Dritter Workshop zur Gedenkstätte Stalag am historischen Ort in Schloß Holte-Stukenbrock mit 50 Wissenschaftlern
Experten lesen Unsichtbares

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Der Auftrag, dass sich die Gedenkstätte Stalag auch mit der Folgenutzung des Geländes beschäftigen soll, hat der Forschung zur Zeit des Stalag Auftrieb gegeben. Das sagt Jens Hecker, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte.

Freitag, 06.03.2020, 09:29 Uhr aktualisiert: 06.03.2020, 14:54 Uhr
Gesäubert, getrocknet und beschriftet: 116 Kisten voller Schuhe und anderen kleinen Gegenständen haben die Archäologen präpariert. Davor lagen sie neun Jahre lang draußen vor dem Arrestgebäude, geschützt nur durch eine Plane. Foto: Monika Schönfeld

Stalag-Workshop in Schloß Holte-Stukenbrock

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Foto: Monika Schönfeld
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Jens Hecker und Oliver Nickel, Geschäftsführer des Fördervereins Stalag 326, führten die etwa 50 Teilnehmer des dritten Workshops zur Geschichte, Überlieferung und Nachwirkung des Stalag 326 (IV K) Senne über das Gelände. „Un-Sichtbares Lager“, so der Titel des Workshops. Die Workshops dienen der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Geschichte im Vorgriff auf die Gründung eines Trägermodells, um die Gedenkstätte zu nationaler und internationaler Beachtung zu entwickeln.

Hecker berichtete, dass Menschen, die im Sozialwerk Stukenbrock als Vertriebene gelebt oder als Mitarbeiter oder deren Kinder gearbeitet haben (1948 bis 1970), unglaublich viele Erinnerungen mitteilen. „Es gibt ein riesiges Fotokonvolut, das mehrere Zeitschichten umfasst“, sagt Hecker. „Aus dem Sozialwerk lernen wir etwas fürs Stalag.“

Barbara Schulz vom Büro für Zeitgeschichte und Denkmalpflege in Berlin hat sich mit den Baracken in NS-Zwangslagern beschäftigt. Als die Teilnehmer durch das Entlausungsgebäude gehen, zeigt sie, dass der erste Raum, der heute vom Förderverein als Vortragsraum genutzt wird, im Ursprung größer war. Das sieht man an den freigelegten Wandinschriften wie „... verboten“. Da das Wort Rauchen davor gestanden hat, kann es die Wand bis 1945 noch nicht gegeben haben. Vor den Massenduschen mussten sich die Häftlinge rasieren und ihre Kleidung abgeben. Die wurde in Heißluftkammern von Ungeziefer befreit, zu Sozialwerkszeiten gab es an der Stelle ein Wäscherei. Die Entlausung hatte nicht das Ziel, den Kriegsgefangenen etwas Gutes zu tun. „Lagerarzt Hugo Karl Lill hatte den Auftrag, die Arbeitskraft der Gefangenen zu erhalten“, sagt Barbara Schulz. So müsse man offen bleiben, Unsichtbares für den Laien lesbar machen.

Rückschlüsse aus der Infrastruktur

Die Gedenkstätte wird die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude – das Arrestgebäude, die Entlausung, die Lagerkirche und die Arbeitsbaracken – ins Konzept einbeziehen. Ein Rückbau sei nicht notwendig, weil man anhand von Fotos und Erzählungen erklären könne, was ursprünglich war und was später daraus wurde. „Aus der Infrastruktur heute kann man Rückschlüsse ziehen“, sagt Jens Hecker. „Nur durch die Nachnutzung ist das Gebäude überhaupt erhalten geblieben.“

In einem Raum lagern 116 Kartons mit alten Schuhen. Die waren gefunden worden, als ein Polizei-Trainingszentrum 2011 auf dem Gelände gebaut wurde. Neun Jahre lang lagen die Schuhe und andere kleine Gegenstände vor dem Arrestgebäude auf einem Haufen, gerade mal abgedeckt mit einer Plane. „Die Mitarbeiter der Dokumentationsstätte haben nicht schlecht gestaunt, als wir in Schutzanzügen die Funde gesichert haben“, sagt Dr. Sven Spiong, Archäologe beim Landschaftsverband, der die Ergebnisse der Ausgrabungen vorstellte.

Der Landschaftsverband hat Podcasts zum Stalag erstellt unter dem Titel „ Regionalgeschichte auf die Ohren “.

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