Wohnstätten ausgeholfen. „Die Behinderten haben oft nicht verstanden, was jetzt passiert und brauchten mehr Zuwendung. Die Erzieherinnen waren erst unsicher, ob sie damit umgehen können. Aber alle haben tolle Erfahrungen gemacht.“

Wir haben beschlossen, ohne Gesichtsmaske zu arbeiten.

Nicole Fromme

In der Kita sprechen die Erzieherinnen viel mit den Kindern. „Wenn man sich Gedanken macht, läuft es gut“, sagt Nicole Fromme. „Wir haben beschlossen, ohne Gesichtsmaske zu arbeiten. Das heißt aber, man kommt den Kindern sehr nahe, wenn sie getröstet werden wollen, sie auf dem Schoß sitzen, gewickelt werden oder wenn wir ihnen die Nase putzen.“ Neue Gruppen mit je fünf Kindern sind gebildet worden, die zusammenbleiben. Die Eltern müssen nachweisen, wann sie von ihrem Arbeitgeber gebraucht werden und tatsächlich arbeiten. Da wird auch geguckt, ob der Partner die Betreuung übernehmen kann.

Jedes Wochenende gibt es eine E-Mail

Jedes Wochenende gibt es eine E-Mail für alle Eltern der 63 Kinder, die an der Trapphofstraße normalerweise betreut werden. Kleine Tipps für Fingerspiele oder ähnliches sind angehängt. Zu Ostern gab es einen „echten“ Brief. Schön ist es, wenn die Kinder selbst etwas malen und bei der Kita in den Briefkasten stecken. „Da alles, was wir tun, gesetzlich verankert ist, akzeptieren alle.“

Nachfragen kommen jetzt von den Neuen, von den Eltern, deren Kinder im August neu in den Kindergarten kommen. Konkret dazu sagen kann Nicole Fromme noch nichts. Eigentlich sollte für diese Eltern am Montag ein Elternabend stattfinden. Jetzt gibt es nur ein Faltblatt und eine Power-Point-Präsentation per Post. „Eltern können mich jederzeit anrufen. Wir informieren sie, sobald wir etwas wissen.“ Schwierig könnte es werden, wenn es dabei bleibt, dass Eltern wie zurzeit den Kindergarten nicht betreten dürfen. „Das ist in der Eingewöhnungszeit aber unumgänglich.“ Auch die U3-Kinder, die wochenlang nicht in der Kita waren, müssten neu eingewöhnt werden. „Der Start in die Normalität wird erneut eine Herausforderung.“

Unsere Kinder warten seit Beginn ihrer Kindergartenzeit auf das Schlaffest.

Nicole Fromme

Nicole Fromme weist auf ein wichtiges Ritual hin, das für Kindergartenkinder gilt, die in die Schule wechseln. Das für Grundschüler gilt, die in die weiterführende Schule wechseln. Und das für Jugendliche gilt, die von der Schule ins Studium oder eine Berufsausbildung wechseln. „Der Abschluss ist enorm wichtig. Unsere Kinder warten seit Beginn ihrer Kindergartenzeit auf das Schlaffest und die Übergabe der Mappen mit ihren Werken aus der Kindergartenzeit. Das darf man nicht als Nebensächlichkeit abtun. Der Abschluss ist in jeder Lebensphase eine Zäsur. Psychologisch brauchen Menschen die Feier, den Abschlussball. Es ist mehr als eine schöne Erinnerung.“

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