Spargelhof Aschof: Wer hier arbeiten will, muss 18 sein und hart im Nehmen
Student und Ingenieur stechen

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Die Schlange vor dem Hofladen von Peter Aschof wird immer länger. Alle wollen frisch gestochenen Spargel kaufen, selbst ein Preis von fast 20 Euro pro Kilogramm schreckt da niemanden ab. „Die Leute kaufen bewusster, die Nachfrage nach Obst und Gemüse ist groß. Teilweise größer als das Angebot“, sagt der 53-Jährige, der selbst Mühe hat, das „weiße Gold“ in den benötigten Mengen aus dem Boden zu holen. Denn die Hauptsaison, die am 24. Juni endet, beginnt jetzt.

Samstag, 18.04.2020, 06:00 Uhr
Janis Bökamp (links, 22) studiert Geschichte und Englisch auf Lehramt in Paderborn. Bevor das Semester wieder losgeht, will er arbeiten. „Meine Eltern haben mir erzählt, dass hier Leute gesucht werden. Dass es nicht leicht wird, habe ich mir gedacht. Aber man gewöhnt sich dran.“ Maschinenbau-Ingenieur Christopher Mischke (27), zurzeit in Kurzarbeit, hatte die ersten Tage „Rücken“. Aber: „Es ist cool, an der frischen Luft zu arbeiten. Man bekommt gehörigen Respekt vor der Arbeit bei der Ernte.“ Foto: Monika Schönfeld

Dann sind hoffentlich auch die dringend benötigten Erntehelfer aus dem Ausland eingetroffen, die aufgrund der Corona-Krise zuletzt nicht einreisen durften. Die feste Truppe auf dem Hof von Peter Aschof besteht eigentlich aus 15 Polen und vier Rumänen, von denen einige schon seit mehr als 20 Jahren dabei sind. Momentan sind auf dem Hof aber nur fünf Polen untergebracht, bis zu 20 wären möglich. „Vier weitere haben fest zugesagt. Bei den Rumänen sieht es hingegen schlecht aus. Ein Vermittler hat mir gesagt, dass es in Rumänien viele Corona-Fälle gibt und die Ämter geschlossen sind“, sagt Peter Aschof, der daher auch auf helfende Hände aus der Region angewiesen ist.

Peter Aschof holt den Spargel aus der Erde. „Spargelstechen lernt man in einer Stunde. Nach drei Tagen ist der Chef mit der Arbeit auch zufrieden“, sagt er über sich selbst.

Peter Aschof holt den Spargel aus der Erde. „Spargelstechen lernt man in einer Stunde. Nach drei Tagen ist der Chef mit der Arbeit auch zufrieden“, sagt er über sich selbst. Foto: Dirk Heidemann

Drei Studenten und ein Maschinenbau-Ingenieur, jeder ausgestattet mit Spargelstechmesser, Handschuhen und Griff für den Spargelkorb, sind im Einsatz und fest eingearbeitet. „Aber es fehlen noch zehn Leute“, sagt Peter Aschof.  Es hätten sich zwar auch Schüler angeboten, aber für unter 18-Jährige seien die Arbeitsbedingungen – so seine Erfahrungen – zu schwer. „Man muss körperlich und auch mental fit sein.“ Der Arbeitstag beginnt um 7 Uhr und endet derzeit gegen 12 Uhr. In der Hauptsaison geht es dann um 14 Uhr weiter, „bis wir fertig sind.“ Generell sei er zuversichtlich, dass trotz der Corona-Krise die Felder komplett abgeerntet werden können.

Erdbeeren für Selbstpflücker

Insgesamt baut Peter Aschof auf zehn Hektar Spargel an, verteilt auf drei Feldern in Stukenbrock und Stukenbrock-Senne. Pro Hektar werden fünf bis sechs Tonnen Rohware geerntet, ein guter Mitarbeiter sticht pro Stunde zehn Kilogramm Spargel. Wenn Ende April/Anfang Mai die bis Mitte Juli andauernde Erdbeer-Saison beginnt, wird parallel auf einer 5,5 Hektar großen Fläche weitergearbeitet. Davon ist ein Hektar unter Tunnel. „Da haben wir durch die Selbstpflücker mehr Möglichkeiten. Der Mindestabstand kann problemlos eingehalten werden. Ich sehe keine Gefahr, dass sich dort unter freiem Himmel jemand mit dem Coronavirus infizieren kann“, sagt Peter Aschof, der auch hier Erntehelfer (zwischen sechs und acht Frauen) im Einsatz hat.

In erster Linie wird der eigene Hofladen mit den geernteten Produkten bestückt. Dort sind sämtliche Vorkehrungen getroffen, damit auch in der Corona-Zeit der Kontakt zu den Kunden bestehen bleibt. Klebestreifen auf dem Boden sorgen für den geforderten Mindestabstand, Desinfektionsmittel stehen bereit, als Abgrenzung zum Verkaufstresen gibt es einen Spuckschutz, Ein- und Ausgang sind separat. „Wir werden das schaffen“, sieht Peter Aschof die Zukunft seines Betriebs nicht bedroht. Der Andrang vor seinem Hofladen dürfte ihn bestätigen.

Hof Aschof

Seit 1956 wird an der Paderborner Straße Spargel angebaut. Peter Aschof hat den Betrieb von seinem Vater Josef übernommen und führt den Hof mit seiner Frau Gabi (54) sowie den gemeinsamen Kindern Tobias (28/studiert in Darmstadt Maschinenbau), Florian (26/arbeitet im Betrieb) und Theresa (22/arbeitet im Hofladen). Der Verkauf von Spargel und Erdbeeren sind allerdings nur zwei Standbeine des Betriebs, der auch Schweine züchtet und Ackerbau (Getreide beziehungsweise Mais) betreibt.

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