Staatsanwalt Bielefeld stellt Verfahren vorläufig ein – Wohnort unklar Anzeige gegen Cohn-Bendit

Schloß Holte-Stukenbrock (WB/as). Bei der Staatsanwaltschaft Bielefeld hat ein Bürger aus Schloß Holte-Stukenbrock (Kreis Gütersloh) Strafanzeige gegen den Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit (74) erstattet. „Der Vorwurf ist sexueller Missbrauch von Kindern“, bestätigt Oberstaatsanwalt Martin Temmen auf Anfrage des WESTFALEN-BLATTES.

Gegen den Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit hat ein Mann aus Schloß Holte-Stukenbrock Anzeige erstattet.
Gegen den Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit hat ein Mann aus Schloß Holte-Stukenbrock Anzeige erstattet. Foto: dpa

Die Anzeige sei am 22. August 2019 erstattet und das Ermittlungsverfahren am 2. November 2019 eingeleitet worden. „Das Verfahren ist vorläufig eingestellt, weil der Aufenthaltsort des Beschuldigten unbekannt ist“, so Temmen. Darüber sei der Anzeigeerstatter informiert worden.

Die Vorwürfe gegen Cohn-Bendit sind nicht neu. Im März 2013 weigerte sich Andreas Voßkuhle, Präsident des Bundesverfassungsgerichtes, zur Übergabe des Theodor-Heuss-Preises eine Laudatio auf den ehemaligen Europaparlamentarier zu halten. Grund dafür war ein Buch von 1975, indem der Grüne über sexuelle Flirts mit Kindern geschrieben hatte. Die monatelange Debatte darüber galt als eine der Ursachen für das relativ schlechte Ergebnis der Grünen bei der Bundestagswahl am 22. September 2013 (8,4 Prozent).

In seinem Buch „Der große Basar“ hatte Cohn-Bendit sexuelle Handlungen mit Kindern beschrieben. In einer französischen Talkshow von 1982 hatte er sich ähnlich geäußert, was aber keinen Skandal auslöste. Erst 2001 warf ihm die Journalistin Bettina Röhl vor, er habe in den 70er Jahren von ihm betreute Kinder sexuell missbraucht, und löste damit eine Mediendebatte aus. Als Reaktion schrieb Cohn-Bendit im Februar 2001 an den früheren Bundesjustizminister Klaus Kinkel (FDP), er habe nie Kinder sexuell missbraucht, sondern im Kontext der damaligen sexuellen Revolution Elternprobleme im Umgang mit kindlichen sexuellen Wünschen in fiktiver, zugespitzter Ich-Form zu beschreiben versucht. Einiges sei aus seiner Sicht „unerträglich und falsch“. Er bedauerte seinen als „Provokation“ gemeinten Text von 1975 immer wieder als „Fehler“ und „große Dummheit“.

Dass die Staatsanwaltschaft Bielefeld Cohn-Bendits Aufenthaltsort als „unbekannt“ bezeichnet, ist erstaunlich. Der 74-Jährige soll seinen Lebensmittelpunkt in Frankfurt/Main haben.

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