Schausteller-Familie Dorenkamp aus Schloß Holte kann Fahrgeschäft nicht aufbauen Der neue Scooter steht still

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Eigentlich sollte die Saison jetzt beginnen. Bei einer großen Osterveranstaltung in der Nähe von Bad Pyrmont wollte die Schausteller-Familie Dorenkamp ihren nagelneuen Autoscooter präsentieren. Ein wahres Prachtstück, das in dieser Größe weltweit von nur zwei Firmen gebaut wird. 46 Tonnen schwer, verladen auf einem mit fünf Achsen versehenen Anhänger, der es inklusive Zugmaschine auf die stattliche Länge von 26 Metern bringt. Doch die Investitionskosten von weit über einer halben Million Euro werden sich noch eine ganz Zeit nicht refinanzieren lassen.

Von Dirk Heidemann
Paul (vorne) und Thomas Dorenkamp wollten am kommenden Wochenende eigentlich ihren neuen Autoscooter präsentieren. Doch das weit über eine halbe Million Euro teure Fahrgeschäft bleibt aufgrund der Corona-Krise erst einmal im Anhänger.
Paul (vorne) und Thomas Dorenkamp wollten am kommenden Wochenende eigentlich ihren neuen Autoscooter präsentieren. Doch das weit über eine halbe Million Euro teure Fahrgeschäft bleibt aufgrund der Corona-Krise erst einmal im Anhänger. Foto: Dirk Heidemann

„Zwischendurch hat man mal ein verregnetes Wochenende. Aber jetzt sprechen wir von einem Totalausfall. Es ist eine schwierige Zeit, doch die Gesundheit der Menschen geht nun einmal vor. Wir hoffen, dass es im August oder September weitergehen kann. Ganz wichtig ist für uns, dass die für den Herbst angesetzten Feste wie Pollhans nicht zu früh abgesagt werden“, sagt Thomas Dorenkamp (38), der vier Jahre Planung in das neue Fahrgeschäft gesteckt hat: „Dieser Scooter war immer mein Traum.“ Dabei hat die Corona-Krise auch verhindert, dass der Scooter zu 100 Prozent fahrtüchtig ist. Denn die 30 Autos (Stückpreis zwischen 5000 und 6000 Euro) befinden sich wie noch benötigte Kappenelemente in Italien und können ebenso wenig ausgeliefert werden wie die LED-Lampen, die aus China kommen.

Musikexpress in den Irak nach Bagdad verkauft

Der Scooter, dessen Fahrbahn 26 Meter lang und 13,5 Meter breit ist, wurde in Belgien konstruiert, den Unterbau lieferte die Firma Gloria aus Grevenbroich. Zusammengesetzt wurde alles ebenfalls in Belgien. „Der TÜV Deutschland hat jede Schweißnaht überprüft und ist dafür jedes Mal über die Grenze gekommen“, sagt Paul Dorenkamp (77), der seit 61 Jahren im Geschäft ist und von seinem Vater Josef den ersten Scooter erbte. Zwei einsatzbereite Autoscooter befinden sich nach wie vor im Besitz der Schausteller-Familie, vom Musikexpress hat man sich hingegen getrennt. Der wurde in den Irak nach Bagdad verkauft. „Auch wenn es die Leute nicht glauben wollen: Dort gibt es nicht nur Krieg“, sagt Paul Dorenkamp.

Der Hauptgrund für die Investition in einen neuen Autoscooter war das fehlende Personal. „Früher habe ich sechs Leute für den Abbau, der sieben bis acht Stunden gedauert hat, gebraucht. Doch es wird immer schwieriger, jemanden für diese Arbeit zu finden. In Zukunft werde ich nur noch einen Helfer brauchen und das Fahrgeschäft in fünf Stunden abbauen“, so Thomas Dorenkamp, der auch schon genau weiß, wo er sein „Personal“ finden wird: „Ich habe vier Neffen.“

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