Autofahrer aufgepasst: Radler dürfen auf der Straße fahren und tun das auch
Immer diese Radfahrer!

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). „In den vergangenen Jahren hat sich einiges in im Straßenverkehrswesen getan“, sagt Pascal Lideck, stellvertretender Leiter des städtischen Fachbereichs Bürgerservice und Ordnung. Insbesondere sei der Fahrradverkehr viel mehr in den Fokus gerückt. Die Straßenverkehrsordnung ist überarbeitet worden. „Deshalb war es auch im Stadtgebiet erforderlich, die Radwegeführung auf den Prüfstand zu stellen und entsprechend anzupassen.“

Donnerstag, 09.01.2020, 05:00 Uhr
Auf Fahrradstraßen haben Radfahrer Vorrang, dürfen nebeneinander fahren. Pascal Lideck, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Bürgerservice und Ordnung, hier auf der Pollstraße. Foto: Monika Schönfeld

Die Neuregelungen sind umfangreich und führen zur Verwirrung. „Und es werden noch mehr Änderungen kommen“, sagt Lideck. Radfahrer fühlen sich auf der Straße oft unsicher. Dennoch ist es das erklärte Ziel der Straßenverkehrsordnung, dass sich Radfahrer und der motorisierte Verkehr einen Raum teilen. Pascal Lideck fasst die Bestimmungen zusammen.

 

Radwegebenutzungspflicht

Die blauen Schilder werden abmontiert. Die Benutzungspflicht für Radwege innerhalb geschlossener Ortschaft ist gefallen.

Die blauen Schilder werden abmontiert. Die Benutzungspflicht für Radwege innerhalb geschlossener Ortschaft ist gefallen. Foto: Monika Schönfeld

Innerhalb geschlossener Ortschaften ist die Benutzungspflicht auf allen städtischen Straßen aufgehoben worden. Das bedeutet, dass Radfahrer die Fahrbahn benutzen dürfen. Sie müssen sie sogar benutzen, wenn die abgetrennten Wege nicht für Radfahrer (durch Piktogrammen/Markierungen) freigegeben ist.

Auf den Kreis- und Landesstraßen findet derzeit ein Umbruch statt. Es ist festgestellt worden, dass eine Radwegebenutzungspflicht innerörtlich auch auf diesen Straßen nicht mehr zulässig ist. Die rechtliche Regelung sieht vor, dass die Radfahrer die Fahrbahn benutzen, sie jedoch auch weiterhin auf Radwegen fahren dürfen. Umgesetzt wurde dies bereits im Zuge der Holter Straße . Die Kaunitzer Straße , Bahnhofstraße , Oerlinghauser Straße , Trapphofstraße , Hauptstraße , Sender Straße und der Landerdamm werden ebenfalls neu beschildert.

Radfahrer dürfen auf Geh-/Radwegen auch gegen die Fahrtrichtung fahren.

Radfahrer dürfen auf Geh-/Radwegen auch gegen die Fahrtrichtung fahren. Foto: Monika Schönfeld

In Fahrtrichtung werden die Radwege durch ein Piktogramm (Fußgänger/Radfahrer) gekennzeichnet. Ist ein Radweg in Gegenrichtung freigegeben, wird dies durch das Verkehrszeichen „Radfahrer frei“ beschildert.

 

Fahrradstraße

Diese Form der Radwegeführung hat 2018 im Stadtgebiet Einzug gefunden. Die Bedingungen für die Einrichtung von Fahrradstraßen: Auf Fahrradstraßen darf der Kfz-Verkehr nur gering sein (für Anlieger). Zudem kommen Fahrradstraßen nur in Betracht, wenn der Radverkehr bereits die vorherrschende Verkehrsart ist oder dies zu erwarten ist. Erstmals wurden die Straßen Pollstraße und Marktweg als Fahrradstraße angeordnet. In diesem Zusammenhang wurden diese auch entsprechend ausgebaut.

In einer Fahrradstraße haben die Radfahrer Vorrang und dürfen auch nebeneinander fahren. In Schloß Holte-Stukenbrock sind das die Pollstraße, der Marktweg und die Autobahnbrücke Lönsweg.

In einer Fahrradstraße haben die Radfahrer Vorrang und dürfen auch nebeneinander fahren. In Schloß Holte-Stukenbrock sind das die Pollstraße, der Marktweg und die Autobahnbrücke Lönsweg. Foto: Monika Schönfeld

In einer Fahrradstraße haben die Radfahrer den absoluten Vorrang. Andere Kfz-Teilnehmer haben sich dem Radverkehr unterzuordnen. Das Nebeneinanderfahren von Fahrradfahrern ist erlaubt. Anderer Fahrzeugverkehr ist zudem nur dort zugelassen, wo dies durch Zusatzzeichen erlaubt ist. In Schloß Holte-Stukenbrock ist den Anliegern der Straße das Befahren erlaubt. Es gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h. Da in diesem Bereich zwei Fahrradstraßen aufeinandertreffen gilt hier die Regelung „Rechts vor Links“.

2019 wurde eine weitere Straße im Zuge der Straße Am Hallenbad und auf der Autobahnbrücke des Lönsweges angeordnet. Die entsprechenden Schilder werden hier noch aufgestellt.

 

Fahrradzone

Künftig wird die Straßenverkehrsordnung mit dem Verkehrszeichen „Fahrradzone“ ergänzt. Dadurch können mehrere zusammenhängende Straßen zum Beispiel Pollstraße/Marktweg als Fahrradstraßen gekennzeichnet werden. Ob dies für weitere Straßen im Stadtgebiet angewendet werden kann, muss geprüft werden. Es liegen jedoch schon weitere Anträge für Straßen im Stadtgebiet vor, die als Fahrradstraße ausgeschildert werden sollen.

 

Fahrradschutzstreifen

Diese Form der Radwegeführung wird immer häufiger in Städten verwendet. Sie dient dazu, den Radverkehr sicher auf der Fahrbahn zu führen, wenn auf den Nebenanlagen

An der Ostritzer Straße ist der erste Schutzstreifen markiert worden.

An der Ostritzer Straße ist der erste Schutzstreifen markiert worden. Foto: Monika Schönfeld

nicht ausreichend Fläche zur Verfügung steht und die gemeinsame Führung des Radverkehrs auf der Straße ohne Hilfsmittel nicht sicher genug erscheint. Diese Führungsformen sind jedoch an rechtliche und bautechnische Vorgaben gebunden. Der Fahrradschutzstreifen ist zwischen 1,25 Meter (Mindestmaß) und 1,50 Meter (Regelmaß) breit. Die Fahrbahn zwischen den Streifen muss mindestens 4,50 Meter breit sein. Der Radfahrstreifen darf von Kraftfahrern im Bedarfsfall überfahren werden. Parken ist nicht zulässig, das Halten (bis zu drei Minuten) schon.

 

Radfahrstreifen

Der Radfahrstreifen hat mindestens eine Breite von 1,85 Meter, 2 Meter ist empfohlen. Die Fahrbahn zwischen den Streifen muss mindestens 5,50 Meter breit sein. Als so genannter Sonderfahrstreifen für Radfahrer ist er immer benutzungspflichtig. Kraftfahrer dürfen diesen nicht befahren. In Schloß Holte-Stukenbrock wird diese Form auf absehbare Zeit nicht eingesetzt, weil in der Stadt die Straßen nicht so breit sind, dass die Abstände eingehalten werden könnten, sagt Pascal Lideck.

Bisher umgesetzt

Bislang wurde ein Schutzstreifen auf einem kurzen Teilstück der Ostritzer Straße zwischen Kaunitzer Straße und dem Feldweg markiert. Hier soll dem Radfahrer eine Führung auf der Fahrbahn angeboten werden, die ihm zum neu ausgebauten Geh-/Radweg führen kann. „Es ist ein erster Schritt, die Schutzstreifen im Stadtgebiet bekannt zu machen“, sagt Pascal Lideck. Weiterhin ist der Umbau der Helleforthstraße geplant. Auch hier wird an einem Abschnitt ein Schutzstreifen markiert. Die Verwaltung hat zudem ein Ingenieurbüro beauftragt, das die geeigneten Führungsformen für den Radverkehr im Zuge der Hauptstraße zwischen den beiden Kreisverkehren untersuchen sollte. Im Ergebnis sind beidseitig angelegte Schutzstreifen geeignet, den Radfahrer an der Stelle zu führen. Die Planung wurde dem Landesbetrieb zur Überprüfung vorgelegt.

Das Piktogramm bedeutet: Radfahrer dürfen hier fahren, können aber auch die Straße benutzen.

Das Piktogramm bedeutet: Radfahrer dürfen hier fahren, können aber auch die Straße benutzen. Foto: Monika Schönfeld

Der umgestaltete Kreisverkehr am Rathaus zeigt Wirkung: Bisher habe es dort keine Unfälle mehr gegeben. So gestaltet hat die Stadt auch den Kreisverkehr an der Ostritzer Straße/Mergelheide. Pascal Lideck wünscht sich diese Sicherheit auch für die beiden Kreisverkehre an der Hauptstraße in Stukenbrock.

Die Verwaltung bittet darum, vor allem auch in der dunklen Jahreszeit, weiterhin auf gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenverkehr zu achten. Insbesondere sollte der Sicherheitsabstand von mindestens 1,50 Metern beim Überholen von Radfahrern beachtet werden.

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