Einmal im Jahr nimmt Heinz Renerig Besucher mit auf den Turm Bis zu den Glocken und höher

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Bis zu den Glocken und noch weiter: Einmal im Jahr nimmt Heinz Renerig vom Kirchenvorstand Besucher mit auf den Turm der Pfarrkirche St. Johannes Baptist. Zum Adventsauftakt der Kirchengemeinde haben 44 Besucher das Angebot genutzt und sind die 138 Stufen und Leitersprossen nach oben geklettert. „Erfreulich viele Kinder waren dieses Mal dabei“, sagt Renerig.

Von Monika Schönfeld
Heinz Renerig zeigt die alte, marode Spitze, die 2010 erneuert wurde. „Der Hahn wollte gerade das Fliegen lernen.“
Heinz Renerig zeigt die alte, marode Spitze, die 2010 erneuert wurde. „Der Hahn wollte gerade das Fliegen lernen.“ Foto: Monika Schönfeld

Stufen und Sprossen hinauf

Dass er auch Stadtführer ist, hat mit den Turmbesteigungen wenig zu tun. Denn bei „normalen“ Führungen spricht er zwar über die Geschichte der 1610 bis 1614 erbauten Kirche, auf den erst später errichteten Turm nimmt er aber die Leute nicht mit. In den Genuss kommt man nur am ersten Advent – und dann auch noch kostenlos.

Bis zu den Glocken geht es bequem über neue Holztreppen. Danach muss man schwindelfrei sein und Leitern hochsteigen. Foto: Monika Schönfeld

Heinz Renerig empfängt die Besucher vor der Pforte und erzählt erst mal, warum die Kirche gerade an dieser Stelle gebaut worden sei. „Die Gegend war relativ evangelisch, der Erzbischof wollte sie wieder katholisch machen. Die Menschen wanderten zur Alexanderkirche in Oerlinghausen. Da hat er den Menschen die St.-Johannes-Baptist-Kirche in den Weg gestellt.“

Eine andere Erklärung gefällt ihm persönlich am besten. „Mit Pferdefuhrwerken holte man die Steine aus dem Lippischen. Durch Antpöhlers Furt zu fahren, war zu mühsam. Dort stand die alte Kapelle. Am Donnerstagabend um 16 Uhr bricht an einem Pferdefuhrwerk die Achse. Das erneute Aufladen der schweren Steine hat man sich geschenkt: Bauen wir die

Die schwerste der drei großen Glocken im großen Turm ist die „Jesum Christum“ mit einem Gewicht von 2584 Kilogramm. Foto: Monika Schönfeld

Kirche doch hier.“ Diese Geschichte ist zwar erfunden, aber sehr beliebt bei den Besuchern.

1820 das Mittelschiff angesetzt

Wahr ist hingegen, dass 1683 die Kirche das erste Mal vergrößert, 1820 das Mittelschiff angesetzt wird. Damit gibt’s dieses Jahr schon wieder etwas zu feiern, das große Kirchweihfest am 12. und 13. September zum 200-Jährigen. Vor sechs Jahren wurde das 400-jährige Bestehen der Kirche gefeiert. So scheint die Kirche immer jünger zu werden. Bilder und Grundrisse aus den unterschiedlichen Zeiten hat Heinz Renerig auf eine Stellwand gepinnt. Über dem Gewölbe des Hochaltars hat er auch die alten Krippenfiguren aus Gips gelagert und die marode Spitze aus Holz, die bei der umfangreichen Renovierung 2010 erneuert wurde.

Die Grund- und Aufrisszeichnung der Kirche von 1614. Foto: Monika Schönfeld

Drei Glocken von 1948

Beeindruckend natürlich die Glocken „Jesum Christum“, 2584 Kilogramm schwer, Johannes Baptista (1345 Kilogramm) und Maria Friedenskönigin (1520 Kilo). Zwei weitere hängen im kleinen Turm, die „Soli deo gloria“ von 1754 und die „Heilige Anna“, die 2010 nach der Renovierung gegossen wurde. Alle fünf Glocken läuten für zehn Minuten vor der Messe. Drei Minuten vor der Messe sind nur die beiden kleinen zu hören: „So, jetzt kommt rein, es geht los“, so Renerigs Deutung.

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