Verschwundene Gebäude: Das Hochzeits- und Bettenhaus Peters Eiche weicht der Straße

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Bilder, die gerade mal 60 bis 70 Jahre alt sind, zeigen, wie sich die Straßen im „Dorf“ verändert haben. Ortsheimatpfleger Günter Potthoff hat Bilder aus den 50er-Jahren, auf denen das alte Hochzeitshaus an der Hauptstraße in Stukenbrock zu sehen ist. 1960 musste es weichen. Das Fachwerkhaus wurde trotz gegenteiliger Pläne nicht wieder aufgebaut. Die Menschen trauerten aber mehr der Eiche nach, die für den Straßenbau gefällt werden musste.

Von Monika Schönfeld
Am Weißen Sonntag, 17. April 1955, ziehen die Kommunionkinder am Hochzeitshaus vorbei. Davor steht Peters’ Eiche. Als sie fünf Jahre später gefällt werden muss, wird das mehr bedauert als der Abriss des Hauses.
Am Weißen Sonntag, 17. April 1955, ziehen die Kommunionkinder am Hochzeitshaus vorbei. Davor steht Peters’ Eiche. Als sie fünf Jahre später gefällt werden muss, wird das mehr bedauert als der Abriss des Hauses. Foto: Leopold Brechmann/Fotosammlung Potthoff

„Wegen der Erweiterung der Bundesstraße 68 musste Peters’ Eiche gefällt und das alte Hochzeitshaus abgerissen werden. Eine alte Frau, die bei der Fällung 1960 dabei war, sagt: ‚Ich hätte nie gedacht, dass jemals dieser schöne Baum gefällt werden müsse nur wegen des Verkehrs.‘“ Die Eiche habe einen Durchmesser von 1,30 Meter gehabt. Das Alter, so Potthoff, sei von Fachleuten auf mehr als 300 Jahre geschätzt worden. Der Stukenbrocker Ortsheimatpfleger Johannes Stiewe habe zur Fällung des Baumens einen Zeitungsbericht verfasst. Er schrieb: „Sie hat sicher noch den Durchmarsch der Franzosen im Siebenjährigen Krieg von Lippspringe durch Stukenbrock nach Minden erlebt, wo die Franzosen von den Preußen-Engländern geschlagen wurden. Ebenso den Rückzug, bei dem der preußische Oberkommandierende, Ferdinand von Braunschweig, auf Welschofs Hof sein Hauptquartier aufschlug. Generationen Stukenbrocker sind an ihr vorbei die Stufen zur Kirche emporgestiegen, und den scheidenden Toten hat sie auf ihrem Weg zum Kirch- oder Friedhof den letzten Gruß zugerauscht. In ihrer Jugend gab es hier nur staubige Landwege. Mehr Leben gab es schon, als der Lehrer Franz Joseph Gauksterdt das jetzige Petersche Haus ausbaute und unter dem Schatten der Eiche das Hochzeitshaus errichtete. Wie ging es dann lustig zu bei Kaffee und Kuchen, Wurst und Bier! Das Essen wurde noch über den verträumten Sandweg getragen, ein Zeichen der geruhsamen Zeit. Auch die Stukenbrocker Kirmes fand in ihrer Nähe statt.“

1888 habe der Ausbau der Straße zur damaligen Bundesstraße begonnen. Bald, so Stiewe, sei der erste Wagen ohne Pferde an der Eiche vorbeigebraust. Der Verkehr sei immer stärker geworden und mancher Autofahrer landete an der Eiche. „Mit dem Ausbau der Ortsdurchfahrt müssen nun in diesen Tagen Baum und Saal den Erfordernissen des modernen Verkehrs Platz machen. Ein Stück Heimat- und Dorfgeschichte geht damit zu Ende. Den Heimatfreund erfüllt es mit Wehmut, den alten Recken sinken zu sehen.“

Die Gemeinde Stukenbrock wollte das Hochzeitshaus und später Bettenhaus an anderer Stelle wieder aufzubauen. Johannes Stiewe hätte es gern als Heimatmuseum genutzt. Keiner dieser Pläne wurde verwirklicht.

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